Es tut sich was

Seit die Whippets de Lobito Azul eine eigene Seite auf Facebook haben, stirbt der Blog ein wenig vor sich hin, ich gebs ja zu. Irgendwo muss man eben Abstriche machen und auf FB geht alles ruck, zuck, was hier schon ein wenig länger dauert. Dafür kann man hier viel besser palavern – halt in Schriftform. Und weil ich immer wieder zu hören bekomme, dass sich hier doch gefälligst wieder mal was tun soll, tut sich heute halt mal was 😉

Vorteil und Nachteil von FB: Wichtige und „wichtige“ Dinge gehen nicht an dir vorbei. Geht einfach nicht. All die Dinge, vor denen du dich als TV- und Tageszeitungsboykottierer versteckst, erscheinen zwangsweise auf deinem Bildschirm.
Manches davon ist aber dann tatsächlich interessant und seit wenigen Tagen geht in Hundehalterkreisen folgende Nachricht um: Der große „Hundeflüsterer“ Cesar Millan, der ja gerade mit seiner Erziehungs-Show „The leader of the pack“ – übersetzt in Kurzform „Der Rudelführer“ – durch Europa tourt, darf im heutigen Auftritt in Hannover KEINE HUNDE TRAINIEREN!

Ja, warum denn das?!

Durchgefallen ist er, und zwar beim Sachkundenachweis für Hundetrainer nach §11 des deutschen Tierschutzgesetzes!

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Ehrlich jetzt?!

Jup!
Dieser Sachkundenachweis umfasst die basalsten Fähigkeiten und das Grundlagenwissen um Hunde und Hundeverhalten, die ein kompetenter, tierschutzgerechter Trainer haben muss, und wird mit einem Multiple Choice Test, einem Fachgespräch und einer praktischen Prüfung abgenommen. Da Cesar Millan im Rahmen seiner Show auch „Problem“hunde vor Tausenden Zusehern im Schnellverfahren „therapiert“, benötigt er dazu in Deutschland diese Genehmigung.
Laut der Mitteilung des Verwaltungsgerichts Hannover konnte Cesar Millan bei einer Überprüfung am 10. September 2014 diese Sachkunde nicht nachweisen.
Quelle
Auch das Niedersächsische Verwaltungsgericht lehnt seine Beschwerde ab:

Den Eilantrag von Herrn Millan, mit dem er festgestellt wissen wollte, dass es einer solchen Erlaubnis (Anm.: § 11 Abs. 1 Nr. 8 f) Tierschutzgesetz) nicht bedarf, hatte das Verwaltungsgericht Hannover am Montag abgelehnt. Mit Beschluss vom heutigen Tage hat der 11. Senat des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts die dagegen eingelegte Beschwerde zurückgewiesen (Az. 11 ME 228/14). Der Senat ist ebenfalls der Auffassung, dass die im Rahmen der Show durchgeführten Sequenzen mit fremden Hunden eine tierschutzrechtliche Erlaubnis erfordern.

Quelle

Zwar ist diese (seit 1. August 2014 vorgeschriebene) Sachkundeprüfung unter deutschen Trainern etwas umstritten, hauptsächlich wegen ihrer kurzfristigen und etwas planlosen Umsetzung, doch über die Notwendigkeit ist man sich einig. Der psychischen und physischen Misshandlung von Hunden durch selbsternannte Hundeprofis muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden und diese Prüfung ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Mehr Infos gibt es hier.

Das ist durchaus ein Grund zur Freude. Doch seit ich Cesar Millan erstmals einen kleinen Artikel auf diesem Blog gewidmet habe – nämlich „KEINE Empfehlung!“ – ist seine Beliebtheit im deutschsprachigen Raum immer weiter gewachsen. Die Statistik zum Artikel spricht eine eindeutige Sprache:
CM Blog Statistik
Diese vielen Besucher sind nämlich garantiert überwiegend Freunde von Cesar Millan und seiner Methode, weshalb es mir dann irgendwann auch zu blöd wurde und ich die Kommentarfunktion herausgenommen habe – nur damit sie dann anderswo sehr unfreundlich kommentieren können 😉
Derzeit werden übrigens alle Videos von Cesar Millan fleißig gelöscht, hier gibts noch eines:
K(l)ick mich.
Daher kann ich mich auch kaum so richtig freuen, sondern muss an die vielen Hunde denken, die tagtäglich unnötiger Gewalt ausgesetzt werden…

Aber immerhin kann ich dafür sorgen, dass meine Welpen nur mehr in Hände von Menschen kommen, die mehr Hirn, Herz und Sachverstand besitzen.
Ohne Rudelgedöns – völlig out – und ohne Dominanz- und Trieblehre – wissenschaftlich völlig daneben und durch eine Zeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, die wir sicher nicht so gerne wiedererwecken wollen!
In diesem Zusammenhang auch erfreulich, dass der gute Futterschüssel-Grewe beim ZDF nach massiven Protesten auch keine Sendung haben wird 😉

Dabei kann das Zusammenleben mit Hunden so bereichernd und heilsam sein, dass die positiven Effekte von tiergestützer Therapie und Intervention immer mehr genutzt werden.
Als ich vor genau 5 Jahren mit Enya, Buddy und Vivid in diesen Bereich einstieg, gabs noch nicht so viele Angebote. Mittlerweile schießen Trainingsangebote und Ausbildungen aus dem Boden, sogar am WIFI und BFI kann man mittlerweile entsprechende Kurse besuchen. Nicht alle sind seriös und nicht alle sorgen sich wirklich um das Wohl der Hunde, oft sind die Tiere nur Mittel zum Zweck, Werkzeuge in der Therapie. Es gibt Therapiehundeausbildungen/Ausbildungen zum „Mediatorhund“ à la CM, da stellt es mir die Haare auf!
Daher gibt es sinnvollerweise ganz neu einen Leitfaden für Qualitätskriterien. Zu finden hier.
Und eine neue Studie zu Depressionen und Hundetherapie: klick
Kurz zusammengefasst: Alle Teilnehmer mit Depressionen profitierten stark von der Hundetherapie, besonders wirkungsvoll zeigten sich die hundegestützten Maßnahmen bei suizidgefährdeten Menschen.
Da kann man dann sinnvoll flüstern mit Hunden und die Hunde hören sicher gerne zu.

Beenden möchte ich diesen Eintrag mit unserem zu therapierenden Hund, der auch nach 9 Monaten noch nicht das passende Plätzchen gefunden hat. Hunde verzeihen zwar viel, aber wenn sie in ihrer Jugend nur Gewalt kennengelernt haben, hinterlässt das natürlich doch sehr tiefe Narben. Immerhin lacht sie mittlerweile gerne und viel, das rote Podimonster 😉

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Falls jemand jemanden kennt, der für sie die Therapeutenrolle übernehmen will – und umgekehrt – immer her mit den Anfragen!

Was sich sonst noch tut, nämlich jede Menge, verrate ich euch dann ein andermal. Wenn es sich ausgeht 😉

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