Dauerbrenner Zecken

Es ist mal wieder an der Zeit, das Thema Zeckenschutz aufzuwärmen 😉

Durch die klimatisch doch immer extremeren letzten Jahre kommt es bei Menschen immer häufiger zu FSME und Borrelioseerkrankungen. Auch an unseren Hunden finden wir in manchen Jahren sogar im Jänner Zecken, eine Winterpause gibt es kaum mehr.
Muss man deshalb Angst haben? Nein.
Aber man sollte wissen, woran man ist und wie man durch Zecken übertragene Erkrankungen erkennen kann.

Natürlich habe ich seit meiner ersten Hündin, die 2002 einzog, einiges ausprobiert, um meine Hunde vor Ektoparasiten wie Zecken zu schützen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Ich bin daher zu folgendem Schluss gekommen: Wenn ein sehr guter Schutz (100%igen Schutz gibt es jedoch nie!) unbedingt sein muss, dann hilft nur Scalibor oder Seresto.
Beide bieten den besten Schutz und sind relativ gut verträglich.
Vor allem, wenn man in ein Risikogebiet fährt, in dem mit der Übertragung von leider bisher nicht heilbaren Erkrankungen wie der Leishmaniose zu rechnen ist, ist Scalibor oder Seresto Pflicht! Das sind z.B. Nachbarländer wie Italien und Frankreich, aber auch Spanien, Kroatien usw.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie dramatisch sich Leishmaniose, Babesiose & Co. auf die Lebenserwartung von Hunden auswirken können. Die meisten Hunde aus dem spanischen Tierschutz wurden nämlich eher nicht geschützt und genügend dieser Hunde erkranken entweder schon in Spanien oder hier, so wie meine verstorbene Hündin Thaya, die sowohl Leishmaniose, als auch eine chronische Babesiose hatte. Letztlich hat das auch zu ihrem Tod geführt, nach 6,5 Jahren wiederkehrender Schübe.
Dieses Risiko kann man definitiv einsparen.

Fährt man also in Risikogebiete, muss das Band 10-14 Tage vorher angelegt werden, damit sich der Wirkstoff ausreichend gut auf dem Hund verteilt. Für mehr Informationen zum Thema empfehle ich Parasitus Ex.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass aus Rücksicht auf Wasserorganismen das Baden in Gewässern ausfallen muss, wie auch in der Packungsbeilage zu lesen. Leider wird das häufig ignoriert, nach dem Motto: „Auf meinen Hund kommt es bei dem verbreiteten Einsatz von Pestiziden auch nicht mehr an“, oder es ist schlicht nicht bekannt. Nachdem das Insektensterben aber in aller Munde ist, denkt vielleicht doch der eine oder andere Halter darüber nach…
Denn natürlich handelt es sich bei Scalibor/Seresto um ein sehr potentes Produkt, das nicht nur auf der Haut des Hundes bleibt oder am Halsband, sondern sich in der Umgebung des Hundes anreichert. Meine Beobachtung ist, dass ein einziger Hund mit Scalibor in der Hundegruppe ausreichend ist, um alle anderen zu schützen. Durch Kontaktliegen, die selben Decken, die Couch usw. überträgt sich offenbar genügend Wirkstoff auf die anderen Hunde.
Man kann die Bänder auch problemlos zwei Jahre anwenden, sie wirken noch gleich gut gegen Zecken und Flöhe, bei Sandmücken wäre mir das Risiko dann allerdings zu groß.
Aus diesem Grund gilt auch: Für Katzen ist der Wirkstoff in Scalibor extrem giftig und kann zum Tod führen, von Kontakt bzw. der Anwendung im selben Haushalt wurde von Herstellerseite bis vor Kurzem abgeraten!

Und was bedeutet „relativ gut verträglich“?
Etwa die Hälfte unserer Hunde hat irgendwann bei der Anwendung von Scalibor Hautreaktionen entwickelt, die von Rötungen bis hin zu nässenden Ekzemen reichten. Nimmt man das Band ab und wäscht den Hund, heilen die Hautläsionen wieder ab. Neurologische Störungen oder andere Nebenwirkungen konnte zumindest ich nicht beobachten.
Eine mögliche Reaktion ist aber auch bei Spot-ons nie auszuschließen, deren Wirkung zusätzlich oft nur mäßig eintritt, da sich natürlich, wie bei Würmern, gewisse Resistenzen entwickeln können. Frontline (den Wirkstoff Fipronil kennt seit dem Skandal 2017 auch so mancher Nicht-Tierhalter) erwies sich nach meinem Umzug aus Deutschland bei meiner ersten Hündin Mucha als überhaupt nicht mehr wirksam, es häuften sich dann auch Berichte von Resistenzen gerade in Gebieten, in denen a) sehr viele Hunde und b) sehr viele mit FSME und Borrelien infizierte Zecken leben. Das Bedürfnis nach Schutz vor Zecken und Flöhen hat die Menschen womöglich dazu veranlasst, diese Mittel besonders häufig anzuwenden, woraus sich eben ein Gewöhnungseffekt bei den Zecken und Flöhen entwickelte. Untersucht wurde das meines Wissens nie genauer, Fakt ist jedoch, dass viele Spot-ons trotz korrekter Anwendung nicht die in der Packungsbeilage angegebene Wirksamkeit erreichen.

Was mache ich nun konkret, wo wir doch ein einem Borreliose- und FSME-Risikogebiet leben?
Absammeln ist für so extrem kurzhaarige Hunde wie Whippets in unserer Region das Mittel der Wahl und wenn doch mal eine beißt, kann ich sie unkompliziert mit Zeckenhaken entfernen.

Selbstverständlich kann man immer „natürliche“ Mittel wie Kokosöl anwenden, denn es ist nicht so, dass Laurinsäure und Caprylsäure als Repellentien vollkommen wirkungslos wären – an synthetische Wirkstoffe reichen sie aber nicht heran. Dafür sind sie unbedenklich für Kinder und Schwangere und damit auch für Hunde, Katzen, Insekten, Spinnentiere sowie Wasserorganismen.
Anders sieht es beim natürlichen Wirkstoff Pyrethrum aus, der in vielen „ungefährlichen, natürlichen“ Sprays enthalten ist. Auf Insekten, Spinnentiere und Fische wirkt Pyrethrum extrem giftig, auf Säugetiere aber erst in hohen Dosen. Die Anwendung auf der Haut ist laut der verschiedenen Hersteller (in Österreich erhältlich ist bspw. Insecticid 2000) für Säugetiere und Menschen unbedenklich, und auch die Datenbank Embryotox der Berliner Charité führt Produkte mit Pyrethrumextrakten, die auf die Haut aufgetragen werden, als unbedenklich in der Schwangerschaft und Stillzeit. Ablecken sollten es aber weder Hunde noch Katzen, das kann zu Irritationen führen. Ein Einatmen des Sprays sollte ebenfalls vermieden werden.
Die Spot-ons Advantix und Exspot, aber auch Scalibor enthalten synthetische Abkömmlinge dieses Wirkstoffs (sog. Pyrethroide), welche deutlich potenter, aber auch weniger gut verträglich sind. In Summe nehmen aber auch hier Resistenzen gegenüber Pyrethrumextrakten zu.
Dass ein Hund mal eine Zecke hat, gehört also zum Hundehalterleben dazu und ist kein Grund, panisch den Tierarzt aufzusuchen 😉

Warum stört mich eine festgesaugte Zecke an meinem Hund nicht?
Zecken an sich sind kein Problem, sie saugen am Hund und lassen sich satt wieder fallen. Probleme kann es geben, wenn sie einen Erreger übertragen, dem mein Hund nicht gewachsen ist. Das passiert jedoch nicht sofort.
Borrelien werden bspw. erst nach rund 24h übertragen, und auch dann nur mit 10-25%igem Übertragungsrisiko. Dass daraus ein Problem für den Hund entsteht, ist noch viel, viel seltener.
Denn „beim Menschen wird davon ausgegangen, dass lediglich ca. 0,1 bis maximal 1,5% der Zeckenbisse infizierter Zecken zu einer Erkrankung führen. Da in zeckenverseuchten Gebieten bis zu 90% der daraufhin untersuchten Hunde Borrelien-Antikörper tragen (wovon die wenigsten erkranken), ist anzunehmen, dass die Zahl der Borreliose-resistenten Hunde sogar noch weit größer ist als die der resistenten Menschen.“ (Die Lyme-Borreliose: Schreckgespenst einer Krankheit bei Mensch und Hund? Dr. Friedrich, 2009)
Darüber hinaus tragen, je nach Gebiet und Entwicklungsstadium, überhaupt nur 1-30% der Zecken Borrelien, viel seltener noch sind die Anaplasmose oder die Babesiose – wenngleich der Klimawandel dazu beiträgt, dass auch bei uns vereinzelt Überträger vorkommen. Die beim Menschen gefürchtete FSME dagegen kommt beim Hund eigentlich nur vor, wenn eine Immunschwäche vorliegt, weshalb auch kein Impfstoff existiert.
Sollte es dennoch zu einer Borrelioseerkrankung kommen, ist sie mit Antibiotika zu behandeln. Wer die Symptome einer Borreliose, Anaplasmose oder Babesiose kennt (z.B. auf der erwähnten Seite von Parasitus Ex nachzulesen), kann schnell handeln.
Eine zügige Entfernung von festgesaugten Zecken ist natürlich trotzdem immer angesagt.

Die Wirksamkeit von Mitteln wie Bravecto, Simparica, Advantix & Co, die als Tabletten eingenommen werden und keine abwehrende = repellente Wirkung zeigen und die Zecken erst nach dem Biss und beim Saugen töten, wären ansonsten teilweise fragwürdig…

Für fragwürdig halte ich es persönlich auch, einen Hund permanent in einer relativ hohen Konzentration mit einem für andere Tiere tödlichen Wirkstoff zu belasten, der noch dazu Monate benötigt, um wieder vollständig ausgeschieden zu werden. Darauf beruht schließlich die lange Wirkungsdauer, aber was, wenn der Hund den Wirkstoff nicht verträgt oder die Dosis für diesen speziellen Hund zu hoch war? Dann hat man Pech gehabt, der Wirkstoff ist im Körper und kann nur langsam abgebaut werden.
Und wir wissen von Menschen und Tieren, dass die Reaktion auf Stoffe und Arzneimittel individuell ist.
Dass sich bei unseren Hunden nach einigen Saisonen spontan Überempfindlichkeiten in Form von Hautreaktionen auf Spot-ons oder Scalibor eingestellt haben, sagt mir, dass das ohne weiteres mit Wirkstoffen in Tablettenform passieren könnte – sie unter die Dusche zu stellen, wird dann aber nichts nützen.

Tierarzt Ralph Rückert hat sich diesbezüglich wie folgt geäußert:
„Zum einen halte ich es für den falschen Ansatz, dass Zecken oder Insekten erst zubeißen müssen, bevor sie abgetötet werden, weil das die Übertragung bestimmter CVBDs (Canine Vector-Borne Diseases) eben nicht zuverlässig verhindert. Das macht die Präparate zumindest zur Prophylaxe in Risikogebieten wie dem Mittelmeerraum absolut ungeeignet.

Zum zweiten – und das ist jetzt sehr, sehr unwissenschaftlich – empfinde ich es nach wie vor als irgendwie unangemessen, wenn nicht sogar als absurd, das gesamte Blutvolumen eines Hundes derartig giftig zu machen, dass ein Parasit, der an dem Hund nippt, sofort das Zeitliche segnet. Das kommt mir ein wenig vor wie das ganze Leben permanent Antibiotika einzunehmen, nur für den Fall, dass man sich beim Kochen mal in den Finger schneidet.

Also bevorzuge und empfehle ich zur wirksamen Prophylaxe gegen Zecken, Flöhe, Mücken und die durch sie übertragenen Krankheiten nach wie vor repellierende (den Parasiten abweisende) SpotOns oder Halsbänder, weil diese meist verhindern, dass der Hund überhaupt erst gebissen wird.“

Vollständiges Posting auf FB

Das ist in meinen Augen eine gesunde Einstellung.

Weder sterben ständig Hunde an Zeckenbissen, noch an der korrekten Anwendung von Zeckenmitteln. So wie nur in Ausnahmefällen Hunde an korrekt angewandten Wurmmitteln oder an Würmern im Darmtrakt sterben.
Risiken der Anwendung von Giften zur Abschreckung oder zum Abtöten von Insekten und Zecken sollte man genauso kennen, wie Risiken, die ohne Prophylaxe entstehen.

Und wenn es um die richtige Entfernung von Zecken geht: Egal ob man dreht, zieht oder einen Zeckentanz aufführt, in der Haut steckende Reste der Zangen oder des Kopfs werden zügig vom Körper abgestoßen und stellen kein Problem dar. Weder beim Mensch, noch beim Hund. Nur Flüssigkeiten darf man niemals auftropfen und quetschen sollte man sie ebenfalls nicht, die Zecke sondert sonst in ihrem Todeskampf vermehrt Speichel und Mageninhalt in die Bissstelle ab. Und das wollen wir ja gerade vermeiden.

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