Worauf genau warten wir? Erste Anzeichen für eine nahende Geburt

Wenn ich schreibe, „es tut sich nicht viel“, dann ist damit gemeint, dass es noch keine klaren Anzeichen für den Beginn der Geburt gibt. Es gibt sehr viele unklare und einige klare Zeichen, wie ja schon bei der Trächtigkeitsdiagnose.

Erstaunlicherweise haben Umfragen unter Züchtern ergeben, dass kaum ein Züchter die ersten Anzeichen richtig erkennen und deuten kann! Finde ich beschämend, in Züchterseminaren, die ja schließlich verpflichtend sind, sollte auf diese Thematik eigentlich eingegangen werden. Wurds aber auch bei mir nicht… Züchter müssten sich dann anderweitig Infos holen, offensichtlich tun sie es aber oft nicht so ganz ausführlich.
Also vielleicht interessiert es den einen oder anderen Nicht-Züchter oder Deckrüdenbesitzer, deshalb eine kleine Zusammenfassung, auf was wir hier eigentlich genau warten.

Klare Anzeichen sind andauerndes Hecheln, starke Wehentätigkeit (gut sichtbar), der Austritt von Fruchtwasser, Presswehen und schon ist er da, der Welpe. Im Idealfall.

Davor tut sich aber auch ansonsten jede Menge.
Senkwehen beginnen oft schon 2 Wochen vor der Geburt und sind für aufmerksame Beobachter eindeutig als solche zu erkennen. Bei großen Würfen sieht man deutlich, wie sich der Bauch nach unten und hinter absenkt, dadurch werden die Wirbel am Rücken der Hündin sichtbar, auch die letzten Rippen können hervorstehen und die Hüfthöcker zeichnen sich ebenfalls ab.
Ein unsicheres Zeichen ist die Verweigerung von Futter.
Enya hat bis zum Abend vor der Geburt gefressen, da war schon klar, dass es bald losgeht. Insofern kann natürlich Futterverweigerung ein Zeichen sein, muss aber nicht.
Manchmal tritt plötzlich Durchfall auf, aufgrund der Hormonveränderungen und der Aufregung, was auch sinnvoll ist, damit der Darm leer ist und beim Pressen nicht überlastet wird.
Hecheln, Unruhe, kratzen auf der Unterlage, „Nestbau“ kann ebenfalls ein Anzeichen sein, kann aber schon lange vor der Geburt auftreten und bei Whippets, die sich sowieso immer erst mal 5min im Kreis drehen und die Unterlage richten, bevor sie sich zur Ruhe betten, kann man sich erst recht nicht darauf verlassen 😉
Den Platz wechseln schwangere Hündinnen häufiger, denn es ist einfach am Schluss schon unangenhem und Senkwehen tragen ihren Teil zur Unruhe bei. Hecheln, das Scharren und das Beißen in die Unterlage sind auch Reaktionen auf (leichten) Schmerz, der sich ein Ventil sucht.
Die klaren Schleimabsonderungen aus der Vulva nehmen zu, bis vor der Geburt oft eine Art Schleimpfropf abgeht, der den Muttermund während der Trächtigkeit „verschlossen“ hält.
Und davor passiert etwas, was man als sicheres Zeichen beschreiben könnte, wenn einige Voraussetzungen gegeben sind: Das Absinken der Basalthemperatur.

Das hormonell bedingte Absinken der Basaltemperatur ist ein Vorgang, den man sich auch bei der symptothermalen Empfängnisverhütung beim Menschen zunutze macht, eine Methode, die richtig angewendet einen niedrigeren PI als die Sterilisation hat, also wirklich SEHR sicher ist.
Entsprechend könnte man sich beim Hund darauf verlassen, wenn man über einen längeren Zeitraum regelmäßig die Basaltemperatur misst und Veränderungen aufzeichnet
Wie beim Menschen tritt nach der Berfruchtung bzw. generell nach dem Eisprung eine sogenannte Hochlage ein, die sich, der Name sagts, durch eine erhöhte Basaltemperatur auszeichnet. Theoretisch wäre die Temperaturmessung also auch für die Trächtigkeitsdiagnose vorstellbar, aber da muss selbst ich ein bisschen lachen 😛

Also, beim Menschen schaut das so aus – Tieflage mit Reifung der Eizelle, Eisprung mit Anstieg der Temperatur und Hochlage, dann entweder Absiken und Menstruationsblutung oder weiterhin Hochlage und Schwangerschft:

Und beim Hund im Grunde nicht so viel anders. Der Proöstrus ist die Phase der Tieflage mit beginnender Reifung (Beginn der Läufigkeit mit rötlichem Ausfluss, daher NICHT gleichzusetzen mit der Menstruation), der Östrus selbst ist die „Stehzeit“ mit Eisprung, der Metöstrus wird bei ungedeckten Hündinnen als Zeit der Scheinträchtigkeit bezeichnet und ist charakterisiert durch einen erhöhten Progesteronspiegel, quasi wie beim Menschen in der Hochlage. Danach folgt beim Hund ein langer Anöstrus, in dem sich nicht viel tut. Menschen beginnen danach einen neuen Zyklus, aber beginnend mit der Menstruation. Leider habe ich keine Abbildung für den Zyklus bei Hunden eingescannt, dann könnte man die Unterschiede und Ähnlichkeiten sehen. Doch zurück zu den Anzeichen einer bald stattfindenden Geburt 😉
Ich mach es auch kurz: Unter der Einwirkung von Progesteron wird die Temperatur also höher, vor der Geburt sinkt der Progesteronspiegel, Östrogen übernimmt und Prostaglandine werden produziert, die die Geburt einleiten, die Temperatur sinkt um bis zu 1,5°C ab. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Abfall sollte die Geburt beginnen. Es gibt dazu Auswertungen von z.B. Naaktgeboren (Die Geburt bei Haus- und Wildhunden), die dies bestätigen.
Für eine verlässliche Aussage müsste man aber den Hund immer so erwischen, dass es tatsächlich die Ruhetemperatur ist und es muss rechtzeitig damit begonnen werden. Gar kein so leichtes Unterfangen. Deshalb sagen viele Züchter, „bei mir hat das Messen nicht gut geklappt“ und ich mache es aus diesem Grund ebenfalls nicht, außerdem ist es für die Hündin jetzt auch nicht gerade ein Highlight 😉

Tja, und das wars dann eigentlich auch schon, das nächste Stadium wäre die Austreibungsphase und zu der schreibe ich vielleicht morgen noch was. In Summe kann man sowas also eigentlich kaum übersehen und wir warten weiter…

Bluni frisst noch sehr gerne, war heute sehr tapfer mit beim kleinen Gassi, ist seit 3 Tagen merklich unruhig, verliert seit 2 Tagen manchmal etwas mehr Schleim, hat seit über einer Woche immer mal wieder schöne, erfolgreiche Senkwehen, leider auch typische, leichte Wassereinlagerungen in den Hinterläufen (welche Schwangere kennt das nicht?), denen wir mit öfter mal kurzer Bewegung im Kühlen entgegenwirken. Demnach wirds bald losgehen, aber eben nicht sehr bald 😉

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