Nein zum Nein

Vor einigen Jahren hat Christiane eine kleine Geschichte gepostet, die mich damals schon sehr berührt hat und es auch heute noch tut.
Ganz aktuell musste ich beim Betrachten von Trainingsvideos daran denken und möchte sie gerne mit euch teilen. Vielleicht findet sie bei dem ein oder anderen Menschen Anklang.

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Highlife am Hundeplatz

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob ich zu der Zeit selbst noch Agility gemacht habe (2009 bis 2011) oder damit schon aufgehört hatte, aber Fakt ist: Es gab und gibt in jedem Hundesport Leute (Hundeführer oder Hundetrainer), die von hundegerechtem, partnerschaftlichem Training echt mal so überhaupt gar keine Ahnung haben und von den Hunden Leistungen verlangen, denen sie mental und körperlich nicht gewachsen sind oder sein können. Besonders unschön wird es, wenn die Menschen rundherum den Hund nicht lesen können oder wollen und Unwohlsein, Stress, Übersprungshandlungen und Beschwichtigungssignale übersehen. Und das ist, ganz abseits von tierschutzrelevanten Trainingsmethoden, auch eine gewisse Form von Quälerei.

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Ohne richtige Hilfe ganz schön unübersichtlich.

Agility, Breitensport, Discdogging, Obedience & Co sind Teamsportarten, dabei geht es um die Freude an der gemeinsamen Bewegung, um Kommunikation, darum, als Team etwas positiv zu meistern. Gilt übrigens auch für den Windhundsport, da läuft der Mensch zwar nicht mit dem Hund, aber im Idealfall ist der Mensch hier Coach und Trainingspartner für den Athleten Hund, der ihn in jeder Hinsicht Zuhause und am Feld/auf der Bahn optimal auf seinen Lauf vorbereitet.
Wenn der Hund dabei etwas nicht so macht, wie der Mensch es sich vorstellt, dann liegt die Schuld mit ziemlicher Sicherheit beim Menschen und nicht beim Hund. Denn ein sauber trainierter Hund, dem seine Aufgaben kleinschrittig beigebracht werden, mit dem klar kommuniziert wird und der Spaß an der Sache hat, der wird so schnell keine Fehler machen 😉

Etwas mehr Fairness gegenüber dem Partner Hund, das würde ich mir im Hundesport wünschen. Und den Hund mit einem unwirschen „Nein!“ oder grober Körpersprache (oder Schlimmerem) für etwas zurechtzuweisen, das er in unseren Augen falsch gemacht hat, das in Wahrheit aber uns anzulasten ist – das ist unfair.

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Blick zurück – alles richtig so?

Stell Dir vor…

Du bist noch einmal in der Schule. Es geht Dir gut, Du bist gut drauf. Du triffst immer nette Leute in Deiner Klasse, lernst immer neue Sachen, es ist nicht langweilig, Du hast Spass daran, in die Schule zu gehen.
Dein Lehrer ist ganz toll, er erklärt immer sehr gut und lobt Dich, wenn Du alles richtig hast. Du magst Deinen Lehrer.

Heute schreibt Ihr ein Diktat. Kein Problem, Du hast ja immer gut gelernt, Du bist Dir sicher, dass Du gut abschneiden wirst.
Dein Lehrer diktiert: „Im Frühjahr erstrahlen die Felder und Wiesen in sattem Braun“. Braun? Du bist etwas irritiert. Das ist doch nicht richtig? Meint er das wirklich so? Aber ja, er meint ja immer, was er sagt. Sicher soll das nur ein Test sein. Du schreibst also ganz folgsam und artig den Satz genau so, wie er diktiert wurde.

Zufällig steht Dein Lehrer gerade hinter Dir und sein Blick fällt auf Dein Heft. Plötzlich verfinstert sich seine Miene, und er fängt an zu schimpfen: „Nein!“, „Das hab ich Dir doch gar nicht diktiert, was ist das denn für ein Blödsinn!“, „Jedes kleine Kind weiss doch, dass im Frühling die Wiesen grün und nicht braun werden!“.

Wie fühlst Du Dich jetzt?
Irritiert? Verwirrt? Verletzt? Beleidigt? Verunsichert?
Was denkst Du von Deinem Lehrer? Kannst Du ihm noch vertrauen? Was wirst Du tun, wenn er wieder etwas diktiert, das Du nicht für richtig hältst? Wie wird der Rest des Diktats verlaufen? Gehst Du jetzt noch gern in seinen Unterricht? Dabei hat er sich doch nur einmal geirrt.
Aber vielleicht hat er sich ja nicht nur einmal geirrt, sondern es passiert im ständig und es hat nur noch niemand bemerkt. Bringt es etwas, bei jemandem zu lernen, der sich ständig irrt? Bei dem man nicht sicher sein kann, ob er wirklich das will, was er sagt?
Macht es Dir noch Spass, auf diese Schule zu gehen?

Stell Dir vor…

Dein Hund und Du, Ihr geht auf den Hundeplatz und macht Agility. Es geht drei Sprünge geradeaus. Ganz aus Versehen zeigt Dein Körper aber stattdessen auf den Tunnel, der rechts von Euch liegt. Dein Hund biegt nach rechts ab und taucht in den Tunnel rein. Und Du sagst:
„Nein!“

Mit freundlicher Genehmigung von www.flitzepfoten.de

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Immer freudig mit vollem Einsatz dabei 🙂

Fotos aus April 2011

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