Wie funktioniert eigentlich…? Lure Coursing in den USA

Heute dachte ich mir, ich schreibe mal wieder etwas für alle meine Coursingfreunde und ein bisschen auch ganz speziell für meine Basenji- und Ridgebackfreunde, denn das ist längst überfällig 😉

Wenn man sich für Hundesport interessiert, ist es ja immer gut, ein wenig über den Tellerrand zu blicken und Neues kennenzulernen, sich umzuschauen im eigenen Land und in anderen Ländern, vielleicht sogar auf anderen Kontinenten. Nicht immer kann man das persönlich tun, aber dank Internet und den verschiedenen sozialen Medien ist Kontakt leicht hergestellt und viele Enthusiasten teilen auch gerne öffentlich ihr Wissen und ihre Informationen.
Coursing, oder eigentlich Lure Coursing, läuft in den USA unter dem AKC etwas anders ab als bei uns, innerhalb der FCI. Was ich im folgenden Text schreibe, bezieht sich auch nur auf Coursings unter dem AKC, dem American Kennel Club. Das Reglement findet man hier: Regulations for Lure Coursing Tests and Trials & Coursing Ability Tests

Das Wörtchen „lure“ ist diesbezüglich sehr wichtig, als Abgrenzung zur Jagd mit Hetzhunden auf lebende Beute. In Teilen der USA gibt es sog. Open Field Coursings, bei denen tatsächlich noch Jackrabbits und ähnliche Hasenartige gejagt werden und die Hunde von Richtern bewertet werden.
Lure bedeutet allerdings Lockmittel, Köder, Reiz und aus der Jägersprache Luder, ein Lockmittel speziell für Raubtiere. Es ist also eine künstliche bzw. tote Beute.

In den USA werden sehr gerne einfache, weiße Plastikbeutel verwendet, und zwar 3 Beutel hintereinander an die Schnur geknüpft. Das liegt daran, dass in den USA im Regelfall auch 3 Hunde laufen!
Diese tragen die Farben Gelb, Pink/Rosa und Blau, während die Farben bei FCI-Coursings Rot und Weiß sowie ggf. Blau sind.
Auch ist das Tragen von Maulkörben nicht obligatorisch, die Hunde dürfen ohne Maulkorb laufen, die Entscheidung liegt beim Besitzer. Das FCI-Reglement schreibt Maulkörbe für alle Rassen vor, außer für Windspiele.

Bei uns sind Paarläufe üblich, Dreierläufe kommen selten vor. Ich kenne sie aus Tschechien, dort liefen gelegentlich 3 Hunde und wurden getrennt bewertet. Auch gibt es sog. Pack Coursings („Rudelcoursings“) in Skandinavien, bei denen allerdings alle 3 Hunde gemeinsam bewertet werden und bei denen das optimale Zusammenspiel der Hunde eine wichtige Rolle spielt. Daher laufen bei diesen Pack Coursings eigentlich nur Hunde zusammen, die in etwa gleiche Leistungen zeigen können.

Anmerkung: Der erste Lauf hier ist kein Dreierlauf, einfach überspringen.

Aber zurück zu den Lure Coursings in den USA 🙂
Die verwendete Technik kann sich von dem, was in Europa üblich ist, natürlich unterscheiden. Oft werden sog. Endlosanlagen (continuous loop) verwendet, die allerdings nicht überkopf über Steher, sondern am Boden laufen.

Endless Overheadanlagen benutzen bspw. die Schweizer (hier Enzo unter Weiß beim Frühjahrscoursing in Lotzwil 2016):

Hier eine bodenlaufende Endlosanlage aus den USA (continuous loop):

Für uns sieht das manchmal schrecklich aus, ist doch ein Tritt auf die Schnur während des Laufs eigentlich unbedingt zu vermeiden. Böse Verletzungen entstehen immer wieder durch solche Zwischenfälle. Die Meinungen gehen aber auseinander, manche (die, die diese Systeme verwenden 😉 ) behaupten, dass sich die Hunde daran gewöhnen, auch auf die Schnur zu achten und treten daher bei den bodenläufigen Endlosanlagen nicht auf die Schnur. Andere sprechen sich durchaus für die bei uns gebräuchlichen Anlagen aus, bei denen die Schnur eingeholt und aufgespult wird (drag lure machine), aufgrund der reduzierten Verletzungsgefahr.
Ebenso soll es keine gehäuften Unfälle durch Dreierläufe geben. Ich denke, die Art zu ziehen und die Parcoursgestaltung spielt hier eine maßgebliche Rolle.
Die Parcours sehen bei Endlosanlagen entsprechend anders aus als bei uns, manchmal recht künstlerisch gestaltet 😉 Leider finde ich gerade die tolle Seite nicht mehr, auf der man sich durch verschiedene Vorschläge für die Parcoursgestaltung mit Endlosanlagen klicken konnte…
Hier aber mal eine Idee mit Erklärungen: klick

Wer darf denn nun laufen?

Prinzipiell ist Lure Coursing in den USA sehr beliebt und wird von allen lauffreudigen Hunden ausgeübt, oft in Parks udgl., einfach als netter Spaß für Hund und Familie.
An Tests und Trials nehmen aber nur die Rassen teil, die in den USA unter Sighthounds – oft mit Windhunden übersetzt – fallen.
Dass diese Übersetzung so nicht richtig ist, wird ganz schnell klar, wenn man sich anschaut, welche Rassen der AKC als Sighthounds (sight = Sicht, hound = Jagdhund, der selbstständig jagt) führt 😉

Sighthounds are a special group of hounds that are bred to hunt by sight. The sighthound breeds are: Whippets, Basenjis, Greyhounds, Italian Greyhounds, Afghan Hounds, Borzois, Ibizan Hounds, Pharaoh Hounds, Irish Wolfhounds, Scottish Deerhounds, Salukis and Rhodesian Ridgebacks.
http://www.akc.org/events/lure-coursing/getting-started/

Übersetzt: Sighthounds sind eine spezielle Gruppe von Jagdhunden, die dazu gezüchtet wurden, auf Sicht zu jagen. Die Sighthound-Rassen sind: Whippet, Basenji, Greyhound, Italienisches Windspiel, Afghane, Barsoi, Podenco Ibicenco, Pharaoh Hound, Irischer Wolfshund, Schottischer Deerhound (btw., Hirschhund), Salukis und Rhodesian Ridgebacks.

Na hoppala. Die Ridgebacks und die Basenjis?


Ja, die stehen unseren Windhundrassen in puncto Jagd auf Sicht und Leistung beim Lure Coursing oder auf der Bahn in nichts nach.
Besonders die Basenjis zeigen das nun endlich auch in sehr vielen europäischen Ländern, aber leider noch nicht in allen. Ein paar wenige Länder fehlen, aber ich bin mir sicher, das wird. Diese Rassen bei uns auszuschließen, wäre auf lange Sicht nämlich einfach nur unklug.
Wer sich jetzt wundert, dass hier einige Windhundrassen fehlen, die bei uns laufen: Nicht alle FCI-anerkannten Windhundrassen sind auch AKC-anerkannt. Der Sloughi wurde bspw. erst mit 2016 vom AKC aufgenommen und als Rasse anerkannt.
Nicht alles, was bei uns selbstverständlich scheint, muss anderswo auch so gelten. Tellerrand und so…

Weiters dürfen an Bewerben teilnehmen: Cirneco dell’Etna, Podengo Portuguese Pequeno, Medio & Grande, Azawakh, Norrbottenspitz, Thai Ridgeback, Sloughi, Peruanischer Nackthund

Für alle anderen Rassen gibt es neuerdings die Möglichkeit, den Coursing Ability Test (CAT) abzulegen, der dem Hund Jagdlust und eine gewisse Leistungsfähigkeit zuspricht. Das soll in gewisser Weise Gesundheit beweisen. Die Hunde laufen dabei solo.

Was gibt’s so an Events und Titeln?

Viel. Wie bei uns, eine schier unüberschaubare Anzahl an Veranstaltungen, Titelchen & Co 😉
Aber grob unterscheidet man:

A LURE COURSING TEST is a non-competitive event at which instinct tests and qualifying tests are run for eligible sighthound breeds. Tests are pass/fail events.
A LURE COURSING TRIAL is a competitive event at which Open, Special and Veteran stakes are offered for eligible sighthound breeds. Championship points toward titles are earned by dogs competing in trials.

Zu Beginn macht man den JUNIOR COURSER, das heißt, ein Hund läuft frühestens im Alter von 12 Monaten einen Parcours von mind. 600 yards/550m und mit mind. 4 Umlenkrollen, und das alleine. Er muss den Parcours mit sichtbarem Eifer laufen und darf nicht abbrechen. Das macht er 2x unter 2 verschiedenen Richtern und kann damit dann den QUALIFIED COURSER in Angriff nehmen, bei dem er mit einem passenden Begleithund läuft. Danach darf der Hund an Trials/Bewerben teilnehmen, und wie das dann abläuft, kann man sich in diesem Video ansehen:

Oder hier nachlesen: klick

Die Bewertungskriterien sind weitgehend gleich, außer in einem Punkt: Der Hund soll dem Lockmittel möglichst eng folgen, wie man in dem Video auch hört. Hier nennen das manche „hasentreu“ laufen und das ist nicht von allen Richtern gern gesehen.

Das war es dann auch schon wieder mit dem kurzen Überblick, der natürlich nur oberflächlich war, aber hoffentlich einige der großen Unterschiede aufzeigen konnte. Auch im Rennsport gibt es übrigens große Unterschiede zu Europa, die eigentlich sehr spannend wären und vielleicht bei anderer Gelegenheit Thema hier sind…

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