Hunde können Stärke verdauen? Nicht alle!

Facebook hat einen Nachteil – Wissenswertes verschwindet sehr rasch, geht unter in den vielen Meldungen, die tagtäglich über den Schirm flimmern. Und anders als in Foren oder auf Blogs, ist die Suchfunktion nicht überall auf FB verfügbar. Daher werde ich nun nach und nach alle interessanten und lesenswerten Artikel und Links auf den Blog übertragen. Den Anfang machen die Artikel zur Verdaulichkeit von Stärke.

Anders als Menschen und anderen Omnivoren sowie Herbivoren fehlt dem Wolf weitestgehend die genetische Ausstattung und damit die Möglichkeit, Enzyme zur Stärkeverdauung und deren Verwertung herzustellen. Beim Hund fand man im letzten Jahr heraus, dass sich im Laufe der Domestikation u.a. Veränderungen an den Genen ergaben, die 3 Enzyme zur Stärkeverdauung kodieren. Dadurch können manche Hunde stärkehaltige Nahrungsmittel besser verwerten als Wölfe und man geht daher davon aus, dass sich diese Mutationen positiv auf die Entwicklung zum Haushund ausgewirkt haben.

The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet

Hund ist allerdings nicht gleich Hund!

Wie immer dann, wenn an einem Thema neu geforscht wird, ergeben sich bei genauerem Hinsehen sehr viel mehr Feinheiten. Nicht alle Hunde verwerten Stärke, z.B. aus Getreide, gleich gut. Genetisch bedingte Unterschiede gibt es sowohl zwischen verschiedenen Rassen, als auch zwischen den einzelnen Individuen. Mechtild Käufer hat auf ihrer FB-Seite „Menschentier“ die Zusammenfassung zur Studie übersetzt:

Die hohe Amylase*-Aktivität von Hunden, die deutlich mehr Kopien des Gens AMY2B für die Aufspaltung von Stärke durch die Enzyme der Bauchspeicheldrüse besitzen, ermöglichte es diesen Hunden in der frühen Domestikation, von relativ stärkereicher Nahrung zu leben. Obwohl die meisten Hunde deshalb Stärke wahrscheinlich effizienter verarbeiten als Wölfe, variiert in der Hundepopulation die Zahl der AMY2B-Kopien stark und es ist nicht klar, wie sich diese Unterschiede auf die individuelle Fähigkeit, Stärke zu verarbeiten und auf die Hundegesundheit auswirkt.

Beim Menschen korreliert die Zahl der AMY1-Kopien, des Gens, das die Speichel-Amylase kodiert, sowohl mit dem Level als auch der Aktivität des Speichel-Enzyms. Zudem ist eine hohe Amylase-Aktivität mit einer verbesserten Homöostase bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels und einem selteneren Auftreten des metabolischen Syndroms [Übergewicht, Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte und Insulinresistenz] verbunden.

Hier untersuchen wir die Beziehung zwischen der AMY2B-Kopienzahl und der Enzym-Aktivität bei Hunden und zeigen, dass die Amylase-Aktivität mit der Zahl der AMY2B-Kopien korreliert. Wir beschreiben dann, wie die Zahl der AMY2B-Kopien bei Individuen aus 20 Hunderassen variiert und dass es starke rasseabhängige Muster gibt. Das weist daraufhin, dass die Fähigkeit, Stärke zu verdauen variiert und zwar sowohl auf der Rasse-Ebene als auch der individuellen Ebene.

Um zu testen, ob die AMY2B-Kopienzahl mit dem Risiko Diabetes mellitus zu entwickeln verknüpft ist, verglichen wir die Anzahl der Kopien bei Betroffenen und Nichtbetroffenen, sowie bei Rassen mit unterschiedlicher Diabetes-Anfälligkeit. Auch wenn wir hier keine solche Verknüpfung gefunden haben, sind zukünftigen Studien mit größeren Kohorten nötig, bevor ein möglicher Zusammenhang zwischen AMY2B und Diabetes mellitus ausgeschlossen werden kann.

*Amylase = Enzym, das Stärke spaltet

Amylase activity is associated with AMY2B copy numbers in dog: implications for dog domestication, diet and diabetes

Weitere Gedanken?

Rassebedingte Unterschiede lassen sich vielleicht vom Ursprung der Hunderassen und der dort üblichen Ernährungsform ableiten. Nordische haben den Ruf, Getreide nicht gut zu „vertragen“, genauso wie Milchprodukte.
Überlegung: Was gab es dort an Nahrungsmitteln, die man den Hunden überlassen konnte? Definitiv wenig/keine Milchprodukte und vermutlich nicht viel Stärkehaltiges. Dass sie z.T. Stärke nicht so gut wie andere Rassen verwerten können, hat sich in der Studie bestätigt.
Dagegen werden andere Rassen, wie bspw. der Azawakh, in den Ursprungsländern recht stärkehaltig ernährt und kommen damit zwangsweise gut zurecht. Leider gab es keine Windhunde in der Studie.

Was heißt das jetzt für unsere Hunde?

Auch wenn Hunde tendenziell Stärke verwerten können, ist es weiterhin notwendig, genau darauf zu achten, wie mein Hund auf die Gabe von stärkehaltigen Nahrungsmitteln reagiert. Insbesondere bei Fertigfuttern oder selbst zusammengestellten Futterrationen, die einen hohen Anteil an pflanzlichem Eiweiss und Kohlehydraten enthalten, ist Vorsicht geboten. Getreide und Leguminosen (Soja!) gelten darüber hinaus als stark allergieauslösend.

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