Fit fürs Coursing

Nur fitte und gut trainierte Hunde im Sport zu führen, das ist der Anspruch, den angeblich alle Hundesportler an sich stellen.
Dass das im Windhundsport nicht immer der Realität entspricht, weiß jeder, der schon mal eine Sportveranstaltung besucht und dabei ein kritisches Auge auf die Hunde geworfen hat. Dort laufen nämlich gelegentlich Hunde, deren momentane Verfassung alles andere als sportlich fit ist. Mit Krallenpflege und Zahnhygiene will ich gar nicht anfangen, beides seit vielen Jahren Dauerbrenner, obwohl eigentlich kein großer Aufwand. Generell kann ich einen Blick auf den Text „Windhundsport in Deutschland aus tierärztlicher Sicht“ empfehlen, denn Hobbysport heißt nicht, dass die Hunde weniger gut versorgt werden sollten.
Übergewichtig, unterbemuskelt und/oder mit schlechter Kondition ausgestattet, finden sich manche Hunde dennoch auf dem Coursingfeld oder dem Rennplatz wieder und „dürfen“ dort dann ihre Läufe absolvieren.
Denkbar ungünstig in jeder nur möglichen Hinsicht.

Biene und My Camelot Maioui

Es sollte sich von selbst verstehen, dass Coursings und Rennen nur für Hunde geeignet sind, die eine gute Grundfitness aufweisen. Beide Sportarten eignen sich nicht als Ausgleich zum Büroalltag, sondern können nur dann gut und sicher ausgeführt werden, wenn der Hund bereits mental ausgeglichen und körperlich fit ist.
Der Hund unterscheidet im Regelfall auch nicht zwischen Training und Bewerb. Er strengt sich nicht extra mehr an, weil sein Besitzer ihn auf Platz 1 sehen will, und er läuft auch nicht nur mit halber Kraft, weil es ein Training ist. Er ist immer voll dabei und achtet dabei eher selten auf seine Gesundheit.
Wenn die Skelettmuskulatur, die Knochen, Sehnen und Bänder, Lunge, Herz, der Stoffwechsel und „der Kopf“ nicht entsprechend trainiert und vorbereitet werden, führt das manchmal schneller als erwartet zu unangenehmen Folgen für den Hund. Spätestens nach ein paar Saisonen oder im Alter spürt der Hund die Konsequenzen unseres verantwortungslosen Handelns.

Nachfolgend möchte ich gerne einige Möglichkeiten nennen, wie man den Hund fit fürs Coursing hält. Es sind nur kurze Denkanstöße, aber vielleicht findet der eine oder andere Leser etwas für sich 🙂

Ich persönlich halte meine Hunde gerne immer möglichst fit, weshalb viele der genannten Beschäftigungsmöglichkeiten für mich zum Alltag gehören, auch ohne Aktivität im Windhundsport.
Windhunde sind per se sportliche Hunde mit einem sportlichen Körperbau, schlank und mit schön trockener Muskulatur. Man sollte ihnen die Fitness ansehen.

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Bluni, 2 Jahre

Dabei ist Muskulatur natürlich nicht alles. Wie stark ein Hund bemuskelt ist, hängt sehr von seiner Veranlagung ab. Die rassespezifischen Unterschiede sind zum Teil enorm und auch innerhalb der Rassen kann die Veranlagung sehr unterschiedlich sein.
Ein optisch fitter Hund ist außerdem nicht zwangsweise tatsächlich fit für den Coursingsport. Man kann einen wunderbar für Rennen auftrainierten Hund vor sich haben – kräftig und trocken bemuskelt, jeder Muskel und jede Sehne fein definiert, perfekt auf das vorbereitet, was ihn auf der Bahn erwartet – was trotzdem nicht heißt, dass er genauso fit fürs Coursing wäre. Eigentlich ist das sogar eher nicht der Fall.

Lässt man das außen vor, bleibt dennoch im Kern:
Dick sein ist ungesund und beim Windhund fängt Übergewicht schon dort an, wo andere Rassen an der Grenze zum Untergewicht stehen.
Eine schlecht aufgebaute Muskulatur ist ebenfalls ungesund, besonders für Hunde, die dann doch meist ordentlich Gas geben, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Das muss nicht einmal im sportlichen Kontext sein, auch nach „zu langem“ Spiel mit anderen Hunden oder nach unerwünschten Hetzjagden im Gelände kommt es bei untrainierten Windhunden leichter zu schwereren Verletzungen und zur besonders gefährlichen Form der Greyhoundsperre.
Also: Dick sein und über wenig Muskulatur zu verfügen – ungesund ^2.

Auch wenn bereits Schäden bestehen, kann eine gezielt aufgebaute Muskulatur helfen, den Hund im Alltag überhaupt möglichst schmerzfrei zu halten.
Aus diesem Grund ist es ebenfalls wichtig, ältere Hunde weiterhin individuell zu fordern und sie nicht nach Ablauf ihrer aktiven Zeit im Sport auf das Sofa zu verbannen. Mit 6-8 Jahren haben die meisten Hunde noch ihr halbes Leben vor sich, da will ein ehemaliger Leistungssportler sicher nicht nur herumsitzen.
Man sollte sich rechtzeitig Gedanken darüber machen, was eigentlich bedeutet, dass man schon von Welpe an auch Alternativen kennenlernt.

Natürlich gibt es Phasen, in denen die Hunde nicht so fit sind, z.B. in der Nachhitze (ich nenne Enya manchmal „Germknöderl“, weil sie aufgeht wie Germteig ❤ ), nach Verletzungspausen, nach Krankheit oder Verletzungspausen beim Menschen. Aber das ist ja nicht der Alltag.

Enya mit 6,5 Jahren, fit trotz 2 Wochen Leinenzwang

Besonders Mühe muss man sich bei kastrierten Hunden geben.
Kastrierte Rüden sind in aller Regel schwerer fit zu halten, ihnen fehlt Testosteron zum Muskelaufbau und der Stoffwechsel läuft auf „Seniormodus“, auch das Bindegewebe ist schwächer. Sie sind daher bedeutend anfälliger für Verletzungen an den Muskeln und Bändern und auch für Gelenkserkrankungen.
Ähnlich sieht das leider bei kastrierten Hündinnen aus. Schilddrüsenfehlfunktionen bei Kastraten sind ebenfalls ein Thema, das man bedenken sollte.
Sporthunde zu kastrieren, ist also keine gute Idee – so wie mittlerweile immer klarer wird, dass Kastrationen beim Hund generell nur mehr unter strenger medizinischer Indikation vorgenommen werden sollten.

So, und nun zur Ideensammlung für Coursinghunde – nur bedingt geeignet für gezieltes Renntraining, das ganz andere Schwerpunkte setzt.

1. Der simple Freilauf.
Ja, so simpel ist das beim Windhund manchmal gar nicht 😉
Dennoch, Freilauf ist für jeden Hund das Um und Auf. Für Sporthunde besonders, denn sie schaffen durch die freie Bewegung einen Ausgleich zu „erzwungenen“ Bewegungsabläufen im Sport. Erzwungen deshalb, weil sich der Hund nicht aussucht, wo er sich wie zu bewegen hat.
Außerdem kann nur in der freien Bewegung das geübt werden, was man als Coursinghund so dringend braucht: Körperbeherrschung und Trittsicherheit, auch bei hohen Geschwindigkeiten.
Freilauf von Welpe an, und das in möglichst unterschiedlichen Geländen, ist die Grundvoraussetzung, wenn man seinen Hund ohne Schäden durch die Coursingkarriere bringen will. Nichts kann schädlicher sein, als sie in Watte zu packen und ihnen die Möglichkeit zu nehmen, ihren Körper kennenzulernen, zu kräftigen und auch ihre Grenzen zu erleben.

Oberstes Ziel in meinem Alltag ist immer der möglichst sichere Freilauf im Gelände, im äußersten Notfall auf einem eingezäunten Gelände.
Wenn man sicheren Freilauf nicht vor der Haustüre gewähren kann, dann muss man sich ein passendes Gelände suchen. Und wenn der Hund auch ohne Reiz einfach losprescht und die Gegend unsicher macht, dann gäbe es sinnvolle Trainingsmaßnahmen, denn das hat meist wenig mit Jagdverhalten zu tun.
Und wenn echt gar nix geht, dann greift man zur Schleppleine, Länge so etwa 50m, und hat dann wenigstens etwas Bewegungsspielraum für den Hund geschaffen.
Ja, 40-50m kann man mit der richtigen Technik auch beim Windhund nutzen, ohne sich sämtliche Knochen zu brechen. Viele Jahre quälte ich mich bei den Spaniern schon mit Schleppleinen in dieser Größenordnung und sie ist einfach ein sehr wichtiges Hilfsmittel im Alltag mit jagenden Hunden, aber das führt hier zu weit. Nur so viel: Es geht, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit etwas Hirn.

Wir sind es unseren Hunden eigentlich schuldig, beim Thema Freilauf ein bisschen Zeit und Mühe zu investieren.
Sie haben es sich nicht ausgesucht, bei uns zu sein, wir wollten einen hochspezialisierten Hetzjäger – dann muss man so fair sein, und im Alltag vielleicht etwas mehr Arbeit auf sich nehmen 😉 Erst recht, wenn man Sport mit ihnen betreiben will.

2. Das Spiel mit Ball, Frisbee & Co.
Hat man seinen Hund von Welpe an, ist es einfach, ihn auf ein Spielzeug zu konditionieren und es ist auch einfach, ihn zum Bringen und Abgeben zu animieren. Welpen bieten das von sich aus an, man muss dieses Verhalten nur fördern.
Ballschleudern helfen beim Weitwurf, Frisbees kann man mit der richtigen Technik auch recht weit werfen 😉

Findet der Hund solche Spielzeuge doof, gäbe es auch noch welche mit Fellbezug. An die gehen dann meist sogar Hunde, die ohne entsprechende Spielerfahrungen mit Menschen aufgewachsen sind.
Klick mich für Beispiele
Überhaupt gibt es eine Unmenge an Spielmöglichkeiten, keine Möglichkeit ist zu abwegig, solange sie Spaß macht 😀

3. Das Rufspiel.
Der Klassiker, vielfältig einsetzbar: 2 Menschen stellen sich x Meter voneinander entfernt auf und rufen den Hund zwischen sich hin und her. Eine Belohnung spornt den Hund zusätzlich an, sei es Futter oder ein Spielzeug.
(Für die Hardcore-Windhundsportler: Auch „das Hasi“ ist ein Spielzeug, ein Lockmittel, notfalls nimmt man das.)
Beliebig erweiterbar, bezogen auf Distanz und rufende Menschen und funktioniert auch mit mehreren Hunden – einer ruft alle, jeder ruft nur einen bestimmten Hund, nur einer darf laufen und der Rest wartet usw. – und bergauf, für ein bisschen Kondition extra 😉
Nebenbei kann man den Start aus der Hand üben.

4. Die Hetzangel und Reizangel.
Im Grunde kann man die selben Lockmittel verwenden, die man beim Coursing verwendet – Plastikbänder. Man kann aber auch alles andere verwenden, das den Hund zur Bewegung animiert.
Stock, Schnur, Köder und ab auf die Wiese. Reitgerten/Longiergerten bzw. Peitschen und robuste Angeln eignen sich ebenfalls. Ich empfehle längere Angeln, damit der Radius nicht zu eng wird, was den Körper des Hundes unnötiger Belastung aussetzen würde.

Wer mit seinem Hund mehr tun möchte, als ihn nur zu bewegen, der kann an dieser Angel auch verschiedenste Übungen ausführen. Heute geht es aber nur um Bewegung, daher noch der Tipp: Den Hund nicht direkt an die Angel ansetzen, sondern eine Sprintstrecke einbauen und den Hund x Meter entfernt von der Angel freigeben., z.B. auch hier wieder einen kleinen Hügel hoch (das Spiel mit der Angel aber bitte nur auf ebenem Grund). Diese Variante eignet sich auch für Hunde, die sich beim Coursing noch ungern vom Halter lösen und entfernen. Das kann auch bei zu jungen Hunden oder unsicheren Hunden der Fall sein, da würde ich allerdings eher raten, den Hunden einfach mehr Zeit zu geben – dem Junghund die Zeit, um richtig erwachsen zu werden und dem unsicheren Hund die Möglichkeit, aktiv mit Unterstützung des Halters im Alltag an Sicherheit zu gewinnen.

5. Das „Sprintseil“.
Keine Ahnung, ob dieses Seil einen speziellen Namen hat, aber wir nennen es Sprintseil 😉
Im Grunde ein elastisches Seil von 50m, das man auf 150m ausziehen kann und damit den Hund ohne großen eigenen Einsatz sehr effektiv trainieren kann. Denn die meisten Hunde legen es sich selbst wieder aus!
Gibt es z.B. hier und hat sich vielfach bewährt, von Verletzungen habe ich noch nicht gehört. Edit: Da sich der Link offenbar gelegentlich ändert, hier der Name des Produkts: 2-TECH Jagdhunde / Hetzhund Trainingssystem Set 50 Meter Länge
Eignet sich ebenfalls zum Üben von Handstarts. Vorsicht, hat Suchtpotential!

6. Privates Training mit Hasenzugmaschinen.
Besonders ambitionierte Windhundsportler finden heute mit ein paar Klicks diverse Angebote für elektrische Hasenzugmaschinen, hergestellt in Deutschland, UK, Irland, den USA, Kanada oder gar Australien. Ein paar Hundert Euronen muss man dafür schon auf den Tisch legen, wer ein bisschen geschickt ist, kann sich solche Maschinen aber auch ganz leicht und günstig selbst basteln. Auch hier finden sich zahlreiche Tutorials. DIY-Videos sind ja in 😉
Ich persönlich habe bei diesen Maschinen immer ein bisschen Bauchweh. Man darf nämlich nicht dem Irrglauben verfallen, dass man damit wettbewerbstauglich Coursings über mehrere Umlenkrollen und vielleicht noch in hohem und/oder nassem Gras ziehen könnte. Zusätzlich sollte man sich gut informieren, was man bei der Pracourslegung lieber tunlichst vermeidet, um keine Verletzungen bei den Hunden zu provozieren. Auch sollte man zu Beginn einige Probezüge ohne Hund machen und die Maschine besser kennenlernen.
Aus Sicherheitsgründen würde ich empfehlen, wirklich nur Geraden oder maximal ein L zu ziehen – das gilt ganz besonders für die schnellen Rassen! Aber wir sind in puncto Sicherheit wohl auch ganz speziell empfindlich…

 

7. Radfahren, Reiten & schnelles Gehen.
Auf das Training am Rad kommen die meisten noch selbst, und zum Ausreiten benötigt man zwangsweise ein Pferd, sodass ich darüber gar nicht viele Worte verlieren möchte. Nur so viel: Es ist durchaus in Ordnung, einen Windhund (auch extreme Sprinter wie Whippet und Grey) regelmäßig mit Konditionstraining wie Radfahren (5km und mehr, ca. 15km/h) oder täglich mit 1-1,5h schnellem Gehen – ohne groß zu schnüffeln, alle paar Meter zu markieren oder sich sonst irgendwie aufzuhalten – zu fordern. Für Greys aus dem Profisport sind solche Trainingsspaziergänge Alltag, viele müssen normale Spaziergänge mit Zeitunglesen & Co daher erst lernen. Schneller Schritt ist unheimlich effektiv und man kann sich sicher sein, dass im Profisport nichts gemacht wird, was ineffektiv wäre.
Auf Laufbänder würde ich verzichten, die sollten wirklich für den Aufbau nach Verletzungen reserviert bleiben.
Und bitte: Verwendet beim Radfahren gut sitzende Geschirre und Leinen mit Ruckdämpfer, bitte keine Halsbänder mit Flexileinen dran! Als ich vor ein paar Jahren ein neu erschienenes Whippetbuch zur Hand nahm und dort doppelseitig Whippets am mit Borten verzierten Halsband und der Flex neben dem Rad liefen, war ich ehrlicherweise ziemlich entsetzt 😉 Kein gutes Vorbild!

8. Laufhundesport/Zughundesport.
Was immer mehr im Kommen ist, vor wenigen Jahren aber noch heftigen Widerstand bei Windhundleuten auslöste und teilweise auch noch immer auslöst: Laufhundesport bzw. Zughundesport mit Windhunden.
Was genau ist das?
Beim Laufhundesport bildet der Mensch mit seinem Hund ein Team (verbunden über eine elastische Leine) und läuft (= CaniCross), radelt (= Bikejøring) oder rollert (= Scooterjøring) hinter dem Hund her und lenkt diesen über Signale, wie „Links“, „Rechts“, „Langsam“ usw. Bekannt ist auch das Skijøring im Winter.
Die Leine ist dabei stets auf Zug, das heißt, der Hund bestimmt das Tempo. Der Mensch bremst eigentlich eher, zumindest ist das bei meinen Hunden so 😉
Ich bin mittlerweile nur mehr mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs, den Scooter habe ich schon vor 3 Jahren verkauft. Leider, weil es eigentlich echt Spaß gemacht hat und ein super Training für die Hunde und mich war, aber man benötigt dazu einfach auch die passenden Strecken – nämlich Wege und Straßen, die nicht asphaltiert sind. Heißt, man muss eventuell mit dem Roller im Auto solche Wege aufsuchen und das ging bei mir nicht. Mit dem Rad bin ich flexibler.
Was man außerdem benötigt, ist natürlich die passende Ausrüstung – maßgefertigte Zuggeschirre (ich habe rückenfreie V-Backs und keine X-Backs, was sich bei Windhunden empfiehlt), Leinen mit Ruckdämpfer, Antennen für das Bike oder einen Hüftgurt. Ist aber nicht so wahnsinnig teuer, weshalb ich das als Alternative zum Gassi an der kurzen Leine sehr empfehlen kann.
Hüftgurt, Leine mit Ruckdämpfer und das normale Geschirr (sollte vorhanden sein) reichen für Wanderungen und kosten etwa 50,- Euro. Nachteil bei den Hüftgurten: Rutschen bei Frauen gerne mal hoch, sollten aber möglichst tief getragen werden 😉
Da Laufhundesport eben schön langsam mehr in Mode kommt, gibt es das Zubehör schon in vielen Onlineshops bzw. bei diversen Herstellern. Eine Empfehlung ist die Seite http://laufhundesport.at/ , dort findet man viele nützliche Infos.

15km am Rad war für meine kein Thema, jetzt mit bald 8 Jahren fahren wir natürlich ein reduzierteres Programm. Aber mit 6 sind sie durchaus die 9km in etwas über 20 Minuten gefahren, auf gebremstem Zug und exklusive Pausen. Spitzengeschwindigkeiten über 40km/h, wobei mir mehr zu riskant war, so eben sind die Feldwege nicht und Hasen gibts ja doch ein paar hier in der Gegend.
Auch Whippets sind nur Hunde und können mit entsprechendem Training selbstverständlich auch mehr als nur 2-3km laufen (siehe Punkt 7), denn selbst wenn ihnen als extremen Kurzstreckensprintern ein hoher Anteil an sehr schnellen Fasern in der Muskulatur angeboren ist, erfolgt der Umbau in ausdauernde oder intermediäre Fasern recht einfach und zügig (zum Thema Muskelfasertypen folgt sicher endlich mal ein eigener Artikel).
Zugarbeit ist wirklich super für die Hunde, baut eben schön Muskulatur auf und fördert die Ausdauer.
Es ist streng genommen eigentlich auch nicht wirklich neu für Windhundleute, habe ich doch schon von mehreren Seiten gehört, dass man mit den Hunden gezielt wildreiches Gebiet aufsucht und sie dort so richtig ziehen lässt. Bevorzugt zur Dämmerungszeit, wenn das Wild sich zeigt… Is natürlich auch ne Möglichkeit, bei der hiesigen Wilddichte ergibt sich das meist von selbst. Zur Prävention von Schultergelenksentzündungen empfiehlt sich aber durchaus wieder der Bauchgurt aus dem Laufhundesport und für den Hund das gut sitzende Brustgeschirr, was soll man sich auch unnötig mit bestickten Halsbändern (Jaa, mit Troddeln!) und handgenähten Lederleinen herumplagen 😉
Dieser Sport ist aber nichts für Leute, denen nur Sekunden auf der Bahn wichtig sind, denn Hunde für die Bahn trainiert man nicht auf diese Distanzen. Das ist quasi Kraftsport vs. Ausdauersport – Höchstleistungen in beiden Bereichen kann der Körper nicht bringen. Wohl ist es aber für Coursinghunde sehr von Vorteil, über längere Distanzen hohe Leistungen erbringen zu können und nicht, wie leider häufiger zu beobachten, nach der Hälfte der Strecke massive Leistungseinbrüche zu zeigen. Das erhöht übrigens auch die Verletzungsgefahr, wie bei jedem müden Sportler kann eine falsche Bewegung schon unangenehme Folgen haben.
Und dass Ausdauersport sehr gesund ist, weiß man ja auch. Das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, das Hormonsystem, Lunge, Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen usw. – der ganze Körper profitiert davon. Nicht nur beim Hund, auch beim Menschen, der hier zwangsweise mittrainert wird.
Aus diesem Grund findet man die Empfehlung für Zughundesport auch auf manchen Seiten von Tierphysiotherapeuten.
Wem das alles noch zu wenig Nutzen oder zu langweilig ist, der kann draußen ja auch Geocaches suchen oder Pokémons und dabei den Hund an den Gurt hängen 😉

9. Das Longieren.
Die Longierarbeit mit Pferden kennen die meisten Menschen, aber auch mit Hunden ist Longieren – in abgewandelter Form – möglich. Hunde laufen beim Longieren ohne Leine außen um einen abgesteckten Kreis herum und werden vom Hundeführer über Körpersprache oder verbale Signale gelenkt. Prinzipiell kann man mit allen Hunden longieren, aber sehr lauffreudige Hunde haben natürlich besonders Spaß. Neben dem gezielten Aufbau der Muskulatur (hier sei auch der Einbau von Cavaletti und Geräten erwähnt) ist ein weiterer Pluspunkt, dass der Hund lernt, auch auf Distanz auf den Halter zu achten und Signale umzusetzen. Das ist für den Freilauf oder das Training an der Schleppleine ganz praktisch.
Also auch, wenn es für manche gewöhnungsbedürftig erscheint – ausprobieren schadet definitiv nicht.
Und da ich von Windhundleuten schon ernsthaft gehört habe, dass dieses „Im-Kreis-Laufen“ ungesund sei, möchte ich hier kurz fragen: Wie war das nochmal mit den Bahnrennen im Oval?

10. Schwimmen.
Ebenfalls ein Klassiker. Hat man das Glück, einen wasserverrückten Windhund zu halten, sollte man das nach Möglichkeit ausnutzen.

 

11. Gezielter Muskelaufbau durch (physiotherapeutische) Übungen, Bewegungstraining, Übungen für mehr Körperbewusstsein.
Was für Profisportler und auch Hobbysportler ganz selbstverständlich dazugehört, war für Hunde (außerhalb des kommerziellen Rennsports) lange Zeit eher die Ausnahme: Die Betreuung durch einen Physiotherapeuten oder Bewegungstrainer.

Der regelmäßige Check-up durch einen Chiropraktiker oder Osteopathen sollte für jeden Coursinghund Pflicht sein und besonders nach Überschlägen oder Zusammenstößen, die bei Bewerben nicht so selten sind, muss ein Spezialist ran.
Auch wenn der Hund nicht unmittelbar eine Verletzung anzeigt, können sich Kleinigkeiten bei weiterer Belastung zu gröberen Problemen auswachsen oder Verletzungen durch Fehlbelastung (Schonhaltung) entstehen.
Aber selbst ohne Zwischenfall lohnt sich die Behandlung, wie jeder Mensch am eigenen Körper fühlen kann, wenn er sich selbst sowas gönnt.
1-2x im Jahr gibt es für meine eine präventive chiropraktische Behandlung, eine Einheit kostet zwischen 40€ und 70€.
In Österreich sind solche Spezialisten immer Tierärzte mit Zusatzausbildung, Menschen ohne veterinärmedizinisches Studium dürfen nicht „therapieren“. Diese Tierärzte sind nicht überall leicht zu finden, ich fahre z.B. bis zu 100km einfache Strecke.
Enzo hat dagegen eine Physiotherapeutin, die ihn Zuhause besucht 😉

„Normalen“ Tierärzten fehlt diesbezüglich leider einfach wichtiges Wissen, sie müssen tausende verschiedene Krankheitsbilder bei hunderten Rassen und zig verschiedenen Tierarten im Kopf haben, für sie ist eine Blockade im Iliosakralgelenk nicht unbedingt etwas, das sie erkennen und behandeln können/wollen. Von einem Lungenfacharzt würden wir auch nicht erwarten, dass er eine einwandfreie Diagnose an einem schmerzenden Knie stellt und es auch noch passend behandelt.

Bewegungstrainer für Hunde oder auch Leute mit einer deutschen Tierphysiotherapie-Ausbildung, die hierzulande andere Berufsbezeichnungen wählen müssen, können ebenfalls einen wichtigen Teil dazu beitragen, den Hund optimal auf das Coursing vorzubereiten.
Haben Hunde körperliche Schwachstellen (und jeder Hund hat irgendwo eine), können gezielte Übungen helfen, diese zu stärken. Belastet der ausgeübte Sport bestimmte Regionen besonders (und das ist bei jeder Sportart der Fall), kann gezieltes Bewegungstraining einen Ausgleich schaffen.
Nicht zuletzt wird das Körperbewusstsein durch solche Übungen gestärkt, sie fördern außerdem Koordination und Geschicklichkeit.
Wenn auch wir sensibler werden und auf das Gangbild achten, auf die Art, wie die Hunde sich im Freilauf bewegen, welche Bewegungen sie gerne oder plötzlich nicht mehr gerne ausführen, schützt das die Gesundheit der Hunde.
Deshalb kann ich eine Stunde bei einem Bewegungstrainer o.ä. oder den Besuch von Seminaren zum Thema sehr empfehlen. Manche Hundeschulen bieten mittlerweile Bewegungstraining als wöchentliche Kurse an.

Gratuliere, bis zum Ende durchgehalten 😉
Das wäre fast alles, was mir einfällt. Sicher gibt es noch jede Menge anderer Möglichkeiten, den Hund fit für das Coursing und den Alltag zu halten, aber am wichtigsten ist für mich, wie eingangs erwähnt, der Freilauf.
Einen sportlichen Hund wie einen Windhund sollte man sich nur zulegen, wenn man auch gewillt ist, mit ihm Sport zu treiben. Sicher sind Windhunde angenehme Hausgenossen, aber sie sind auch seit Jahrhunderten, eigentlich schon seit Jahrtausenden auf körperliche Höchstleistungen selektiert worden, wie zahlreiche andere Jagdhundtypen auch. Und auch wenn wir sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr ausschließlich zu Jagdzwecken halten und züchten und die Showhundezucht gewisse Tribute fordert, grundsätzlich sind es Hunde, die Leistung erbringen wollen.
Sie können in den unterschiedlichsten Sportarten brillieren, weil sie so flexibel sind und schnell Konzepte verstehen. Besonders mögen sie Sportarten und Beschäftigungen, bei denen sie laufen können, aber der Kopf darf nie zu kurz kommen.
Ihre Flexibilität und die rasche Auffassungsgabe sollte man nutzen, um sie körperlich und geistig bis ins Alter fit zu halten, abseits der Bahn oder des Coursingfeldes.
Neben dem Training sollte man nicht vergessen, für ausreichend Ruhezeiten zu sorgen und den Hund im Bewerb nicht zu überfordern.
Fit ist ein Coursinghund für mich dann, wenn er beide Läufe ohne sichtbare konditionelle Einbußen absolviert und wenn er danach noch immer lustig und eifrig ist. Er sollte den Eindruck erwecken, dass er problemlos noch einen dritten Lauf schaffen würde.
Wenn ein Hund nach einem Coursing 2 Tage „faul“ herumliegt und sich nicht wie üblich auf Spaziergänge freut oder generell unmotiviert wirkt, dann ist das nicht ideal!
Coursing ist nicht dazu da, den Hund so auszupowern, dass er tagelang schwächelt. Das ist Überforderung und auf Dauer ziemlich ungesund, egal ob Training oder Bewerb.
Und noch einmal möchte ich zum Abschluss betonen: Fitness und Leistung kommen auch aus dem Kopf.
Ich als Halter habe die Verantwortung, nur einen körperlich fitten und mental ausgeglichenen, stabilen Hund den Belastungen eines so anspruchsvollen Sports auszusetzen.
Damit alle am Ende das Gefühl haben: Coursing ist großartig!

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