Trennungsängste

Momentan geistert ein Video von 3 Whippets durchs Netz, die während der Abwesenheit ihres Halters dessen Wohnungseinrichtung und vor allem das Bett in klitzekleine Fetzchen zerlegen. Wörtlich. Unter dem Suchbegriff „3 Cheeky Whippets“ wird man schnell fündig, wer sich das Desaster selbst anschauen will. Es spricht für den Halter, dass er angesichts dieser Verwüstung so ruhig bleibt und die Hunde auch alles andere als eingeschüchtert wirken. Fast könnte man meinen, das Video wäre gestellt 😉
Aber eins ist auch klar: Normal ist das nicht. Sollte es nicht sein. Hinter einer derartigen Leistung steckt entweder unglaubliche Langeweile, oder übermäßige Verzweiflung. Beides ist für die Hunde alles andere als lustig.

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Hier ist Stress pur abzulesen.

Gegen chronische Langeweile und Unterforderung kann man schnell und einfach etwas tun, und adoptiert man einen Welpen, sollte man durch Erziehungsmaßnahmen auch Trennungsängste verhindern können. Adoptiert man einen Hund mit Vorgeschichte, eventuell mit tief sitzenden traumatischen Erfahrungen, sollte man entsprechend mit dem Hund nacharbeiten. Ich schreibe „sollte“, weil es leider nicht so selbstverständlich ist. „Kann nicht alleine bleiben“, ist ein häufiger Abgabegrund und nachdem ich einige Galgos mit massiven Trennungsängsten in Pflege hatte, kann ich das sogar nachvollziehen. Kaum etwas ist schlimmer als ein Hund, der schon am Rad dreht und aus Verzweiflung schreit, sobald man die Toilettentür hinter sich schließt 😉
Umso wichtiger war mir bei meinen eigenen Hunden, dass das gut klappt. Einzeln und in der Gruppe.
Das Problem: Man sieht Trennungsängste nicht immer, denn längst nicht alle Hunde äußern sich in einer destruktiven Form.
Daher möchte ich gerne einen älteren FB-Beitrag wiederbeleben.

Viele Hunde haben Probleme mit der Trennung von ihrer Bezugsperson, häufig ist das jedoch nicht auf den ersten Blick ersichtlich.
Eine Doku, die mir in dieser Hinsicht die Augen geöffnet hat (und mich auch zu Tränen gerührt hat), ist diese hier: http://dogs.channel4.com/sad-dogs/40-dog-study/

Im Rahmen dieser Doku wurde durch die AG „Human-animal interactions and companion animal welfare“ der University of Bristol eine kleine Studie durchgeführt, bei der Speichelproben von 40 Hunden genommen und der Cortisolwert ermittelt wurde. Dieser sagt etwas darüber aus, wie gestresst die Hunde durch die Trennung waren, gleichzeitig wurden die Tiere während der Trennungszeit gefilmt. Die Ergebnisse waren in meinen Augen wirklich tragisch:

  • 5 Hunde kamen mit der Trennung gut zurecht.
  • 5 Hunde zeigten deutliche Zeichen von Trennungsangst (Lautäußerungen, Unsauberkeit, Zerstören der Einrichtung), was deren Besitzer auch erwarteten.
  • 10 Hunde zeigten die selben Anzeichen, jedoch völlig überraschend für die Besitzer, die dachten, der Hund könne problemlos alleine Zuhause bleiben.
  • 19 Hunde zeigten keine typischen Anzeichen von Trennungsangst, doch der Cortisolwert zeigte, dass sie unter massivem Stress litten!
  • 1 Hund hatte Stress mit einem lauten Papagei 😉

Die gute Nachricht: Mit dem passenden Training kann den Hunden geholfen werden, jedoch müssen die Halter überhaupt mal auf die Idee kommen, dass da etwas nicht stimmt… Wie man sieht, ist das von außen oft kaum zu beurteilen.

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Hier schon.

Dazu noch ein Artikel von cumcane, der eine Studie unter Laborbedingungen zitiert. Demnach ist es äußerst wichtig für den Hund, bei der Rückkehr seiner Bezugsperson wahrgenommen, berührt und angesprochen zu werden. Nur so senkt sich der Cortisolspiegel dauerhaft und Oxytocin (das „Kuschelhormon“ bekannt geworden, aber so viel mehr) wird ausgeschüttet.

Ergebnisse
1. Bereits der Anblick der zurückkehrenden Bezugsperson führt zu einem Anstieg des Oxytocin-Spiegels. Oxytocin stimuliert Verhalten zur Annäherung! Diese Annäherung kann je nach Typ der Interaktion unterschiedlich ausfallen.
2. Nur bei den Hunden, die bei der Wiedervereinigung angesprochen und angefasst wurden, hielt die Erhöhung des Oxytocin-Spiegels auch während der Entspannungsphase an. Zusätzlich wird bei diesem Typ der Interaktion auch der Cortisol-Spiegel am stärksten gesenkt. Die Hunde zeigten in der körperlichen Interaktion oft Belecken der eigenen Lippen.
3. Hunde, die verbal, aber ohne körperlichen Kontakt begrüsst werden, wedeln häufig und vokalisieren. Der Anstieg des Oxytocin ist nur kurz, und Cortisol wird nur wenig verringert.
4. Hunde, die ignoriert werden, orientieren ihr Kontaktbedürfnis zur fremden Person um. Der Anstieg des Oxytocin hält nicht lange an, und Cortisol wird nur wenig verringert.

Wiedervereinigungen mit ruhiger Aufmerksamkeit durch Worte und Berührungen haben einen anhaltenden Effekt auf die Spiegel von Oxytocin und Cortisol. Ausserdem stimulieren sie ruhiges Verhalten des Hundes. Reduzierte Aufmerksamkeit und Ignorieren des Hundes zeigen nicht diese Wirkung.

aus Dogs’ endocrine and behavioural responses at reunion are affected by how the human initiates contact
zusammengefasst von cumcane, bitte hier klicken.

Der alte Rat, den Hund zu ignorieren, ist also kein guter Rat!

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