Loris Augenuntersuchung

Als Vorbereitung für Loris ersten Wurf waren wir heute in Oberalm bei Dr. Hannes Meissel, der im In- und Ausland für seine herausragende Kompetenz beim Thema Augen bekannt ist. Ich habe das Glück, nur exakt 50km Anreise bewältigen zu müssen, aber ich kenne auch Hundehalter, die von sehr viel weiter zu ihm kommen, z.B. aus Südtirol.

Dr. Meissel ist Mitglied im Arbeitskreis Veterinär Ophtalmologie (AKVO), im European College of Veterinary Ophthalmologists (ECVO), der European Society of Veterinary Ophthalmology (ESVO) und der Fortbildungsgemeinschaft Veterinärophthalmologie (FVO) und die Untersuchung wurde nach entsprechenden Standards durchgeführt.

Ergebnis: Lori ist frei von allen getesteten Augenerkrankungen 🙂
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In 1-2 Jahren wird die Untersuchung wiederholt.

Warum ist eine Augenuntersuchung vor dem Zuchteinsatz wichtig?

Whippets sind nicht stark von Augenerkrankungen betroffen, dennoch sind mir einige Fälle von erblich bedingten Augenerkrankungen bekannt, die bereits in jungen Jahren zur Erblindung führten oder aber nur mittels kostspieliger Operationen behoben werden konnten. Sowohl Show- als auch Rennlinien sind betroffen und die familiäre Häufung ist, neben der Tatsache, dass der Erbgang auch bei anderen Rassen sehr gut untersucht ist, leider der Beweis für eine erbliche Ursache.
Vor allem PRA oder Kararakte und Glaukome kommen vor.

Eine Studie aus Brasilien (2016) zeigte, dass von 51 routinemäßig untersuchten Whippets erschreckende 16 Hunde an einer erblich bedingten PRA erkrankt waren!

Bei der PRA handelt es sich um das Absterben der Netzhaut und sie führt so gut wie immer zur Erblindung, oft schon früh im Leben eines Hundes. Eine Behandlung ist nicht möglich.

Die Pedigree-Analyse sprach für einen autosomal-rezessiven Erbgang.

Die Retinadystrophie, die hier beim Whippet beschrieben wird, hat einen einzigartigen Phänotyp, gekennzeichnet durch einen initialen Mangel an P-Wellen im ERG, die Entwicklung von Bullae in der Retina und schließlich der Entwicklung einer progressiven generalisierten Degeneration der Retina.

http://www.vetcontact.com/ophthalmologie/art.php?a=7930&t=&f=25

Wer jetzt meint, brasilianische Hunde seien für uns nicht von Interesse, der darf sich gerne einmal die Pedigrees dieser Hunde anschauen – sehr relevant für viele europäische Hunde!
Aber, wie angemerkt, das sind ja nun auch nicht die einzigen betroffenen Hunde…
Darüber hinaus helfen solche günstigen und für den Hund vollkommen harmlose Untersuchungen, mögliche vorhandene Probleme zu erkennen. Sie ermöglichen auch, dass man sofort eingreifen kann und Defekte nicht unerkannt in der Population weiterverbreitet. Nach wie vor ist die bevorzugte Art zu züchten die Linienzucht, was schnell dazu führt, dass sich schädliche Mutationen anhäufen.

Lori wurde zwar auf verschiedene Augenerkrankungen mittels der MyDogDNA Genanalyse getestet, aber ein Gentest kann immer nur eine einzelne Erkrankung, die mit einem Gendefekt einhergeht, aufzeigen. Wie man an der brasilianischen Studie sieht, ist auch nicht jeder Gentest für jede Form der PRA bei jeder Rasse möglich. Es gibt Hunderassen, die mehrere Formen von Katarakt, PRA & Co aufweisen können.
Eine umfassende Augenuntersuchung deckt alles ab, muss aber, für zuverlässige Ergebnisse, später im Leben wiederholt werden.

Zum Ablauf der Untersuchung, die immer bei einem zertifizierten Spezialisten vorgenommen werden muss: Die Sache ist denkbar unaufregend. Geradezu langweilig 😉

Weder muss der Hund nüchtern sein, noch ist etwas anderes zu beachten, als dass nach der Untersuchung 2-3 Stunden Ruhe in einem eher dunklen Raum angesagt sind.
Zuerst werden die Augen im Normalzustand untersucht, anschließend werden Augentropfen eingebracht, um die Pupillen weitzustellen. Das ist nötig, damit der Augenhintergrund beurteilt werden kann.
Der Hund hat dabei keine Schmerzen, lediglich helles Licht sollte vermieden werden, damit er nicht geblendet wird. Es bietet sich also fast an, die Untersuchung auf einen Nachmittag in der Winterzeit zu legen, ansonsten sorgt man für eine abgedunkelte Box auf der Heimfahrt und ein abgedunkeltes Zimmer.
Nebenwirkungen der Augentropfen gibt es nur selten, sie sind darüber hinaus nicht gravierend. Regelmäßige Behandlungen gegen Zecken, Flöhe oder Würmer sind definitiv eine größere Belastung für den Körper, daher muss sich niemand Sorgen machen 😉

Etwa eine Stunde später hält man dann seine Zertifikate in der Hand und kann sich (hoffentlich glücklich) auf den Heimweg machen.

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War halb so wild 😉

Auf dem Konto fehlen lediglich rund 100 Euro (ich habe 98,- bezahlt, in Deutschland sind die Gebühren i.d.R. niedriger), was angesichts der Tatsache, dass die Welpenpreise beim Whippet schon eine ganze Weile bei 1500 Euro und mehr pro Welpe liegen, echt für absolut jeden Züchter leistbar ist! Anders ausgedrückt: Das sind gerade mal die Meldegebühren für zwei CACIB Ausstellungen…

Also, einfach mal machen bzw. beim Züchter des Vertrauens nachfragen, ob er seine Hunde testen lässt.
Es ist auf jeden Fall sinnvoll, unschädlich und kostengünstig, mit einem guten Effekt.

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