Whippetpfoten

Für die einen zentrale Körperteile, die größte Aufmerksamkeit bei der Pflege genießen und nach deren Gesundheit man Zuchthunde auswählt, für die anderen etwas, das höchstens wegen der Krallenpflege mal begutachtet wird (wenn überhaupt): Whippetpfoten.
Es gibt sie in der gut oder weniger gut aufgeknöchelt Version, mehr oder weniger fest geschlossen, es gibt Katzenpfoten und Hasenpfoten und es gibt viele Neulinge im Ausstellungsring, die sich nach Erhalt ihres Berichts darüber wundern, was denn Katzen- oder Hasenpfoten an ihrem Hund zu suchen haben…

Eben sah ich diese tollen Aufnahmen und was mir dabei ins Auge gefallen ist, sind die Pfoten. Die Pfoten dieser urtümlichen Katzenart sind dafür gemacht, sie bestens durch ihr Leben im Regenwald zu tragen, nämlich hauptsächlich in den Bäumen. Die Zeitlupenaufnahmen zeigen die Flexibilität auf ganz herrliche Art und Weise.

Ganz anders sind die Pfoten von Geparden gebaut, bekanntermaßen das schnellste Landsäugetier, neben Greyhound und auch Whippet.

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Geparde können ihre Krallen nicht einziehen, anders als andere Katzenartige. Sie brauchen sie als Spikes im Sprint. Die Zehen sind deutlich länger und aufgeknöchelter. Weil der Gepard in vielerlei Hinsicht so anders ist als andere Katzen, wurde er früher in eine eigene Familie eingeteilt.

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Diese Anatomie ist funktionell und gehört zum Gepard, der deshalb solche herausrangenden Leistungen erbringen kann, weil er aussieht, wie er aussieht.

Whippetpfoten sind auch funktionell, oder sollten es sein. Nichts sei frustrierender, als ein Whippet, der aufgrund schlechter Pfoten ständig lahm gehe, schreibt Helen Hansell in ihrem Buch „The Working Whippet“.

Die Gesundheit der Pfoten ist ein Faktor, der züchterisch selektiert werden kann und sollte. Wobei man natürlich nicht davon ausgehen darf, dass eine funktionelle Whippetpfote jede Vernachlässigung in puncto Krallenpflege, jede Überforderung (vor allem in der Jugendphase), jedes noch so katastrophale Coursing oder jede ungepflegte Rennbahn unverletzt übersteht. Sie sind eben Spezialisten. Aber gut Belastungsfähigkeit im Freilauf muss schon drin sein!

Und wie war das jetzt mit den Hasen- und Katzenpfoten?

Der AKC schreibt in seinem Standard: „Feet more hare than cat, but both are acceptable.“ (Pfoten mehr Hase als Katze, aber beides ist akzeptabel.)

Die FCI und der KC unterscheiden nicht: „Sehr klar umrissen; Zehen gut voneinander abgesetzt, gut aufgeknöchelt; dicke und starke Ballen.“ bzw. „Oval, well split up between toes, knuckles well arched, pads thick, nails strong.“

Wie Katzenpfoten aussehen, haben wir ja im Kopf. Und der Hase, ebenfalls gemacht für Geschwindigkeit, sieht so aus 😉

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„Katzen“pfoten sind also die großen, runden und kompakten/geschlossenen Pfoten mit kurzen Zehen. Diese Pfotenform soll energiesparend in der Bewegung sein, daher haben ausdauernde Hunderassen eher Katzenpfoten.

„Hasen“pfoten weisen längere Zehen auf, sind energieaufwendiger in der Bewegung, eignen sich aber besser für explosive Sprints und hohe Geschwindigkeiten, sie finden sich daher bei vielen Windhunden – und beim Gepard.

Verwechseln darf man Hasenpfoten aber nicht mit den kaputten oder durchgetretenen Pfoten, wie sie vor allem bei den Windhunden aus dem Auslandstierschutz häufiger zu sehen sind. Verletzungen, Mangelernährung und zu frühe Überforderung führen zu „Plattfüßen“, das hat nichts mit einer funktionellen Hasenpfote zu tun. Dennoch sind Katzenpfoten natürlich weniger verletzungsanfällig als Hasenpfoten, was nicht nur an der höheren Geschwindigkeit bei den Windhunden liegt. Lange Zehen, weniger kompakte Pfoten plus enorme Geschwindigkeiten bilden das Risiko, zusätzlich fällt natürlich jeder Millimeter Krallenlänge und damit Krafteinwirkung auf die Zehe ins Gewicht.

Daran denken also Whippet-Nerds, wenn sie Videos vom Nebelparder sehen 😉

Edit 10. März 2017: Ich habe heute ein sehr eindrückliches Beispiel dafür gefunden, wie Krallenpflege sich auf die Pfotenform und die Körperhaltung auswirkt. Die Fotos stammen von C. Lessard und zeigen eine Deutsche Dogge, die sie vor einem Jahr übernahm. Der Hund hat nun schöne Katzenpfoten und nicht mehr aufgespreizte Zehen, die an Hasenpfoten erinnern – aber keine sind! Verletzungsgefahr deutlich reduziert, Gefahr für Folgeschäden am Bewegungsapparat gebannt 😉

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