Geburtsbericht C-Wurf

Samstagabend gegen 19 Uhr fällt bei Lori die Temperatur um 0,5°C (danach habe ich nicht mehr gemessen) und ihre Atemfrequenz ist leicht erhöht – Anzeichen dafür, dass es im Laufe des nächsten Tages zur Geburt kommen wird. Es ist bereits der 64. Tag nach dem ersten Deckakt am 2. September, aber da sie meiner Meinung nach relativ früh gedeckt wurde und sämtliche Anzeichen einer Trächtigkeit etwas später als üblich zeigte, liegt das völlig in der Norm. Wir gehen also noch eine flotte Runde spazieren und Michael macht sich mit den anderen Hunden auf zur Geburtstagsfeier seiner Mutter. In der Nacht wechselt Lori manchmal den Platz, ist aber ansonsten unbeeindruckt. Wir verbringen den Tag dann zusammen in der Wurfkiste, alles ist entspannt und geradezu langweilig. Gelegentlich hechelt sie kurz und um 13 Uhr geht eine größere Menge Zervixschleim mit blutigen Schlieren ab. Eindeutig kann es nicht mehr lange dauern – na gut, 6 Stunden waren es dann, aber so eine Geburt braucht eben einfach seine Zeit 🙂

Um 19 Uhr kommt dann endlich Bewegung in die Sache, Lori knabbert zwar noch ein Stück Bullenmaul, beginnt aber häufiger zu hecheln, kratzt und beißt immer wieder in die Unterlagen und hat offenbar stärkere Wehen, auch Schleim geht wieder ab. Wir gehen alle paar Minuten raus in den Garten. Um 19.35 Uhr dann die erste leichte Presswehe, Lori wechselt daraufhin die Plätze und presst einige Male im Stehen, dabei geht etwas Flüssigkeit ab. Es vergeht dann etwas über eine Stunde mit regelmäßiger werdenden Wehen und sie plagt sich manchmal schon sichtlich. Im Geburtskanal kann ich den Welpen in einer intakten Fruchtblase ertasten, also alles wunderbar. Theoretisch könnte ich weiter warten, aber ich möchte nicht, dass sie sich unnötig anstrengt, wer weiß, was noch kommt. Ich beschließe also, sie etwas zu unterstützen und nötige sie in den Garten, wo sie ein paar Runden unter den Büschen dreht, wild unter dem Geißblatt buddelt. Anschließend gehen wir wieder nach oben und bald darauf zeigt sich auch die Fruchtblase, es ist 21 Uhr. Sicher ist es ein dicker Brocken und der erste Welpe ist immer hart. Bei den nächsten starken Presswehen in sitzender Position ziehe ich sie etwas hoch, sodass sie stehen muss (das macht es ihnen leichter bei großen Welpen), und da erscheint der Kopf. Ich ziehe den Welpen bei einer kräftigen Wehe halb heraus, das tut natürlich weh, muss aber sein… Meine Intervention dauert vielleicht 5 Sekunden und es blieb auch die einzige. Die Fruchtblase wird über der Schnauze eröffnet, während Lori noch verdattert dreinschaut, aber schon beginnt sie, ihn zu befreien, zu säubern, abzunabeln und die bald nachkommende Plazenta zu vertilgen.
21.10 Uhr, ein wunderschöner blauer (eventuell dann fawn) Mantelschecke mit perfekter Zeichung und stattliche 350g schwer! Hungrig ist er natürlich auch 🙂
Er soll Cielo heißen, das bedeutet Himmel, Schatz oder Schätzchen und Glückseligkeit auf Spanisch.

Um 21.38 kommt dann ein weiterer Rüde zur Welt, diesmal ohne viel Mühe nach zwei Presswehen. Ein roter Schecke mit einer ganz speziellen Zeichnung und leichtem Schwarzstrom, 340g schwer. Noch mit dem Hinterteil im Geburtskanal fängt er nach dem Öffnen der Fruchtblase sofort an, zu fiepsen und an der hintersten Zitze zu saugen.
Kaum ist er halbwegs sauber und gewogen, kommt um 21.55 Uhr unvermittelt nach nur einer Wehe eine kräftige schwarze Hündin mit 360g zur Welt. Ich denke, man hört meine Überraschung auf dem Video 😉 Auch sie hat eine sehr schöne Zeichnung und ich bin gespannt auf ihre spätere Farbe, leichter goldener Strom zeichnet sich ab. Sie soll Catalina heißen.
Der nächste Welpe wird um 22.29 Uhr geboren und kostet Lori ein paar Presswehen und ein Fiepen mehr, mit über 380g ist es gar nicht mal ein dicker Brocken, sondern ein sehr großer. Ein roter Mantelschecke mit unterbrochenem Kragen und dunkler Maske, ganz der Papa Niyol 🙂 Nach einer kurzen Pause flutscht dann um 23.15 Uhr sein Zwilling quasi nebenbei in meine Hand, eine Kopie von Niyols Mama Mica mit nur 280g. Ich denke, ich werde sie Canela taufen, Zimt auf Spanisch. Sie wird als einziger Welpe mit den Hinterläufen voran geboren und ist interessanterweise bereits ausgepackt und abgenabelt. Ich warte auch vergeblich auf die Plazenta, was jedoch keine dramatische Sache ist. Diese wird im Regelfall später ausgeschieden oder sucht sich im Laufe der nächsten Tage stückweise den Ausgang. Der Wochenfluss ist lediglich stärker als üblich. Lori bekommt von mir austreibende und milchbildende Kräuter zur Unterstützung.
Lori presst jedenfalls nach dem fünften Welpen gelegentlich noch und hechelt, ich warte also auf einen letzten Welpen oder die Plazenta von Nr. 5. Aber als sich bis kurz nach Mitternacht nichts mehr tut und sie ruhig wird, ich auch nichts mehr im Bauch ertasten kann, mache ich die Kiste sauber. Und warte. Das ist noch nicht ganz rund, schließlich habe ich 6 Welpen für den 4. November vorhergesagt 😉
0.35 Uhr – der letzte Welpe wird ganz unkompliziert geboren, noch ein kräftiger und aktiver Rüde mit 360g. Ein blaugestromter Schecke, juhu!

Jetzt ist es geschafft, eine wunderschöne und entspannte Geburt liegt hinter uns, alle Welpen sind auf den ersten Blick gesund, vital und hungrig und Lori macht ihren neuen Job ganz toll.
Natürlich bin ich sehr verliebt und finde vor allem die Zwillinge ganz toll, für mich „Die Zwillinge 2.0“, in Anlehnung an meine Whippetzwillinge Enya und Buddy 😉 Die Gewichtszunahme in den ersten Tagen ist bei allen Welpen ausgesprochen gut (40 bzw. heute 50-60g täglich), am 3. Lebenstag werden wir bereits die 500g-Marke knacken.
Ich bin noch immer so stolz auf Lori, auf Niyol und die Welpen, auf mich und auf meine anderen Hunde, die das gut wegstecken und die Welpen vom Bett aus betrachten dürfen. Besonders Enya ist völlig außer sich und wird sicher bald mit Freude ihre Pflichten als (quasi) Großmutter übernehmen.
Mein Dank gilt allen, die diesen Wurf direkt oder indirekt möglich gemacht haben, es ist für mich einfach eines der großartigsten Erlebnisse ❤
Fun fact: Der A-Wurf wurde am Geburtstag meines Opas geboren, der B-Wurf am Geburtstag von Michaels Vater und der C-Wurf nun am Geburtstag von Michaels Mutter. Mal sehen, wer das nächste Mal zur Ehre kommt.

Wer die Videos der Geburt sehen möchte, kann das auch direkt auf YouTube in dieser Playlist: Klick!

Wie geht es nun weiter?
Da der Wurf mit sechs Welpen „nur“ mittelgroß ist, sind natürlich alle Welpen vergeben, was aber auch bei einem größeren Wurf so gewesen wäre. Abwarten müssen die neuen Familien noch einige Wochen, denn reserviert wird nur, was man auch kennengelernt hat 😉
Eventuell kann ich 2020 wieder die Zeit für einen weiteren Wurf mit Lori aufbringen, wenn sich bis dahin alle Welpen entsprechend unserer Vorstellungen entwickelt haben.
Es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, Welpen in die Welt zu setzen, auf das Leben vorzubereiten und eine Hündin durch diese Lebensphase zu begleiten, die viel Vertrauen verlangt. Für mich ist der Unterschied zwischen Enyas und Loris Geburten und der von Bluni, die zwar zur Familie gehört, aber eben Michaels Hund war und ist und zu ihm die stärkste Bindung hat, ziemlich deutlich geworden. Daher habe ich bisher auch bei Anfragen zur Zuchtmiete (eine Hündin wird zur Geburt und zur Aufzucht der Welpen in den Züchterhaushalt gebracht) immer abgelehnt. Aus diesem Grund weiß ich auch nicht, ob eine der beiden Hündinnen irgendwann für einen Wurf zurückkommt.
Ein kleiner „lobito azul“ bleibt also auch zukünftig etwas Besonderes, für das man Geduld und Einsatz mitbringen muss…

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