Das Zehengelenk eines Hundes

Fundstück aus dem WWW – leider ohne Quellenangabe, ich vermute „Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis“ von König/Liebich
Auf die Gefahr hin, dass einige angewidert sind, hier eine Hundezehe im Sagittalschnitt, also von vorne nach hinten durch.
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Da Windhunde ein bisschen zu Zehenverletzungen neigen, lohnt es sich, mal einen Blick darauf zu werfen.
Ich selbst bin natürlich studienbedingt nicht kompletter Laie und „durfte“ auch Schnitte anfertigen und Sektionen durchführen, trotzdem muss ich mich auch immer orientieren und überlegen, was ist da jetzt was und welche Strukturen könnte man da erkennen 😉 Mir hilft dabei das bekannte „Care of the Racing & Retired Greyhound“ und auch der „Atlas der Anatomie des Hundes“ von Budras/Fricke/Richter. Den gibts zum Teil auch online einsehbar, denn er hat schon seinen Preis – lohnt sich aber eigentlich für interessierte Hundehalter und Züchter.
Klick mich für Google Books.
Im Kapitel 8 findet man einige Seiten zu den Hintergliedmaßen, die vorderen Extremitäten sind nicht online einsehbar.
Günstiger, aber auch ganz aufschlussreich, ist „der Loeffler“, Standardwerk zur Einführung in „Anatomie und Physiologie der Haustiere“ von Loeffler/Gäbel. Ist natürlich ein bisschen nutztierlastig.

Also, was ist jetzt was, grob zusammengefasst:
Aa. kennzeichnet immer Arterien, in diesem Fall die vorderen und die hinteren kleinen Arterien des Zehs (dorsal ist die an der Oberseite der Hand, palmar die an der „Handfläche“, also an der Ballenseite).
Phalanx proximalis, media und distalis sind die Zehenknochen (körpernaher, mittlerer und körperferner Zehenknochen).
M. (Musculus) flexor digitorum profundus ist einer der Zehenbeugemuskeln, der die tiefe Beugesehne mitbildet. Er setzt am letzten Zehengelenk an und sorgt damit auch für solche Bilder (auf die Zehen achten):

Aidan
Aidan

Der Torus digitalis ist ganz einfach der Ballen und man sieht, dass hier gut gepolstert und durchblutet ist und man sieht ein bisschen den Aufbau der Hornhaut. Wem das jetzt zu trivial ist, der kann mal den Auszug aus dieser Diss durchkauen, die Krallenbildung und der Ballen sind nämlich ganz schön interessant 😉
Das Zehenendorgan beim Hund besteht, je nach Definition, aus Ballen und Kralle plus Krallenbein. Die Kralle selbst besteht aus einer starken, verhornten Epidermis (Oberhaut) und einer kräftigen Lederhaut mit Papillarkörpern. Wer es ganz genau wissen will, hier noch ein Auszug aus der schon genannten Diss.
Bilder wirken ja immer besser als Text, daher eine Übersicht als Vergleich bei Mensch, Hund, Rind und Pferd aus „Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis“ von König/Liebich.

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Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis

Bitte ggf. mit einem Klick vergrößern.

Und hier auch noch ein Video zu den Schichten der Kralle:

Naja, einigen dürfte aufgefallen sein, dass die Kralle auf dem Schnitt dringend gekürzt hätte werden müssen, denn das, was wir als „Leben“ bezeichnen, sitzt weit hinten. Es dürfte beim Betrachten des Schnitts auch klar werden, dass zu lange Krallen natürlich Auswirkungen auf den Rest der Pfote und sogar den ganzen Bewegungsapparat haben, schließlich hängt die Kralle an einer knöchernen Struktur, an der wiederum Muskeln ansetzen. Umgekehrt hat die Kralle Auswirkungen auf bereits bestehende Verletzungen (Kapselverletzungen, Bänderverletzungen, Verrenkungen etc.), weshalb das radikale Kürzen, das Ziehen der Kralle (wächst wieder nach) oder sogar die Amputation des letzten Zehengliedes/Krallenbeins (Kralle wächst nicht wieder nach) oftmals Hilfe bei der Heilung ist. Mit ein bisschen Geschick sieht man auf dem Schnitt, wo das Knochengewebe in „das Leben“ übergeht.
Auch sieht man, wie stark durchblutet und innerviert das Gewebe ist, denn auch die Krallen geben viele wichtige Informationen über den Untergrund an das Gehirn weiter – manche Tierärzte meinen sogar, dass Hunde mit zu langen Krallen missverständliche Informationen über ebenen/unebenen Untergrund oder gar die Neigung des Bodens erhalten, was sich in der Koordinationsfähigkeit niederschlägt. Alte Hunde, die in ihren Sinnesleistungen schon Einschränkungen unterliegen und deren Bewegungsapparat schon Abnutzungserscheinungen aufweist, leiden daher besonders unter langen Krallen.
Nicht nur für Sporthunde ist es also wichtig, dass man sich um die Krallenpflege kümmert 🙂
Der ältere Beitrag zum Krallenschneiden findet sich hier: Pfotenpflege – Krallenschneiden

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