Trächtigkeitsdiagnose: Ist meine Hündin tragend?

Am 2. und 3. September wurde ziemlich wahrscheinlich der C-Wurf auf den Weg gebracht und wie bei den beiden vorangegangenen Würfen in 2011 und 2013 ist die erste Zeit immer besonders spannend für alle Beteiligten (außer für die werdenden Eltern selbst 😉 ).

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„Siehst du schon was?“
„Was hast du für ein Gefühl?“
„Bei der Hündin xy war das ja so…“

Wie bei der Geburt (siehe Worauf genau warten wir? Erste Anzeichen für eine nahende Geburt) gibt es einige unsichere Anzeichen und einige sichere Diagnoseverfahren.
Die klassischen unsicheren Anzeichen sind eine Veränderung der Zitzen (Rotfärbung) und des Gesäuges, eine leichte Übelkeit zum Zeitpunkt der Einnistung der befruchteten Eizellen in die Gebärmutterschleimhaut (ca. um den 19. Tag nach dem Bedecken) und eine Absonderung von klarem, eiweißartigem Schleim. Und, natürlich, so um den 30. Tag das erahnbar kleine Bäuchlein, das aber nicht bei allen Rassen und nicht bei allen Hündinnen sichtbar ist.
Auch der „nach innen gekehrte Blick“, den Züchter sehen oder zu sehen meinen, wird häufig genannt.

Daneben gibt es die erwähnten sicheren Diagnoseverfahren:
Dazu gehört die Relaxinkonzentrationsbestimmung im Blut, welche ab dem 30. Tag nach dem ersten Deckakt durchgeführt werden kann. Die Sicherheit liegt nach SCHÖNE et. al. 2004 bei 97,83% (tragende Hündin wird als tragend erkannt) für den FASTest® RELAXIN-Test. Falsch positive Ergebnisse kamen in der Studie nicht vor.
Will man also nur wissen, ob die Hündin trägt, ist dieser Test sicher empfehlenswert, man muss allerdings Blut nehmen.

Weiters können die Fruchtkammern zwischen dem 25. und 35. Tag nach dem Deckakt von einem geübten Tierarzt ertastet werden. Eine Palpation stellt natürlich ein gewisses Risiko für die ungeborenen Welpen dar und sollte daher nicht von Laien durchgeführt werden. Die Wurfgröße lässt sich hierbei nicht ermitteln.

Röntgen ist ab dem 45. Tag möglich, da sich erst die Knochen der Feten mineralisieren müssen. Durch Überlagerung der einzelnen Welpen ist bei großen Würfen keine genaue Anzahl bestimmbar, wer möchte, kann es ja versuchen:

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Kleine Würfe sieht man dagegen meist sehr gut und wenn der Bauch der Hündin nur einen kleinen Wurf erwarten lässt (häufig bei Zwergrassen), wird ein Röntgen empfohlen.

Der Ultraschall (Sonografie) ist wohl die ideale Möglichkeit, um die Trächtigkeitsdiagnose durchzuführen und den Zustand selbiger zu beurteilen.
Ab dem 18. Tag nach der Befruchtung (dies ist nicht immer der Tag der Bedeckung!) können Fruchtkammern dargestellt werden, ab dem 23. Tag ist auch die Herzaktivität der Feten sichtbar. Da man meist den genauen Zeitpunkt der Befruchtung nicht kennt, empfiehlt es sich, den Ultraschall erst ab dem 25. Tag nach dem Decken durchzuführen. Hierbei kann auch die Qualität des Fruchtwassers, die Aktivität der Feten (ab dem 34. Tag) und die Struktur der Fruchtkammern untersucht werden.
Ein Ultraschall beim trächtigen Hund ist im Regelfall keine Gesundheitsuntersuchung, wie das beim schwangeren Menschen der Fall ist, er dient lediglich der Trächtigkeitsdiagnose und nur in Ausnahmefällen und in beschränktem Ausmaß einer Kontrolle des Gesundheitszustandes der Hündin oder der Feten.
Ab dem 30. Tag ist die äußere Form der Welpen deutlich erkennbar, Kopf und Rumpf können unterschieden werden, ab dem 35. Tag auch Organanlagen, die Wirbelsäule, Augenhöhlen usw.
Bei mehr als 4 Welpen wird die Zählung ungenau, da man versehentlich doppelt zählen kann – die Fruchtkammern befinden sich ja in einer Y-förmigen Gebärmutter – und die Welpen oft weit oben unter den Rippenbögen liegen.

Bis zur 5. Woche kommt es regelmäßig zu einer Resorption von Feten und Fruchtkammern, was die Anzahl außerdem nach dem Ultraschall reduzieren kann. Wiederholt wird auch von Aborten oder Resorption nach einem Ultraschall berichtet, doch ist es quasi unmöglich, die tatsächliche Ursache dafür zu ermitteln. Wie erwähnt kommen Aborte und Resorption von Früchten nämlich regelmäßig in der ersten Trächtigkeitshälfte vor, sie werden nur vom Menschen nicht bemerkt. Ein Ultraschall während der Trächtigkeit oder der Schwangerschaft gilt gemeinhin als sicher, einzig das Infektionsrisiko, das durch den Besuch einer Tierarztpraxis besteht, oder starker Stress bei Hündinnen mit schlechten Tierarzterfahrungen sind als negativ zu werten. Auch (züchtende) Tierärzte selbst sehen daher Ultraschalluntersuchungen mitunter kritisch.
Der Ultraschall wird am besten an der stehenden Hündin durchgeführt, nicht nur, um ihr Stress zu ersparen, sondern da sich die Gebärmutterhörner so nach unten an die Bauchdecke senken.

Zur Illustration ein Foto von einem Ultraschall beim Whippet am 29. Tag nach dem ersten Deckakt, es sind 3 Fruchtkammern und links gut ein Fetus erkennbar:

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Die Fruchtkammern liegen hier nah beieinander, was auf einen großen Wurf hindeutet, das Fruchtwasser ist klar, die Fruchtkammern sind schön abgegrenzt. In diesem Stadium waren schon Herzschläge erkennbar, es ist der A-Wurf mit letztlich 8 Welpen. Durchgezählt haben wir damals nicht 😉

Zusammengefasst kann man sagen, dass eine Trächtigkeitsdiagnose dann sinnvoll ist, wenn man aus irgendeinem Grund bereits relativ früh sicher wissen muss, ob die Hündin tragend ist. Ansonsten lässt sich über die Anzahl der Welpen keine Aussage treffen, außer, man führt ein Rötgen spät in der Trächtigkeit durch, wenn die Welpen nicht mehr resorbiert werden können und die Knochen röntgendicht genug sind.
Selbst geübte Tierärzte können mit einem Ultraschall keine exakte und 100% verlässliche Aussage zur Welpenzahl treffen und wird ein Schall zu früh durchgeführt, kann das zu falschen Aussagen führen. In beide Richtungen: Die Hündin ist leer, weil noch nicht weit genug entwickelte oder nur wenige und weit oben liegende Welpen, oder die Hündin ist tragend und die Hündin resorbiert nach dem Schall. Solche Dinge passieren immer wieder, wobei man sich als Außenstehender manchmal schon fragt, wie eine Trächtigkeit (auch bei kleinen Würfen) übersehen werden konnte – die unsicheren Anzeichen sind nämlich auch nicht ganz zu vernachlässigen…
Einfach zu warten, bis die Hündin deutliche Trächtigkeitsanzeichen zeigt, kann aber durchaus eine Option sein.

Und wir warten vorerst auch mal ab, denn wir sind erst „rund um die Einnistung“ und da sieht man, wie wir jetzt wissen, noch nicht wirklich viel. Man hat höchstens „so ein Gefühl“ 🙂

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Zum Weiterstöbern:
Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund von Axel Wehrend
Atlas und Lehrbuch der Ultraschalldiagnostik von Wolfgang Kähn

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