Whippetpfoten

Für die einen zentrale Körperteile, die größte Aufmerksamkeit bei der Pflege genießen und nach deren Gesundheit man Zuchthunde auswählt, für die anderen etwas, das höchstens wegen der Krallenpflege mal begutachtet wird (wenn überhaupt): Whippetpfoten.
Es gibt sie in der gut oder weniger gut aufgeknöchelt Version, mehr oder weniger fest geschlossen, es gibt Katzenpfoten und Hasenpfoten und es gibt viele Neulinge im Ausstellungsring, die sich nach Erhalt ihres Berichts darüber wundern, was denn Katzen- oder Hasenpfoten an ihrem Hund zu suchen haben…

Eben sah ich diese tollen Aufnahmen und was mir dabei ins Auge gefallen ist, sind die Pfoten. Die Pfoten dieser urtümlichen Katzenart sind dafür gemacht, sie bestens durch ihr Leben im Regenwald zu tragen, nämlich hauptsächlich in den Bäumen. Die Zeitlupenaufnahmen zeigen die Flexibilität auf ganz herrliche Art und Weise.

Ganz anders sind die Pfoten von Geparden gebaut, bekanntermaßen das schnellste Landsäugetier, neben Greyhound und auch Whippet.

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Geparde können ihre Krallen nicht einziehen, anders als andere Katzenartige. Sie brauchen sie als Spikes im Sprint. Die Zehen sind deutlich länger und aufgeknöchelter. Weil der Gepard in vielerlei Hinsicht so anders ist als andere Katzen, wurde er früher in eine eigene Familie eingeteilt.

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Diese Anatomie ist funktionell und gehört zum Gepard, der deshalb solche herausrangenden Leistungen erbringen kann, weil er aussieht, wie er aussieht.

Whippetpfoten sind auch funktionell, oder sollten es sein. Nichts sei frustrierender, als ein Whippet, der aufgrund schlechter Pfoten ständig lahm gehe, schreibt Helen Hansell in ihrem Buch „The Working Whippet“.

Die Gesundheit der Pfoten ist ein Faktor, der züchterisch selektiert werden kann und sollte. Wobei man natürlich nicht davon ausgehen darf, dass eine funktionelle Whippetpfote jede Vernachlässigung in puncto Krallenpflege, jede Überforderung (vor allem in der Jugendphase), jedes noch so katastrophale Coursing oder jede ungepflegte Rennbahn unverletzt übersteht. Sie sind eben Spezialisten. Aber gut Belastungsfähigkeit im Freilauf muss schon drin sein!

Und wie war das jetzt mit den Hasen- und Katzenpfoten?

Der AKC schreibt in seinem Standard: „Feet more hare than cat, but both are acceptable.“ (Pfoten mehr Hase als Katze, aber beides ist akzeptabel.)

Die FCI und der KC unterscheiden nicht: „Sehr klar umrissen; Zehen gut voneinander abgesetzt, gut aufgeknöchelt; dicke und starke Ballen.“ bzw. „Oval, well split up between toes, knuckles well arched, pads thick, nails strong.“

Wie Katzenpfoten aussehen, haben wir ja im Kopf. Und der Hase, ebenfalls gemacht für Geschwindigkeit, sieht so aus 😉

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„Katzen“pfoten sind also die großen, runden und kompakten/geschlossenen Pfoten mit kurzen Zehen. Diese Pfotenform soll energiesparend in der Bewegung sein, daher haben ausdauernde Hunderassen eher Katzenpfoten.

„Hasen“pfoten weisen längere Zehen auf, sind energieaufwendiger in der Bewegung, eignen sich aber besser für explosive Sprints und hohe Geschwindigkeiten, sie finden sich daher bei vielen Windhunden – und beim Gepard.

Verwechseln darf man Hasenpfoten aber nicht mit den kaputten oder durchgetretenen Pfoten, wie sie vor allem bei den Windhunden aus dem Auslandstierschutz häufiger zu sehen sind. Verletzungen, Mangelernährung und zu frühe Überforderung führen zu „Plattfüßen“, das hat nichts mit einer funktionellen Hasenpfote zu tun. Dennoch sind Katzenpfoten natürlich weniger verletzungsanfällig als Hasenpfoten, was nicht nur an der höheren Geschwindigkeit bei den Windhunden liegt. Lange Zehen, weniger kompakte Pfoten plus enorme Geschwindigkeiten bilden das Risiko, zusätzlich fällt natürlich jeder Millimeter Krallenlänge und damit Krafteinwirkung auf die Zehe ins Gewicht.

Daran denken also Whippet-Nerds, wenn sie Videos vom Nebelparder sehen 😉

Edit 10. März 2017: Ich habe heute ein sehr eindrückliches Beispiel dafür gefunden, wie Krallenpflege sich auf die Pfotenform und die Körperhaltung auswirkt. Die Fotos stammen von C. Lessard und zeigen eine Deutsche Dogge, die sie vor einem Jahr übernahm. Der Hund hat nun schöne Katzenpfoten und nicht mehr aufgespreizte Zehen, die an Hasenpfoten erinnern – aber keine sind! Verletzungsgefahr deutlich reduziert, Gefahr für Folgeschäden am Bewegungsapparat gebannt 😉

Wie zeitauwendig ist die Whippethaltung?

Angeregt durch die immer wiederkehrende Frage, wie viel Bewegung und Beschäftigung denn ein durchschnittlicher Whippet (ausgenommen Welpen und Senioren mit speziellen Bedürfnissen) wirklich bräuchte, muss ich jetzt einfach mal diese kleine Umfrage machen.
Außerdem würde ich gerne wissen, wie viel Zeit ihr ansonsten für die Whippethaltung aufwendet, was von der Krallenpflege über Fütterung bis zum Waschen der Bettchen und Mäntelchen reichen kann 😉
Es heißt oft, Whippets wären sehr pflegeleicht = wenig Zeitaufwand für die Versorgung. Ob das stimmt?
Ich mache die Umfrage auf dem Blog, da sie hier für jeden sichtbar ist und bleibt, die Abstimmung anonym erfolgen kann und jeder teilnehmen darf, was auf FB alles nicht möglich ist. Ihr könnt nur 1x abstimmen, damit der Wert nicht verzerrt wird.

Wie viel Bewegung und geistige Beschäftigung braucht euer (gesunder) Whippet am Tag, um gut ausgelastet und zufrieden zu sein? Wie viel Zeit wendet ihr für das Drumherum auf?
Wenn ihr meint, euer Hund bräuchte eigentlich mehr Zeit und ihr schafft es aus irgendeinem Grund nicht, könnt ihr auch angeben, was euer Ideal wäre.
Wer gerne kommentieren und Interessenten einen Einblick geben möchte, ist dazu natürlich herzlich eingeladen!
Eigene Erfahrungswerte können nie für alle zutreffend sein, daher fände ich es schön, wenn ein paar Beispiele zusammenkämen.

Zwischenbericht Jänner 2017

Ich weiß, dass manche von euch sich weigern oder schlicht auch gar nicht daran denken, gelegentlich auf der FB-Seite vorbeizuschauen. Für mich ist das nachvollziehbar, sehr sympathisch ist mir diese Form der „sozialen Medien“ auch nicht. Aber mal eben Fotos und ein, zwei Sätze online stellen und mit Leuten in Kontakt treten, das geht halt leichter.
Ich werde mich trotzdem bemühen, den Blog ein wenig mehr am Leben zu halten, daher mal die letzten 2 Wochen im Schnelldurchgang:

Momentan bin ich wieder häufiger mit meiner Freundin Elisabeth und ihren Retrievern unterwegs, wir kennen uns noch aus der Schule und haben eben beide einen kleinen Hundetick – und Fotos machen wir auch gerne 😉
Am 6. Jänner waren wir am Buchberg, es war der bisher kälteste Tag des Jahres mit deutlich unter -10°C und viel Sonne. Den anderen wollte ich so einen langen Spaziergang nicht zumuten, sie frieren mittlerweile doch schneller und wenn sie nicht ständig in Bewegung sind, schmerzt diese Temperatur auch an den Pfoten. Lori macht das nichts aus, wie man sieht!

Wenn man genau hinsieht, bemerkt man bei dem Rüden, der mir die Haube vom Kopf klauen will, eine große kahle Stelle. Bei Cider wurde im Sommer ein sehr seltener Drüsenkrebs diagnostiziert und nach der OP bekam er Bestrahlungen und aktuell eine Chemotherapie. Glücklicherweise haben wir in München eines der ganz wenigen Zentren für solche Behandlungen, die beim Hund ja noch nicht so üblich sind. Neben den enormen Kosten (in Summe mehr als ein neuer Kleinwagen) schreckt viele die Angst davor ab, dass es dem Hund unter der Chemo schlecht gehen könnte. Das ist aber nicht der Fall und Cider hat bei mir die Skepsis gegenüber Chemo für Hunde reduziert.

Dann hatte ich am Dienstag wieder einmal Vivid zu Gast, das Silken Windsprite meiner Mutter. Vivid wird im Mai schon 8 Jahre, ist aber noch immer spritzig wie eine 3-Jährige 😉

Nachdem die Rasse nun ja vom VDH anerkannt ist, wird voraussichtlich bald auch der ÖKV folgen. Leider zu spät, um Vivid noch in die Zucht zu nehmen, aber ihre Geschwister haben in Deutschland ja fleißig für Nachwuchs gesorgt. Vielleicht gibts irgendwann wieder einen Silken in diesem Haushalt, wer weiß…

Und dann war da natürlich noch die Saisoneröffnung mit dem CACIL Coursing in Galtür, an dem Enzo/Amigo und Levi/Loris Bruder teilnahmen.
Morgens standen wir am Fenster und schauten in das dichte Schneegestöber, und Michael meinte: „Würd’s dich jetzt freuen, mit einem Hund am Start zu stehen?“
„Nein. Würd’s dich freuen, an der Maschine zu stehen oder mit dem Skidoo auszulegen?“
„Nein.“
Thema gegessen.
Es sind echt immer wieder extreme Bedingungen, unter denen Schneecoursings stattfinden und man muss den Veranstaltern ja ehrlichen Respekt dafür entgegenbringen, dass sie es sich auch immer wieder antun. Und natürlich jedem Hund, der da durchhält.
Bei -10°C, Sturm und Schnee gabs dann auch heute verständlicherweise nur einen Durchgang und Enzo hat eine sehr schöne Leistung erbracht:
1. Platz von 8 Whippets gemischt
Internationale Österreichischer Meister 2017
Best in Field
(gemeldet waren 59 Hunde, wie viele tatsächlich anwesend waren, kann man sicher bald auf http://www.windhundesport.at nachlesen)

Noch ein Titelchen mehr, aber nachdem es seit 2016 Seniorenchampionate für Coursings und Rennen in Österreich gibt, wird ihm ab Herbst auch nicht fad 😀
CACILs gibts nach neuem FCI-Reglement auch nur mehr/wieder auf Antrag und weil er ja schon mehr als genug hat, durfte es natürlich gleich ein anderer haben. So macht man das, und nicht im Nachhinein zum Schein großherzig abtreten, wie ich es mit den CCLAs schon erlebt habe. „Möchtest du es, ich brauch’s ja eigentlich nicht mehr?!“ Als würde das ein gutes Licht auf jemanden werfen, wenn er seinen Hund für ein CCLA oder CACIL anmeldet und es dann später mit lieben Worten abgibt…
Ehrlich, tut’s nicht 😛

Levi hatte leider ein bisschen Pech und verlor den Hasen kurz aus den Augen, was natürlich bei nur einem Durchgang ungünstig ist. Er wurde 7. von 8, aber das macht nichts, er ist ja erst 18 Monate und holt sich sicher noch seine verdienten Platzierungen ab.
Ich freue mich, dass es allen gut geht und hoffe, es bleibt weiterhin so!

Neujahrsgrüße 2017

Allen Lesern wünsche ich ein wunderbares Jahr 2017!

Unser Jahreswechsel war ruhig, die Hunde haben ihn verschlafen und um halb 2 war der Himmel wieder sternenklar 🙂

Der letzte Sonnenuntergang 2016:

Lori ist nun 18 Monate und ich musste gestern daran denken, dass sie in diesem Alter schon offiziell Mutter werden dürfte. Viele Züchter lassen ihre Hündinnen ja auch schon vor dem 2. Geburtstag decken. Wie die meisten Hündinnen ist Lori aber natürlich noch sehr welpenhaft und kindlich und sicher noch keine Mama. Wobei ich glaube, dass sie immer ein bisschen mein Kasperl bleiben wird 😉

Wenn doch ein paar Schneeflocken fallen…

Jedes halbe Jahr kann man hier ja mal wieder Fotos online stellen, das werde ich zukünftig wohl schaffen 😉

Unser zweiter Schnee heuer (man zählt ja mittlerweile schon mit) wird vermutlich auch nicht länger als die ersten paar Zentimeter vor einigen Wochen bleiben, daher freue ich mich umso mehr, dass ich ihn heute mit den Hunden genießen durfte.

Lori hat momentan leichte Verständnisschwierigkeiten, oder anders ausgedrückt, sie braucht häufiger mal ne deutliche Ansage, damit wirklich was zu ihr durchdringt 😉

 

„Ich?! Niemals, ich höre jedes Wort!“

 

Aber es wäre ja sonst auch ein wenig langweilig…

 

ganz ohne Action!

 

Man wird mit der Zeit ja doch ein wenig gemütlicher ❤

Die Ergebnisse der Herzstudie bei Whippets und Salukis – Echokardiographische Referenzintervalle und mehr

Vor ziemlich genau 3 Jahren habe ich ja den Aufruf zur Teilnahme an einer Studie der LMU München geteilt, es ging damals um die Ermittlung von echokardiographischen Referenzwerten bei Windhunden.
Einladung zum kostenlosen Herzultraschall und zur Augenuntersuchung in Leonding/OÖ

Windhunde haben vom „Durchschnittshund“ abweichende Herzparameter, weshalb es leider immer wieder zu Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen kommt. Mit einer an die Rasse angepassten Beurteilung der Untersuchungsergebnisse passiert das weniger häufig, und das war eines der Ziele dieser Untersuchung.
Ursprünglich waren mehr Rassen angedacht, doch die Halter und Züchter waren teilweise etwas zurückhaltend.

Leider haben auch an diesem Wochenende nicht so viele Halter mitgemacht, wie wir uns das gewünscht hätten, aber es kamen während des 1,5 Jahre dauernden Untersuchungszeitraums immerhin genügend Whippets und Salukis zusammen, um eine valide Aussage zu treffen. Ich möchte allen Tierärzten, Helfern und Teilnehmern ganz herzlich danken, vor allem aber natürlich meinen Welpenleuten, die teilweise sehr lange Anfahrten in Kauf genommen haben!
Ihr seid einfach toll ❤

Baharí und Merlin
Baharí (leichtester Whippet in der Studie 😀 ) und Merlin

So, und was kam dabei nun heraus?

Echokardiographische Referenzintervalle für Salukis und Whippets mit Schwerpunkt auf Bestimmung der enddiastolischen und endsystolischen linksventrikulären Volumina mittels der Simpson-Scheibchen-Summationsmethode von (nun Dr.) Maria Seckerdieck, LMU München

Folgend möchte ich das zitieren, was mir an dieser Arbeit persönlich als Züchter und Halter relevant erscheint, es ist also meine persönliche Meinung und meine persönliche Schlussfolgerung. Wer die ganze Arbeit lesen möchte und vielleicht zu eigenen Schlüssen kommen will, der kann und soll das auf jeden Fall tun! Da sie noch dazu auf Deutsch ist (wobei ich den Artikel im Journal of Veterinary Cardiology als prägnante Zusammenfassung als besonders lesenswert empfinde), kann sie wirklich jeder durchackern und verstehen  🙂

In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass sich die Herzgrößen und -dimensionen von Windhunden von den kardialen Gegebenheiten anderer Hunderassen unterscheiden. Es fallen vor allem größere linksventrikuläre Innendurchmesser, sowie Wanddicken auf, die leicht zu Fehlinterpretationen bei diesen athletischen Hunderassen führen können. Rassespezifische Referenzintervalle sind demnach essentiell, um Fehldiagnosen zu vermeiden. (…)

In einer Studie bei Whippets präsentierten sich fast 60 % der Studientiere mit einem leisen systolischen Herzgeräusch, welches meist über der Aortenklappe und in manchen Fällen auch über der Pulmonal- und Mitralklappe zu hören war. Diesen Befunden lagen keine strukturellen Herzerkrankungen zugrunde, auffällig war lediglich, dass diese Tiere im Vergleich zu Tieren ohne Herzgeräusch eine höhere Aortenflussgeschwindigkeit aufwiesen (BAVEGEMS et al., 2011). (…)

Vergleiche zwischen verschiedenen Zuchtlinien
Auf die Simpson-Volumina hatte die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zuchtlinie (Rennlinie oder Showlinie) keinen Einfluss. Weder beim Whippet noch beim Saluki gab es einen signifikanten Unterschied der Volumina zwischen den Gruppen.
Bei den übrigen Parametern fielen in der Population der Whippets lediglich höhere Aorten- und Pulmonalflussgeschwindigkeiten für Tiere aus einer reinen Rennlinie auf. (…)
Es bleibt anzumerken, dass Hunde aus einer reinen Rennlinie in beiden Rassen deutlich unterrepräsentiert waren. Es ist möglich, dass bei einer größeren Population und ausgeglichener Stichprobenzahl die Unterschiede bedeutender ausfallen.
Die Herkunft aus bestimmten Zuchtlinien muss in jedem Fall bei der Beurteilung der echokardiographischen Befunde berücksichtigt werden.

Es ist naheliegend, dass sich die mittlerweile doch als extrem zu bezeichnende Selektion auf Geschwindigkeit in manchen Rennlinien auch auf das Herz auswirkt. Das sollte man bei Untersuchungen also berücksichtigen und nicht falsche Schlüsse aus (vom Durchschnittshund) abweichenden Werten ziehen.
Auch ist ein leichtes (systolisches) Herzgeräusch noch lange kein Anzeichen für ein tatsächliches Herzproblem, sondern funktionell bedingt. Immer wieder hört man ja die Aussage, ein junger Hund sei herzkrank, weil er ein Herzgeräusch hat. Ein unkundiger Tierarzt (und hier unkundig zu sein ist, in meinen Augen nicht unbedingt eine Schande) kann also Fehldiagnosen stellen. Das war auch ausdrücklich einer der Beweggründe für diese Untersuchung, häufige Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen bei Windhunden. Eine medikamentöse Therapie ohne entsprechende Untersuchung bei einem Spezialisten ist demnach keine gute Idee!

Biene und Merlin gehören einfach zusammen :)
Biene und Merlin im Januar 2014

Ein relativ hoher Prozentsatz der in dieser Studie untersuchten Whippets und Salukis zeigte Insuffizienzen an den Atrioventrikularklappen.
Von 119 Whippets wiesen 23 Tiere (19,3 %) Insuffizienzen der Mitralklappe auf und drei Tiere (2,5%) Insuffizienzen der Trikuspidalklappe. (…)
BAVEGEMS et al. fanden bei Whippets aus einer reinen Rennlinie eine höhere Prävalenz für eine Mitralinsuffizienz als für Tiere aus einer reinen Showlinie. Die meisten Hunde aus der Rennlinie wurden in jener Studie auch sportlich geführt (BAVEGEMS et al., 2007).
In der vorliegenden Arbeit war eine Einteilung der Hunde nach dem Trainingszustand nicht möglich, sodass ein Einfluss von sportlicher Aktivität auf die Regurgitationen an den Herzklappen nicht evaluiert werden konnte.
Es ist aber auch zu überlegen, ob bei Whippets und Salukis möglicherweise eine Prädisposition für Klappendysplasien bzw. für die Entwicklung von Mitral- und/oder Trikuspidalklappenendokardiosen im Alter vorliegt. Die Tiere, die in dieser Studie mit Mitralklappeninsuffizienzen auffielen, waren im Durschnitt 6,9 Jahre (Whippets) bzw. 6,0 Jahre (Salukis).

Es gibt bereits Untersuchungen zur früh auftretenden Mitralklappeninsuffizienz beim Whippet, die etwas tiefer gehen. Relativ frisch ist auch eine Untersuchung zum genetischen Hintergrund der MI beim Whippet:

In Whippets, previous publications and an ongoing longitudinal study of healthy and MVD affected dogs have demonstrated high frequency of MVD and a comparably early age of onset in some dogs supporting its plausible genetic origin [12–14]. The purpose of this study was to identify a genetic locus associated with the development or severity of MVD in Whippets.
These results support the hypothesis that severity of MVD in whippets has a genetic basis and warrants further study by either candidate gene sequencing or next-generation techniques.

Severity of Mitral Valve Degeneration Is Associated with Chromosome 15 Loci in Whippet Dogs

Frei übersetzt: Beim Whippet haben frühere Publikationen und laufende Langzeitstudien von gesunden und an MI erkrankten Hunden eine besondere Häufigkeit von MI gezeigt und ein vergleichsweise frühes Einsetzen, was einen genetischen Ursprung nahelegt. Das Ziel dieser Studie war es, einen genetischen Locus ausfindig zu machen, der mit der Entwicklung oder dem besonderen Schweregrad der MI in Zusammenhang stehen.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Hypothese, dass die früh einsetzende MI beim Whippet in dieser Schwere/Ausprägung genetisch bedingt ist. Weitere Untersuchungen müssen (und werden hoffentlich) folgen.

Hier möchte ich ganz kurz anführen, was eine MI eigentlich ist:
Die Mitralklappe ist eine Herzklappe und verhindert während der Auswurfphase des Herzens den Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer (Ventrikel) in den linken Vorhof (Atrium). Diesen Rückfluss nennt man Regurgitation.
Wenn euch jemand sagt, er hat einen Herzfehler oder einen Herzklappenfehler, dann ist damit meist die MI gemeint, denn sie kommt auch beim Menschen relativ häufig vor.
Die Folge ist eine übermäßige Belastung des linken Ventrikels und im weiteren Verlauf kommt es zur Erweiterung (Dilatation) des linken Ventrikels und des linken Vorhofes. Der Blutdruck in den Pulmonalvenen steigt, das ganze Herz wird überbelastet, der Körper versucht die Minderversorgung mit Blut zu kompensieren, die Herzfrequenz steigt, das Herz vergrößert sich usw. usf.
Wird nicht behandelt, kommt es zur Herzinsuffizienz.

herzklappen
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Eine MI kann angeboren oder erworben sein, bspw. durch Infekte, die die Herzklappe angreifen und zur verringerten Dichtigkeit führen.
Das gehäufte Auftreten von MI beim Whippet wurde immer damit begründet, dass Sporthunde eben anfälliger seien oder das eine Art Verschleißerscheinung sei.
Die Besonderheiten des Sportlerherzens zeigen sich aber anders.

So haben rennsportlich geführte Greyhounds eine signifikant größere linksventrikuläre Wanddicke und einen erhöhten Innendurchmesser im Vergleich zu einer nicht sportlich aktiven Kontrollgruppe derselben Rasse (LONSDALE et al., 1998).

Dies scheint genetisch bedingt zu sein, da sowohl Welpen als auch untrainierte Hunde und im Training stehende Hunde die selben Verhältnisse zwischen Herzgewicht und Körpergewicht aufweisen, also ein vergleichsweise vergrößertes Herz.
Außerdem muss man sich fragen, wie sportlich aktiv die sportlich geführten Hunde tatsächlich sind. Wenn wir Menschen in unregelmäßigen Abständen einen halsbrecherischen Sprint durch die vollkommen überfüllte Bahnhofsvorhalle hinlegen, uns keuchend und mit letzter Kraft die Treppen hochschieben und mit einem wenig eleganten Hopser im Zug landen, wo wir dann laut schnaufend auf einem Sitz hängen, würde niemand auf die Idee kommen, uns als Hochleistungssportler zu bezeichnen. Recht viel mehr ist Windhundsport für manche Windhunde aber gar nicht. Alle paar Wochen mal ein Training auf der Bahn oder einen Bewerb zu bestreiten, ist nicht unbedingt so sportlich, dass man von Leistungssport sprechen könnte. Der unzureichende Trainingszustand mancher Hunde zeigt das ja auch, denn die Sache mit dem Freilauf, die ist ja bei manchen schwierig.
Vergleiche mit Profi-Racern der Rennindustrie sind also nicht unbedingt immer aussagekräftig.
Eine weitere Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt: Was ist mit echten Arbeitshunden oder Sporthunden, die zu einem großen Teil konstant deutlich höhere Leistungen erbringen? Wo sind diese Hunde, die bedingt durch ihre Leistungen gehäuft von MI betroffen sind?
Von Schlittenhunden gibt es Daten, die vermehrt leichte funktionelle Herzgeräusche bei hochtrainierten Schlittenhunden zeigen. Diese sind aber nicht mit einer MI oder einer anderen strukturellen Abweichung gekoppelt, Ursache ist die erhöhte Aortenflussgeschwindigkeit, siehe Zitat weiter oben oder S. 34 in Maria Seckerdieks Arbeit.
Auch zeigt sich in dieser Arbeit, dass bei den teilnehmenden Salukis weniger Hunde betroffen waren, obwohl bei dieser Rasse ebenfalls bekanntermaßen Probleme am Herzen auftreten (bei Salukis ist ein Herzschall für die Zucht verpflichtend).

Von den erwähnten 23 Whippets mit MI waren 20 von einer milden Form betroffen, 3 von einer moderaten. Außerdem hatten 9 Hunde (7,6%) eine milde Aortenstenose, 3 (2,5%) hatten Herzrhytmusstörungen und 2 (1,75%) milde Aortenklappeninsuffizienz. Diese Hunde wurden nicht in die Studie zu den Referenzwerten aufgenommen. Zusätzlich hatten 3 Hunde (2,5%) eine milde Insuffizienzen der Trikuspidalklappe und 2 (1,75%) eine milde Pulmonalklappeninsuffizienz, was nicht als krankhaft zu werten ist und daher floßen diese Hunde in die Datenauswertung mit ein.
Die verwendete Technik war bei dieser Untersuchung sehr fein, es wurden also auch kleinste Abweichungen sichtbar, die bei einem regulären US vielleicht gar nicht sichtbar geworden wären. Welchen Krankheitswert eine leichte MI hat, die sich im Laufe des Lebens nie (oder erst am Ende eines langen Lebens) als behandlungswürdig erweist, muss man sich natürlich auch überlegen.
Die schweren Fälle gibt es aber, und sie sind nicht so selten, das zeigen eben andere Untersuchungen (bitte geht bei Interesse die Literatur in den beiden verlinkten Studien durch).
Ebenfalls sollte beachtet werden, dass 47 von 119 Hunden aufgrund des Befundes nicht in die Studie aufgenommen werden konnten. Das sind gut 40%, obwohl ausdrücklich nur gesunde Hunde gesucht wurden!

Maria Seckerdieck kommt dann auch zu folgendem Schluss:

In jedem Fall ist zu empfehlen, dass Hunde aus den hier untersuchten Rassen vor Einschluss in die Zucht kardiologisch untersucht werden (Auskultation und/oder Echokardiographie). Unabhängig davon sollte dies erfolgen, wenn für diese Hunde eine sportliche Nutzung angestrebt wird.
Wenn Insuffizienzen bereits in jungen Jahren vorliegen, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfehlenswert. Auch im Alter sollten kardiologische Vorsorgeuntersuchungen (zumindest in Form einer guten Auskultation) bei diesen Rassen regelmäßig stattfinden.

Diese Folgerung ist bei den vorliegenden Daten (wieder: auch anderer Untersuchungen) eigentlich absolut zwingend, dennoch untersuchen längst nicht alle Züchter ihre Hunde und von verpflichtenden Herzuntersuchungen sind wir noch immer weit entfernt. Auch Sporthunde werden in den seltensten Fällen tatsächlich vor dem Beginn ihrer Sportkarriere untersucht, wobei ich mich da natürlich an die eigene Nase fassen muss. Enya, Buddy, Biene und Bluni wurden damals nicht untersucht und mir hat auch eine Auskultation für die Zucht gereicht. Das Gerede von der „gesunden Rasse“ und „dem Sportlerherz“ haben mich diesbezüglich in Sicherheit gewiegt. Unsere Hunde sind bekanntermaßen alle frei von angeborenen oder erworbenen Herzerkrankungen und auch die untersuchten Nachkommen aus den beiden Würfen, aber wussten wir das vor Sport- und Zuchteinsatz tatsächlich sicher? Nein.
Würde ich heute nicht mehr so handhaben.

Einfach nur spektakulär...
Einfach nur spektakulär… Vorsorgeuntersuchungen sind da schon sinnvoll.

Einer der Hunde mit leichten Herzrhytmusstörungen war übrigens Azulejo, eine umfassende Abklärung bei einem sehr guten Herzspezialisten in Wien zeigte allerdings keinerlei Auffälligkeiten mehr und er ist damit nun guten Gewissens als herzgesund zu bezeichnen. Herzrhytmusstörungen können vielfältige Ursachen haben, sehr schwerwiegende, aber auch harmlose, wie bspw. eine Gastritis*. Darüber war ich natürlich sehr erleichtert, nenne ich ihn doch sogar immer „Herzhund“ 😉
Da Azulejos Familie leider schon einschlägige Erfahrungen mit Herzerkrankungen (MI und tödliche Herzinsuffizienz) beim Whippet hatte, hat mich das damals sehr getroffen. Aber solche Erfahrungen, die sich eben in den letzten Jahren häuften, haben mich dazu veranlasst, diesen Termin hier anzuleiern.

Es ist sicher viel zu tun, wenn man den Whippet gesund und fit erhalten möchte. Mehr oder weniger schwerwiegende Erkrankungen treten durchaus auch bei der „gesunden“ Rasse Whippet auf und sie sind oft genetisch bedingt. Manche davon zeigen sich erst im Laufe des Lebens, oft ab 5-6 Jahren. Es wäre schön, wenn man darauf öfter Rücksicht nehmen würde und mehr ältere, gesunde und fitte Hunde in die Zucht nimmt.

Azulejo
Azulejo

Kein Züchter kann sich vom Auftreten einer genetisch bedingten Erkrankung freisprechen, wir alle züchten mit sehr ähnlichem genetischen Material und in jeder Linie, in jeder Familie gibt es Hunde, die einen Defekt tragen. Jeder einzelne unserer Hunde hat einen kranken Hund in seinen Ahnen und in seiner Verwandtschaft.
Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, wäre es angebracht, diese Tatsache einmal anzuerkennen und entsprechend offen mit Problemen umzugehen.

Wenn also das nächste Mal eine solche oder ähnliche medizinische Studie die Möglichkeit zur Teilnahme bietet, finden sich vielleicht schon mehr Halter und Züchter, die ihre Hunde zur Verfügung stellen – und wir können den „Ultraschall-Marathon“ (ich musste bei dieser Bezeichnung lachen, das ganze Team hat damals wirklich erstklassig und schnell gearbeitet) in Leonding toppen 😉

…und ja, ich habe mich natürlich über die Erwähnung der „Whippets de Lobito Azul“ im Artikel und in der Diss gefreut. Deutlich mehr, als über irgendeine Erwähnung in irgendeiner Titelliste. Es sei mir gegönnt 😀

* Edit 16.12.2016: Eben fiel mir ein, dass damals parallel zur Herzuntersuchung eine Augenuntersuchung durchgeführt wurde, wenn der Halter das wünschte. Dazu wurden die Augen mit pupillenerweiternden Augentropfen zuerst eingetropft und dann gings zur Herzuntersuchung. Anschließend folgte die Augenuntersuchung, die Tropfen hatten so genügend Wirkzeit. Systemische Nebenwirkungen solcher Augentropfen betreffen u.a. das Herz und sorgen für, tada, beschleunigten Puls und unregelmäßigen Herzschlag 😉 Ich kann nicht sicher sagen, dass das bei ihm die Ursache war, aber anmerken möchte ich es trotzdem.

Mehr sein, weniger tun

Als ich für den „Fit fürs Coursing“-Artikel den mittlerweile 5 Jahre alten Blog auf der Suche nach Fotos durchstöbert habe, fiel mir auf, dass über eine sehr lange Zeit hinweg fast nur Fotos von Coursings, der Rennbahn oder von Ausstellungen gepostet wurden.
Das finde ich aus heutiger Sicht ziemlich befremdlich und ich weiß auch, dass ich das vor unserer aktiven Zeit genauso empfunden hätte. Mittendrin ist die Sicht ein bisschen eingeschränkt 😉
Man kann zwar in den Berichten immer mal wieder ein gewisses Missempfinden durchschimmern sehen, aber im Großen und Ganzen sind es sehr positive Geschichten. Das Negative kam gar nicht so offen aufs Tablett, was aber auch ein Grund dafür war, dass wir mit den Bewerben aufgehört haben.
Gerechte Kritik wäre den Hunden eigentlich am dienlichsten, aber die gibt es nur ganz selten. Ich kann die Menschen, die Veranstaltungen wertschätzend und respektvoll kritisieren, an einer Hand abzählen.
Dabei wäre es gar nicht so schwer.
Anstatt hintenrum zu hetzen oder vornerum zu vertuschen, könnten positive Dinge wertgeschätzt und negative Dinge klar und direkt benannt werden. Aber das klappt leider überhaupt nicht.
Mich wundert daher nicht, dass sich verbandsorganisierter Hundesport, Ausstellungswesen und Hundezucht in einer Abwärtsspirale befinden. Ohne ehrliche Kritik und einen konstruktiven Umgang mit diesen Rückmeldungen wird nämlich kein Fortschritt möglich sein, also keine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sport- und Ausstellungshunde und keine Zukunft für gesunde FCI-Rassehunde.
Mit einem guten Abstand sieht man viel besser, welcher Wahnsinn teilweise am Werk ist und wie groß die Probleme tatsächlich sind.
Nichts, womit ich länger zu tun haben möchte.
Aber vielleicht wäre es für manche der Aktiven auch ganz gut, sich mal eine Auszeit zu gönnen und alles mit Abstand zu betrachten. Einfach wieder mehr mit dem Hund sein. Man könnte vielleicht mit neuen Ideen, mit neuem Elan und mit mehr Offenheit mehr bewegen, anstatt weiter im Sumpf zu stehen und im Trüben zu fischen…

Wir „sind“ jedenfalls lieber wieder mehr 🙂

Und wir haben auch neue Nachbarn, die sehr lustige Geräusche machen und damit Buddy etwas verunsichern – da muss man dann ganz besorgt schauen 🙂

Enya findet sie eher langweilig 😉
Eigentlich kennen wir Alpakas und sie sind uninteressant, wie Pferde und Kühe. Aber diese beiden singen sehr viel und huschen durchs Gebüsch, manchmal strecken sie auch unerwartet ganz frech den Kopf heraus und erschrecken uns beim Vorbeigehen. Einfach nur goldig ❤

Fit fürs Coursing

Nur fitte und gut trainierte Hunde im Sport zu führen, das ist der Anspruch, den angeblich alle Hundesportler an sich stellen.
Dass das im Windhundsport nicht immer der Realität entspricht, weiß jeder, der schon mal eine Sportveranstaltung besucht und dabei ein kritisches Auge auf die Hunde geworfen hat. Dort laufen nämlich gelegentlich Hunde, deren momentane Verfassung alles andere als sportlich fit ist. Mit Krallenpflege und Zahnhygiene will ich gar nicht anfangen, beides seit vielen Jahren Dauerbrenner, obwohl eigentlich kein großer Aufwand. Generell kann ich einen Blick auf den Text „Windhundsport in Deutschland aus tierärztlicher Sicht“ empfehlen, denn Hobbysport heißt nicht, dass die Hunde weniger gut versorgt werden sollten.
Übergewichtig, unterbemuskelt und/oder mit schlechter Kondition ausgestattet, finden sich manche Hunde dennoch auf dem Coursingfeld oder dem Rennplatz wieder und „dürfen“ dort dann ihre Läufe absolvieren.
Denkbar ungünstig in jeder nur möglichen Hinsicht.

Biene und My Camelot Maioui

Es sollte sich von selbst verstehen, dass Coursings und Rennen nur für Hunde geeignet sind, die eine gute Grundfitness aufweisen. Beide Sportarten eignen sich nicht als Ausgleich zum Büroalltag, sondern können nur dann gut und sicher ausgeführt werden, wenn der Hund bereits mental ausgeglichen und körperlich fit ist.
Der Hund unterscheidet im Regelfall auch nicht zwischen Training und Bewerb. Er strengt sich nicht extra mehr an, weil sein Besitzer ihn auf Platz 1 sehen will, und er läuft auch nicht nur mit halber Kraft, weil es ein Training ist. Er ist immer voll dabei und achtet dabei eher selten auf seine Gesundheit.
Wenn die Skelettmuskulatur, die Knochen, Sehnen und Bänder, Lunge, Herz, der Stoffwechsel und „der Kopf“ nicht entsprechend trainiert und vorbereitet werden, führt das manchmal schneller als erwartet zu unangenehmen Folgen für den Hund. Spätestens nach ein paar Saisonen oder im Alter spürt der Hund die Konsequenzen unseres verantwortungslosen Handelns.

Nachfolgend möchte ich gerne einige Möglichkeiten nennen, wie man den Hund fit fürs Coursing hält. Es sind nur kurze Denkanstöße, aber vielleicht findet der eine oder andere Leser etwas für sich 🙂

Ich persönlich halte meine Hunde gerne immer möglichst fit, weshalb viele der genannten Beschäftigungsmöglichkeiten für mich zum Alltag gehören, auch ohne Aktivität im Windhundsport.
Windhunde sind per se sportliche Hunde mit einem sportlichen Körperbau, schlank und mit schön trockener Muskulatur. Man sollte ihnen die Fitness ansehen.

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Bluni, 2 Jahre

Dabei ist Muskulatur natürlich nicht alles. Wie stark ein Hund bemuskelt ist, hängt sehr von seiner Veranlagung ab. Die rassespezifischen Unterschiede sind zum Teil enorm und auch innerhalb der Rassen kann die Veranlagung sehr unterschiedlich sein.
Ein optisch fitter Hund ist außerdem nicht zwangsweise tatsächlich fit für den Coursingsport. Man kann einen wunderbar für Rennen auftrainierten Hund vor sich haben – kräftig und trocken bemuskelt, jeder Muskel und jede Sehne fein definiert, perfekt auf das vorbereitet, was ihn auf der Bahn erwartet – was trotzdem nicht heißt, dass er genauso fit fürs Coursing wäre. Eigentlich ist das sogar eher nicht der Fall.

Lässt man das außen vor, bleibt dennoch im Kern:
Dick sein ist ungesund und beim Windhund fängt Übergewicht schon dort an, wo andere Rassen an der Grenze zum Untergewicht stehen.
Eine schlecht aufgebaute Muskulatur ist ebenfalls ungesund, besonders für Hunde, die dann doch meist ordentlich Gas geben, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Das muss nicht einmal im sportlichen Kontext sein, auch nach „zu langem“ Spiel mit anderen Hunden oder nach unerwünschten Hetzjagden im Gelände kommt es bei untrainierten Windhunden leichter zu schwereren Verletzungen und zur besonders gefährlichen Form der Greyhoundsperre.
Also: Dick sein und über wenig Muskulatur zu verfügen – ungesund ^2.

Auch wenn bereits Schäden bestehen, kann eine gezielt aufgebaute Muskulatur helfen, den Hund im Alltag überhaupt möglichst schmerzfrei zu halten.
Aus diesem Grund ist es ebenfalls wichtig, ältere Hunde weiterhin individuell zu fordern und sie nicht nach Ablauf ihrer aktiven Zeit im Sport auf das Sofa zu verbannen. Mit 6-8 Jahren haben die meisten Hunde noch ihr halbes Leben vor sich, da will ein ehemaliger Leistungssportler sicher nicht nur herumsitzen.
Man sollte sich rechtzeitig Gedanken darüber machen, was eigentlich bedeutet, dass man schon von Welpe an auch Alternativen kennenlernt.

Natürlich gibt es Phasen, in denen die Hunde nicht so fit sind, z.B. in der Nachhitze (ich nenne Enya manchmal „Germknöderl“, weil sie aufgeht wie Germteig ❤ ), nach Verletzungspausen, nach Krankheit oder Verletzungspausen beim Menschen. Aber das ist ja nicht der Alltag.

Enya mit 6,5 Jahren, fit trotz 2 Wochen Leinenzwang

Besonders Mühe muss man sich bei kastrierten Hunden geben.
Kastrierte Rüden sind in aller Regel schwerer fit zu halten, ihnen fehlt Testosteron zum Muskelaufbau und der Stoffwechsel läuft auf „Seniormodus“, auch das Bindegewebe ist schwächer. Sie sind daher bedeutend anfälliger für Verletzungen an den Muskeln und Bändern und auch für Gelenkserkrankungen.
Ähnlich sieht das leider bei kastrierten Hündinnen aus. Schilddrüsenfehlfunktionen bei Kastraten sind ebenfalls ein Thema, das man bedenken sollte.
Sporthunde zu kastrieren, ist also keine gute Idee – so wie mittlerweile immer klarer wird, dass Kastrationen beim Hund generell nur mehr unter strenger medizinischer Indikation vorgenommen werden sollten.

So, und nun zur Ideensammlung für Coursinghunde – nur bedingt geeignet für gezieltes Renntraining, das ganz andere Schwerpunkte setzt.

1. Der simple Freilauf.
Ja, so simpel ist das beim Windhund manchmal gar nicht 😉
Dennoch, Freilauf ist für jeden Hund das Um und Auf. Für Sporthunde besonders, denn sie schaffen durch die freie Bewegung einen Ausgleich zu „erzwungenen“ Bewegungsabläufen im Sport. Erzwungen deshalb, weil sich der Hund nicht aussucht, wo er sich wie zu bewegen hat.
Außerdem kann nur in der freien Bewegung das geübt werden, was man als Coursinghund so dringend braucht: Körperbeherrschung und Trittsicherheit, auch bei hohen Geschwindigkeiten.
Freilauf von Welpe an, und das in möglichst unterschiedlichen Geländen, ist die Grundvoraussetzung, wenn man seinen Hund ohne Schäden durch die Coursingkarriere bringen will. Nichts kann schädlicher sein, als sie in Watte zu packen und ihnen die Möglichkeit zu nehmen, ihren Körper kennenzulernen, zu kräftigen und auch ihre Grenzen zu erleben.

Oberstes Ziel in meinem Alltag ist immer der möglichst sichere Freilauf im Gelände, im äußersten Notfall auf einem eingezäunten Gelände.
Wenn man sicheren Freilauf nicht vor der Haustüre gewähren kann, dann muss man sich ein passendes Gelände suchen. Und wenn der Hund auch ohne Reiz einfach losprescht und die Gegend unsicher macht, dann gäbe es sinnvolle Trainingsmaßnahmen, denn das hat meist wenig mit Jagdverhalten zu tun.
Und wenn echt gar nix geht, dann greift man zur Schleppleine, Länge so etwa 50m, und hat dann wenigstens etwas Bewegungsspielraum für den Hund geschaffen.
Ja, 40-50m kann man mit der richtigen Technik auch beim Windhund nutzen, ohne sich sämtliche Knochen zu brechen. Viele Jahre quälte ich mich bei den Spaniern schon mit Schleppleinen in dieser Größenordnung und sie ist einfach ein sehr wichtiges Hilfsmittel im Alltag mit jagenden Hunden, aber das führt hier zu weit. Nur so viel: Es geht, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit etwas Hirn.

Wir sind es unseren Hunden eigentlich schuldig, beim Thema Freilauf ein bisschen Zeit und Mühe zu investieren.
Sie haben es sich nicht ausgesucht, bei uns zu sein, wir wollten einen hochspezialisierten Hetzjäger – dann muss man so fair sein, und im Alltag vielleicht etwas mehr Arbeit auf sich nehmen 😉 Erst recht, wenn man Sport mit ihnen betreiben will.

2. Das Spiel mit Ball, Frisbee & Co.
Hat man seinen Hund von Welpe an, ist es einfach, ihn auf ein Spielzeug zu konditionieren und es ist auch einfach, ihn zum Bringen und Abgeben zu animieren. Welpen bieten das von sich aus an, man muss dieses Verhalten nur fördern.
Ballschleudern helfen beim Weitwurf, Frisbees kann man mit der richtigen Technik auch recht weit werfen 😉

Findet der Hund solche Spielzeuge doof, gäbe es auch noch welche mit Fellbezug. An die gehen dann meist sogar Hunde, die ohne entsprechende Spielerfahrungen mit Menschen aufgewachsen sind.
Klick mich für Beispiele
Überhaupt gibt es eine Unmenge an Spielmöglichkeiten, keine Möglichkeit ist zu abwegig, solange sie Spaß macht 😀

3. Das Rufspiel.
Der Klassiker, vielfältig einsetzbar: 2 Menschen stellen sich x Meter voneinander entfernt auf und rufen den Hund zwischen sich hin und her. Eine Belohnung spornt den Hund zusätzlich an, sei es Futter oder ein Spielzeug.
(Für die Hardcore-Windhundsportler: Auch „das Hasi“ ist ein Spielzeug, ein Lockmittel, notfalls nimmt man das.)
Beliebig erweiterbar, bezogen auf Distanz und rufende Menschen und funktioniert auch mit mehreren Hunden – einer ruft alle, jeder ruft nur einen bestimmten Hund, nur einer darf laufen und der Rest wartet usw. – und bergauf, für ein bisschen Kondition extra 😉
Nebenbei kann man den Start aus der Hand üben.

4. Die Hetzangel und Reizangel.
Im Grunde kann man die selben Lockmittel verwenden, die man beim Coursing verwendet – Plastikbänder. Man kann aber auch alles andere verwenden, das den Hund zur Bewegung animiert.
Stock, Schnur, Köder und ab auf die Wiese. Reitgerten/Longiergerten bzw. Peitschen und robuste Angeln eignen sich ebenfalls. Ich empfehle längere Angeln, damit der Radius nicht zu eng wird, was den Körper des Hundes unnötiger Belastung aussetzen würde.

Wer mit seinem Hund mehr tun möchte, als ihn nur zu bewegen, der kann an dieser Angel auch verschiedenste Übungen ausführen. Heute geht es aber nur um Bewegung, daher noch der Tipp: Den Hund nicht direkt an die Angel ansetzen, sondern eine Sprintstrecke einbauen und den Hund x Meter entfernt von der Angel freigeben., z.B. auch hier wieder einen kleinen Hügel hoch (das Spiel mit der Angel aber bitte nur auf ebenem Grund). Diese Variante eignet sich auch für Hunde, die sich beim Coursing noch ungern vom Halter lösen und entfernen. Das kann auch bei zu jungen Hunden oder unsicheren Hunden der Fall sein, da würde ich allerdings eher raten, den Hunden einfach mehr Zeit zu geben – dem Junghund die Zeit, um richtig erwachsen zu werden und dem unsicheren Hund die Möglichkeit, aktiv mit Unterstützung des Halters im Alltag an Sicherheit zu gewinnen.

5. Das „Sprintseil“.
Keine Ahnung, ob dieses Seil einen speziellen Namen hat, aber wir nennen es Sprintseil 😉
Im Grunde ein elastisches Seil von 50m, das man auf 150m ausziehen kann und damit den Hund ohne großen eigenen Einsatz sehr effektiv trainieren kann. Denn die meisten Hunde legen es sich selbst wieder aus!
Gibt es z.B. hier und hat sich vielfach bewährt, von Verletzungen habe ich noch nicht gehört. Edit: Da sich der Link offenbar gelegentlich ändert, hier der Name des Produkts: 2-TECH Jagdhunde / Hetzhund Trainingssystem Set 50 Meter Länge
Eignet sich ebenfalls zum Üben von Handstarts. Vorsicht, hat Suchtpotential!

6. Privates Training mit Hasenzugmaschinen.
Besonders ambitionierte Windhundsportler finden heute mit ein paar Klicks diverse Angebote für elektrische Hasenzugmaschinen, hergestellt in Deutschland, UK, Irland, den USA, Kanada oder gar Australien. Ein paar Hundert Euronen muss man dafür schon auf den Tisch legen, wer ein bisschen geschickt ist, kann sich solche Maschinen aber auch ganz leicht und günstig selbst basteln. Auch hier finden sich zahlreiche Tutorials. DIY-Videos sind ja in 😉
Ich persönlich habe bei diesen Maschinen immer ein bisschen Bauchweh. Man darf nämlich nicht dem Irrglauben verfallen, dass man damit wettbewerbstauglich Coursings über mehrere Umlenkrollen und vielleicht noch in hohem und/oder nassem Gras ziehen könnte. Zusätzlich sollte man sich gut informieren, was man bei der Pracourslegung lieber tunlichst vermeidet, um keine Verletzungen bei den Hunden zu provozieren. Auch sollte man zu Beginn einige Probezüge ohne Hund machen und die Maschine besser kennenlernen.
Aus Sicherheitsgründen würde ich empfehlen, wirklich nur Geraden oder maximal ein L zu ziehen – das gilt ganz besonders für die schnellen Rassen! Aber wir sind in puncto Sicherheit wohl auch ganz speziell empfindlich…

 

7. Radfahren, Reiten & schnelles Gehen.
Auf das Training am Rad kommen die meisten noch selbst, und zum Ausreiten benötigt man zwangsweise ein Pferd, sodass ich darüber gar nicht viele Worte verlieren möchte. Nur so viel: Es ist durchaus in Ordnung, einen Windhund (auch extreme Sprinter wie Whippet und Grey) regelmäßig mit Konditionstraining wie Radfahren (5km und mehr, ca. 15km/h) oder täglich mit 1-1,5h schnellem Gehen – ohne groß zu schnüffeln, alle paar Meter zu markieren oder sich sonst irgendwie aufzuhalten – zu fordern. Für Greys aus dem Profisport sind solche Trainingsspaziergänge Alltag, viele müssen normale Spaziergänge mit Zeitunglesen & Co daher erst lernen. Schneller Schritt ist unheimlich effektiv und man kann sich sicher sein, dass im Profisport nichts gemacht wird, was ineffektiv wäre.
Auf Laufbänder würde ich verzichten, die sollten wirklich für den Aufbau nach Verletzungen reserviert bleiben.
Und bitte: Verwendet beim Radfahren gut sitzende Geschirre und Leinen mit Ruckdämpfer, bitte keine Halsbänder mit Flexileinen dran! Als ich vor ein paar Jahren ein neu erschienenes Whippetbuch zur Hand nahm und dort doppelseitig Whippets am mit Borten verzierten Halsband und der Flex neben dem Rad liefen, war ich ehrlicherweise ziemlich entsetzt 😉 Kein gutes Vorbild!

8. Laufhundesport/Zughundesport.
Was immer mehr im Kommen ist, vor wenigen Jahren aber noch heftigen Widerstand bei Windhundleuten auslöste und teilweise auch noch immer auslöst: Laufhundesport bzw. Zughundesport mit Windhunden.
Was genau ist das?
Beim Laufhundesport bildet der Mensch mit seinem Hund ein Team (verbunden über eine elastische Leine) und läuft (= CaniCross), radelt (= Bikejøring) oder rollert (= Scooterjøring) hinter dem Hund her und lenkt diesen über Signale, wie „Links“, „Rechts“, „Langsam“ usw. Bekannt ist auch das Skijøring im Winter.
Die Leine ist dabei stets auf Zug, das heißt, der Hund bestimmt das Tempo. Der Mensch bremst eigentlich eher, zumindest ist das bei meinen Hunden so 😉
Ich bin mittlerweile nur mehr mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs, den Scooter habe ich schon vor 3 Jahren verkauft. Leider, weil es eigentlich echt Spaß gemacht hat und ein super Training für die Hunde und mich war, aber man benötigt dazu einfach auch die passenden Strecken – nämlich Wege und Straßen, die nicht asphaltiert sind. Heißt, man muss eventuell mit dem Roller im Auto solche Wege aufsuchen und das ging bei mir nicht. Mit dem Rad bin ich flexibler.
Was man außerdem benötigt, ist natürlich die passende Ausrüstung – maßgefertigte Zuggeschirre (ich habe rückenfreie V-Backs und keine X-Backs, was sich bei Windhunden empfiehlt), Leinen mit Ruckdämpfer, Antennen für das Bike oder einen Hüftgurt. Ist aber nicht so wahnsinnig teuer, weshalb ich das als Alternative zum Gassi an der kurzen Leine sehr empfehlen kann.
Hüftgurt, Leine mit Ruckdämpfer und das normale Geschirr (sollte vorhanden sein) reichen für Wanderungen und kosten etwa 50,- Euro. Nachteil bei den Hüftgurten: Rutschen bei Frauen gerne mal hoch, sollten aber möglichst tief getragen werden 😉
Da Laufhundesport eben schön langsam mehr in Mode kommt, gibt es das Zubehör schon in vielen Onlineshops bzw. bei diversen Herstellern. Eine Empfehlung ist die Seite http://laufhundesport.at/ , dort findet man viele nützliche Infos.

15km am Rad war für meine kein Thema, jetzt mit bald 8 Jahren fahren wir natürlich ein reduzierteres Programm. Aber mit 6 sind sie durchaus die 9km in etwas über 20 Minuten gefahren, auf gebremstem Zug und exklusive Pausen. Spitzengeschwindigkeiten über 40km/h, wobei mir mehr zu riskant war, so eben sind die Feldwege nicht und Hasen gibts ja doch ein paar hier in der Gegend.
Auch Whippets sind nur Hunde und können mit entsprechendem Training selbstverständlich auch mehr als nur 2-3km laufen (siehe Punkt 7), denn selbst wenn ihnen als extremen Kurzstreckensprintern ein hoher Anteil an sehr schnellen Fasern in der Muskulatur angeboren ist, erfolgt der Umbau in ausdauernde oder intermediäre Fasern recht einfach und zügig (zum Thema Muskelfasertypen folgt sicher endlich mal ein eigener Artikel).
Zugarbeit ist wirklich super für die Hunde, baut eben schön Muskulatur auf und fördert die Ausdauer.
Es ist streng genommen eigentlich auch nicht wirklich neu für Windhundleute, habe ich doch schon von mehreren Seiten gehört, dass man mit den Hunden gezielt wildreiches Gebiet aufsucht und sie dort so richtig ziehen lässt. Bevorzugt zur Dämmerungszeit, wenn das Wild sich zeigt… Is natürlich auch ne Möglichkeit, bei der hiesigen Wilddichte ergibt sich das meist von selbst. Zur Prävention von Schultergelenksentzündungen empfiehlt sich aber durchaus wieder der Bauchgurt aus dem Laufhundesport und für den Hund das gut sitzende Brustgeschirr, was soll man sich auch unnötig mit bestickten Halsbändern (Jaa, mit Troddeln!) und handgenähten Lederleinen herumplagen 😉
Dieser Sport ist aber nichts für Leute, denen nur Sekunden auf der Bahn wichtig sind, denn Hunde für die Bahn trainiert man nicht auf diese Distanzen. Das ist quasi Kraftsport vs. Ausdauersport – Höchstleistungen in beiden Bereichen kann der Körper nicht bringen. Wohl ist es aber für Coursinghunde sehr von Vorteil, über längere Distanzen hohe Leistungen erbringen zu können und nicht, wie leider häufiger zu beobachten, nach der Hälfte der Strecke massive Leistungseinbrüche zu zeigen. Das erhöht übrigens auch die Verletzungsgefahr, wie bei jedem müden Sportler kann eine falsche Bewegung schon unangenehme Folgen haben.
Und dass Ausdauersport sehr gesund ist, weiß man ja auch. Das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, das Hormonsystem, Lunge, Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen usw. – der ganze Körper profitiert davon. Nicht nur beim Hund, auch beim Menschen, der hier zwangsweise mittrainert wird.
Aus diesem Grund findet man die Empfehlung für Zughundesport auch auf manchen Seiten von Tierphysiotherapeuten.
Wem das alles noch zu wenig Nutzen oder zu langweilig ist, der kann draußen ja auch Geocaches suchen oder Pokémons und dabei den Hund an den Gurt hängen 😉

9. Das Longieren.
Die Longierarbeit mit Pferden kennen die meisten Menschen, aber auch mit Hunden ist Longieren – in abgewandelter Form – möglich. Hunde laufen beim Longieren ohne Leine außen um einen abgesteckten Kreis herum und werden vom Hundeführer über Körpersprache oder verbale Signale gelenkt. Prinzipiell kann man mit allen Hunden longieren, aber sehr lauffreudige Hunde haben natürlich besonders Spaß. Neben dem gezielten Aufbau der Muskulatur (hier sei auch der Einbau von Cavaletti und Geräten erwähnt) ist ein weiterer Pluspunkt, dass der Hund lernt, auch auf Distanz auf den Halter zu achten und Signale umzusetzen. Das ist für den Freilauf oder das Training an der Schleppleine ganz praktisch.
Also auch, wenn es für manche gewöhnungsbedürftig erscheint – ausprobieren schadet definitiv nicht.
Und da ich von Windhundleuten schon ernsthaft gehört habe, dass dieses „Im-Kreis-Laufen“ ungesund sei, möchte ich hier kurz fragen: Wie war das nochmal mit den Bahnrennen im Oval?

10. Schwimmen.
Ebenfalls ein Klassiker. Hat man das Glück, einen wasserverrückten Windhund zu halten, sollte man das nach Möglichkeit ausnutzen.

 

11. Gezielter Muskelaufbau durch (physiotherapeutische) Übungen, Bewegungstraining, Übungen für mehr Körperbewusstsein.
Was für Profisportler und auch Hobbysportler ganz selbstverständlich dazugehört, war für Hunde (außerhalb des kommerziellen Rennsports) lange Zeit eher die Ausnahme: Die Betreuung durch einen Physiotherapeuten oder Bewegungstrainer.

Der regelmäßige Check-up durch einen Chiropraktiker oder Osteopathen sollte für jeden Coursinghund Pflicht sein und besonders nach Überschlägen oder Zusammenstößen, die bei Bewerben nicht so selten sind, muss ein Spezialist ran.
Auch wenn der Hund nicht unmittelbar eine Verletzung anzeigt, können sich Kleinigkeiten bei weiterer Belastung zu gröberen Problemen auswachsen oder Verletzungen durch Fehlbelastung (Schonhaltung) entstehen.
Aber selbst ohne Zwischenfall lohnt sich die Behandlung, wie jeder Mensch am eigenen Körper fühlen kann, wenn er sich selbst sowas gönnt.
1-2x im Jahr gibt es für meine eine präventive chiropraktische Behandlung, eine Einheit kostet zwischen 40€ und 70€.
In Österreich sind solche Spezialisten immer Tierärzte mit Zusatzausbildung, Menschen ohne veterinärmedizinisches Studium dürfen nicht „therapieren“. Diese Tierärzte sind nicht überall leicht zu finden, ich fahre z.B. bis zu 100km einfache Strecke.
Enzo hat dagegen eine Physiotherapeutin, die ihn Zuhause besucht 😉

„Normalen“ Tierärzten fehlt diesbezüglich leider einfach wichtiges Wissen, sie müssen tausende verschiedene Krankheitsbilder bei hunderten Rassen und zig verschiedenen Tierarten im Kopf haben, für sie ist eine Blockade im Iliosakralgelenk nicht unbedingt etwas, das sie erkennen und behandeln können/wollen. Von einem Lungenfacharzt würden wir auch nicht erwarten, dass er eine einwandfreie Diagnose an einem schmerzenden Knie stellt und es auch noch passend behandelt.

Bewegungstrainer für Hunde oder auch Leute mit einer deutschen Tierphysiotherapie-Ausbildung, die hierzulande andere Berufsbezeichnungen wählen müssen, können ebenfalls einen wichtigen Teil dazu beitragen, den Hund optimal auf das Coursing vorzubereiten.
Haben Hunde körperliche Schwachstellen (und jeder Hund hat irgendwo eine), können gezielte Übungen helfen, diese zu stärken. Belastet der ausgeübte Sport bestimmte Regionen besonders (und das ist bei jeder Sportart der Fall), kann gezieltes Bewegungstraining einen Ausgleich schaffen.
Nicht zuletzt wird das Körperbewusstsein durch solche Übungen gestärkt, sie fördern außerdem Koordination und Geschicklichkeit.
Wenn auch wir sensibler werden und auf das Gangbild achten, auf die Art, wie die Hunde sich im Freilauf bewegen, welche Bewegungen sie gerne oder plötzlich nicht mehr gerne ausführen, schützt das die Gesundheit der Hunde.
Deshalb kann ich eine Stunde bei einem Bewegungstrainer o.ä. oder den Besuch von Seminaren zum Thema sehr empfehlen. Manche Hundeschulen bieten mittlerweile Bewegungstraining als wöchentliche Kurse an.

Gratuliere, bis zum Ende durchgehalten 😉
Das wäre fast alles, was mir einfällt. Sicher gibt es noch jede Menge anderer Möglichkeiten, den Hund fit für das Coursing und den Alltag zu halten, aber am wichtigsten ist für mich, wie eingangs erwähnt, der Freilauf.
Einen sportlichen Hund wie einen Windhund sollte man sich nur zulegen, wenn man auch gewillt ist, mit ihm Sport zu treiben. Sicher sind Windhunde angenehme Hausgenossen, aber sie sind auch seit Jahrhunderten, eigentlich schon seit Jahrtausenden auf körperliche Höchstleistungen selektiert worden, wie zahlreiche andere Jagdhundtypen auch. Und auch wenn wir sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr ausschließlich zu Jagdzwecken halten und züchten und die Showhundezucht gewisse Tribute fordert, grundsätzlich sind es Hunde, die Leistung erbringen wollen.
Sie können in den unterschiedlichsten Sportarten brillieren, weil sie so flexibel sind und schnell Konzepte verstehen. Besonders mögen sie Sportarten und Beschäftigungen, bei denen sie laufen können, aber der Kopf darf nie zu kurz kommen.
Ihre Flexibilität und die rasche Auffassungsgabe sollte man nutzen, um sie körperlich und geistig bis ins Alter fit zu halten, abseits der Bahn oder des Coursingfeldes.
Neben dem Training sollte man nicht vergessen, für ausreichend Ruhezeiten zu sorgen und den Hund im Bewerb nicht zu überfordern.
Fit ist ein Coursinghund für mich dann, wenn er beide Läufe ohne sichtbare konditionelle Einbußen absolviert und wenn er danach noch immer lustig und eifrig ist. Er sollte den Eindruck erwecken, dass er problemlos noch einen dritten Lauf schaffen würde.
Wenn ein Hund nach einem Coursing 2 Tage „faul“ herumliegt und sich nicht wie üblich auf Spaziergänge freut oder generell unmotiviert wirkt, dann ist das nicht ideal!
Coursing ist nicht dazu da, den Hund so auszupowern, dass er tagelang schwächelt. Das ist Überforderung und auf Dauer ziemlich ungesund, egal ob Training oder Bewerb.
Und noch einmal möchte ich zum Abschluss betonen: Fitness und Leistung kommen auch aus dem Kopf.
Ich als Halter habe die Verantwortung, nur einen körperlich fitten und mental ausgeglichenen, stabilen Hund den Belastungen eines so anspruchsvollen Sports auszusetzen.
Damit alle am Ende das Gefühl haben: Coursing ist großartig!

Enzo, Levi und Lori

Schnell schieb ich noch die Fotos vom Coursingtraining am 4. Juni ein, denn Enzo (Amigo dLA) und Levi (Naturatas Date Me In The Night) waren endlich einmal zu Besuch ❤
Ich glaube, das war die erste echte Gelegenheit, von Enzo Fotos zu machen. Obwohl wir uns in den vergangenen Jahren so oft getroffen haben, hab ich es immer verpasst. Ausstellungen, Rennen, Coursings – alles nicht wirklich der passende Rahmen. Außerdem war es das erste Wiedersehen von Lori und ihrem Bruder Levi und es ist nicht zu übersehen, wie viel Freude die drei miteinander hatten!

Leider habe ich erst am Schluss daran gedacht, dass ein Video wohl am besten die Action eingefangen hätte, dabei kann Enzo so ein lustiger Kasperl sein 😉

Ein sehr spontanes Mini-Coursingtraining hatten wir auch noch, da konnte Enzo nochmal vor der EM in Veľké Pole/SLO ein bisschen trainieren. Zur neuen Wiese mache ich eventuell noch ein gesondertes Video…

Die restlichen Fotos finden sich wie immer auf Google+: https://goo.gl/photos/Qqhmjubu6pxx6pWa6

Vielen Dank, dass ihr uns besucht habt! Es ist so schön, die Hunde so fröhlich und gelöst miteinander laufen zu sehen 🙂