Nachlese: Workshop Eigen- und Sprühfährte mit Pia Gröning

Beginnen möchte ich mit der Eigen- und Sprühfährte, weil mir dieser Workshop am besten gefallen hat, neben dem Seminar zum Thema Kontrolle am Wild.

Nach dem theoretischen Aufbau ging es gleich mit den Hunden ab ins Gelände, wo die erste Fährte aus Leberwurstwasser gelegt wurde.
Beim ersten Versuch ging es nur geradeaus und ums Eck:

Die Spur wird hier breiter gelegt, damit die Hunde es etwas leichter haben, das Wasser soll übrigens warm sein, da auch das den Hunden die Orientierung erleichtert. Am Ende gibt es einen Klecks Leberwurst auf dem Boden. Als Mensch sollte man möglichst nicht in der Spur herumlatschen und die Gerüche durch die Gegend schleppen, das macht es für die Hunde natürlich auch schwieriger.

Dann wechselten wir schon auf Schotter, schon recht verwinkelt zwischen den Autos, hier gab es 2 Fährten.

Anschließend noch 2 Fährten auf Asphalt, zwischen Mülltonnen und an der Küche vorbei, ganz gemein, aber unglaublich gut von allen Hunden gemeistert! Es war faszinierend, wie schnell die Hund begriffen, worum es in diesem Workshop ging. Anschließend gab es eine Empfehlung von Pia für jeden einzelnen Hund, je nachdem, welche Anlagen der Hund so mitbringt – Fährtensuche mit tiefer Nase oder mehr Flächensuche.

Nach einer kurzen Pause (Trinken ist für die Hunde besonders wichtig, damit die Riechschleimhaut immer schön befeuchtet wird) stand der Aufbau der Eigenfährte auf dem Plan.
Dazu zogen die Besitzer eine Wurst an einer Schnur hinter sich durchs Gras, zuerst wieder nur geradeaus, später mit einem leichten Schwenker und im Wald dann schon zick-zack zwischen den Bäumen. Wichtig ist, dass man nicht in die eigene Fährte läuft, denn der Hund soll später ja dem Geruch seines Menschen folgen, ganz ohne Wurst. Am Ende wartete diesmal aber noch eine Wurst auf den Hund 😉

Gezeigt wurde auch noch die Verlorensuche mit einem fortgeschrittenen Hund, davon sind wir aber noch etwas entfernt…

Ich war absolut begeistert und so motiviert, dass ich abends nach dem üblichen Training in der Dämmerung eine Leberwurstfährte für Lia legte, die da super mitgemacht hat!

In Schweden scheint man übrigens aufgeschlossener gegenüber „windhunduntypischen“ Beschäftigungsmöglichkeiten zu sein, die Idomic’s können schon einige Blood Tracking Champions vorweisen und auch einige andere Kennel. Dort ist es selbstverständlich, den Windhunden diese Form der artgerechten Auslastung zu bieten, das sogar mit anerkannten Titeln. Davon kann man sich hier wirklich eine Scheibe abschneiden, einzig der WCD hat ja den mehrfach erwähnten und für mich sehr wertvollen Titel „Multipurpose Whippet“. Es wird Zeit, sowas im ÖKWZR anzuregen.

Angst, dass die Hunde durch diese Arbeit plötzlich selbständig im Freilauf auf Fährte gehen, muss man übrigens nicht haben. Da man die Fährten- bzw. generell Nasenarbeit unter Kontrolle stellt, passiert das nur in seltenen Ausnahmefällen bei Hunden, die ansonsten tatsächlich noch nicht auf die Idee gekommen sind, ihre Nase bei der Suche nach Wild einzusetzen. Es ist in etwa so, als würde man behaupten, Windhundsport fördere den „Jagdtrieb“ (dieser Begriff ist veraltet, leider aber noch geläufig, daher setze ich ihn immer unter Anführungszeichen 😉 ) oder löse ihn gar aus, was definitiv nicht der Fall ist. Ich tendiere zur Ansicht, dass solche Fälle eher zufällig in die Zeit fallen, in der die jungen Hunde von sich aus mehr jagdliches Interesse an den Tag legen, nämlich ca. mit 1,5 Jahren. In dieser Zeit ändert sich das Verhalten vieler Hunde nochmal sehr stark, ehe sie mit ca. 3 Jahren dann richtig erwachsen werden und ihre genetisch mitgebrachten Anlagen meist voll ausprägen.
Heißt nicht, dass man sich bis dahin keine Mühe geben soll, im Gegenteil. Es ist aber auch ziemlicher Nonsens, Hunden artgerechte Beschäftigung vorzuenthalten, aus Angst vor „dem Ausbruch unkontrollierbarer Triebe“ 😀
Für mich persönlich ist es sehr wichtig, Hunde zu züchten, die eine möglichst hohe Bereitschaft mitbringen, mit ihrem Menschen zusammenzuarbeiten. So lässt sich u.a. ein potentiell unerwünschtes Verhalten auch sehr viel besser managen, und potentiell unerwünscht ist in unserer Gesellschaft ja so einiges…

Vielen Dank an Michi von Tier&Wir und an Pia Gröning für diesen tollen Tag, an dem ich wirklich viel lernen und mitnehmen durfte.
Bisher hab ich zwar schon viel zum Thema gelesen, weil Thaya doch ein ziemliches Nasentier war, aber praktisch umgesetzt hab ich vergleichsweise eher wenig, gibt es doch unzählige Möglichkeiten: Flächensuche, Fährte, Schweißarbeit, Sprühfährte, Mantrailing, Geruchsunterscheidung, ZOS und die einfachen, von mir eigentlich täglich angewandten Spielchen wie lustige Leckerchenbäume und Versteckspiele mit oder ohne Klettereinheiten in Haus und Garten, hohen Wiesen, Gestrüpp, Holzstößen, Autoreifen usw. usf.

Jetzt bin ich schon sehr neugierig auf die Ausbildung zum Nosework Trainer, hoffentlich kann ich dort auch teilnehmen:
Nosework Trainer
Dann gibts vielleicht auch mal ein paar Einheiten für interessierte Windhundsportler, so zur Einstimmung auf Multipurpose 😉
Weils einfach Spaß macht und für mich zu einem erfüllten Hundeleben gehört, auch mal in den Genuss von Alternativen zu kommen. Für die Hunde ist es übrigens auch eine entstressende Tätigkeit zum Runterfahren, ohne Köpfchen und Konzentration kommen sie nämlich nicht weit, und damit der ideale Ausgleich zum Windhundsport.

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