IHA Wels 2013 – Enzo/Amigo und ein wenig Billi-Banu

Gestern und heute stand bei mir das Telefon nicht still und der Posteingang piepste permanent, sodass ich sogar den Hörsaal verlassen musste (total unfreiwillig natürlich 😉 ), denn es geschahen rund um die Ausstellung einige Dinge, die vielen Leuten so gar nicht schmecken.
Zum Glück war der Bericht von Enzo aber schon fertig und so muss ich jetzt nur noch schnell die Richterberichte einfügen und einen Nachtrag setzen.
Wohlan…

Enzos Familie wollte an diesem Wochenende die 2 Bewertungen für das Coursing erwerben, doch leider kam es ein bisschen anders als geplant.

Es fing schon mal ganz übel an, mit einer Sperre der A1 zwischen Mondsee und St. Georgen. Das sind die beiden Autobahnauffahrten in unserer Nähe und in diesem Gebiet kommt es immer wieder zu schweren Unfällen und Massenkarambolagen, so auch an diesem Freitag, als Ausläufer des Orkans Xaver auch den Flachgau und das Salzkammergut trafen. Wir waren gerade auf dem Weg von Salzburg nach Lochen, als wir den Verkehrsfunk hörten – knapp 40 Fahrzeuge, 5 LKWs, Unfälle auf einer Länge von 11km, Totalsperre in Richtung Wien. Auch bei uns ging nix mehr, Schneeverwehungen, auf dem Weg von Salzburg zu uns Nachhause 25km Stau auf der B1, Stau auf der A1 kilometerweit… Sowas hab ich echt nur sehr selten gesehen. Ich wusste, dass Ulrike, Karl und Enzo genau dort drin sein mussten und rief sie an, um ihnen ein Zimmer in einem Hotel hier anzubieten. Aber es war schon zu spät, sie standen in der Sperre. 5 Stunden dauerte der Spaß, wie man da so unglaublich ruhig bleiben kann, ein Rätsel für mich 😉

Am nächsten Tag waren die Fahrverhältnisse besser, Hilde und ich machten uns also auf den Weg, um Merlin auszustellen. Ich habe Billi-Banus Familie im Vorfeld, als wir ihnen bei der Anmeldung zur Ausstellung halfen, schon gesagt, dass wir natürlich alle am selben Tag melden werden. Wäre doch auch schade, wenn man nicht jede Gelegenheit nutzt, um sich zu treffen 😉

So litten also am Samstag Ulrike und Enzo mit uns im Ring, nur dass Enzo mit einem „Gut“ verunglimpft wurde. Anders kann ich das gar nicht beschreiben, anfangs war ich nämlich nur geknickt, dass diese weite Reise und all die Strapazen umsonst gewesen sein sollten, später sickerte mir aber ins Bewusstsein: Gut bedeutet, dass der Hund massive Mängel aufweist. Gut bedeutet, dass er nicht zuchtwürdig ist, denn zur Zucht muss es mindestens ein „Sehr gut“ sein. Und jetzt sagt mir mal bitte jemand, dass es sich hierbei um einen rasseuntypischen Hund mit schweren Mängeln handelt!

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Hund wie Frauli sportlich schlank und gut trainiert, aber ziemlich verspannt 😉

Weder fehlen ihm Zähne, noch hat er einen anderen Mangel oder gar ein „rasseuntypisches Wesen“ – wie Merlin ist er wunderbar alltagstauglich, extrem freundlich und offen zu allen Hunden und Menschen, liebt das Enkelkind der Familie, ist abrufbar vom Wild, läuft auch im Wald ohne Leine (ja, manchmal vergisst seine Familie die sogar einfach Zuhause) oder im Urlaub auf Vulkankratern, ist ebenfalls Büro- und Stadthund und läuft sowohl im 5er-Feld als auch beim Coursing 100% sauber. So, was war es dann, das ein G begründen konnte?
Der Bericht:

excellent size, most elegant head, that could have more filling under eye, elegant neck, would like to see more typical topline, falls too much in croup, rather upright in front, needs more depth of chest and filling in front, would like to see a stronger powerful hindquarters, both standing and on the move, excellent coat, bone and feet, nice temperament

Ich war sehr irritiert, zumal wir beim Vergleich der Berichte feststellen mussten, dass Billi-Banus Bericht nicht sehr viel anders als dieser ist. Er erreichte immerhin ein SG 4 von 4 Rüden in der Jugendklasse.
Aber es traf nicht nur Enzo, sondern auch andere Hündinnen aus der Offenen Klasse, u.a. Hündinnen vom Renntyp, die diese Ausstellung nur für die Zuchtzulassung brauchten. Sind Hunde vom Renntyp also zuchtunwürdig in Österreich? Was sagt der ÖKWZR, was der ÖKV dazu?
Ich stehe derartigen „Zuchtschauen“, wie Ausstellungen eigentlich genannt wurden, ohnehin sehr skeptisch gegenüber. Jeder Mensch sollte mittlerweile wissen, dank umfassender Fernsehbeiträge und Aufklärungskampagnen, entsprechenden TSchGen, dass die Rassehundezucht am Abgrund steht. Warum lädt man dann Richter ein, die Hunde vom Leistungstyp so gering schätzen? Auch die Gebrauchshundeklasse wurde am Samstag nur mit SG bewertet, obwohl darin bereits bestätigte Schönheitschampions aus der Offenen Klasse standen.
Später haben wir erfahren, dass man gegen diese Bewertung am Ring Einspruch erheben kann. Da sowohl Enzos Menschen als auch wir die Ausstellungsordnung im Vorfeld gelesen haben, war unser aller Stand, dass Einspruch gegen das Richterurteil nicht möglich ist. Laut telefonischer Auskunft durch den ÖKV aber wohl doch.
Schade ist das, sehr schade. Aber es gibt genügend Hunde, die nach einem Gut trotzdem noch Schönheitschampion wurden, also belassen wir es dabei 😉

Am Sonntag lief es dann etwas besser, aber wie bei Merlin ist sich Ulrike absolut sicher: Ich gehe nicht mehr in den Ring. Und auch Enzo fühlte sich nicht sehr wohl, was natürlich die verspannte Haltung erklärt. Ich glaube, dass das in Zukunft sehr viel besser wird, denn den Kopf steckt niemand in den Sand 🙂

Der Bericht vom Sonntag, Fritz Björn, DEU:

2 Jahre alter, typischer Rassevertreter, maskuliner Kopf mit breiten Jochbögen, sehr gute Vorhandwinkelungen, stark aufgezogene Lendenpartie und genauso stark abfallende Kruppe, moderate Hinterhandwinkelungen, in der Bewegung vorne leicht steppend und hinten recht eng, freundliches Verhalten

Naja, lustig war es trotzdem allemal, wir hatten zwar die schlechtesten Ergebnisse, aber wir konnten alle schon im selben Augenblick wieder lachen. So bierernst, wie manche das nehmen, können wir einfach nicht sein.
Ohne Hunde kann man außerdem rücksichtslos durch die Hallen streifen und ich konnte mich so richtig austoben, ob bei den Windspielen, den Salukis oder den Border Collies, sogar bei den Retrievern fanden sich liebe Bekannte, die winkten und mit denen man sich nett unterhalten konnte. Wenn man Hunde wirklich liebt und gerne mit ihnen arbeitet, dann beschränkt sich der Bekanntenkreis nicht nur auf Whippets… Dann sieht man aber auch Probleme, wie sie andere Rassen haben und wie sie langsam auch beim Whippet erscheinen. Über den Tellerrand zu schauen würde vielen Windhundmenschen nicht schaden.

Das ist aber auch das einzige, was mir an Ausstellungen Freude macht. Danach war meine Stimme erst mal dahin und meine Ohren taten weh, zu viel gequatscht und zu viel gehört, aber Lea hat das zum Glück am Abend wieder repariert!
Definitiv sind Ausstellungen mühsamer als jedes Coursing, nach einem Tag im Schneesturm und 7 Stunden Fahrt falle ich wenigstens zufrieden ins Bett, egal welche Bewertung meine Hunde bekommen haben.
Nach einem Tag Ausstellung würde ich am liebsten aus meinem eigenen Kopf flüchten. Mir gehts da so wie Enzos Frauchen, die völlig erschlagen und, so muss man das fast formulieren, tief entsetzt von der Szene ist, in die sie da gerade mal ihre Nasenspitze gesteckt hat. Sein Herrchen sagt dagegen, jetzt erst recht. Und ich finde beides gut so! Deshalb schätze ich Enzos Familie so sehr, weil sie so sind wie sie sind 🙂

Jetzt wird erst mal geübt und dann stellen wir in Salzburg aus. Also Enzo und ich stellen uns aus.

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Das kann er sicherlich besser 🙂

Nachtrag: Wer eine andere Darstellung der Ereignisse lesen möchte, der kann das hier auf Luckys Blog tun. Dort findet sich auch der Bericht von Billi-Banu, der, wie erwähnt, ein SG4 von 4 Rüden erreichte.
Auch Sissi rief mich gestern an und wir hatten ein längeres Gespräch, da sich im Vorfeld der Ausstellung und auch im Nachhinein (s.o.) einige unschöne Geschichten ereigneten. Wir werden sehen, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringt.
Ich bin jedenfalls ein geduldiger Mensch 🙂
Hier noch schnell ein paar Fotos aus der Jugendklasse, der kleine Mann hatte es nicht leicht bei dieser Konkurrenz, da ging es ihm nicht anders als seinen beiden Zuchtstättenbrüdern:


Brav hat er sich präsentiert, aber das Unwohlsein sieht man ihm nach wie vor an. Vielleicht gibt sich das mit der Zeit…
Hier als Ergänzung die Ergebnisse vom Samstag:
Whippetergebnisse

Wir gratulieren allen guten, sehr guten und vorzüglichen Hunden!

3 Kommentare

  1. wenn ich nicht irre, ist beim ÖKV immer noch nur ein G voraussetzung zur zucht. dass es beim ÖKWZR zwei mindestens SG sind, ist die leistung(?) des ÖKWZR.

    für coursing braucht man gar nix ausser der lizenz (die auch nirgendwo anders so kompliziert zu erwerben ist, wie in AT). für das CCLA braucht man zwei mind. SG. da die nationale regelung in AT aber auch sehr speziell ist und auch der letzte im bewerb das CCLA bekommen kann, wenn nur die davor nicht gemeldet (oder bei ausländischen teilnehmerinnen einfach die zwei ausstellungsergebnisse aus AT nicht) haben, ist für mich der österreichische coursingchampion entsprechend wertvoll.

    gibt sicher welche, die jetzt meinen, das läge nur daran, dass lilly ihn nicht erreicht hat. naja, sie ist nur internat. coursingchampion geworden, das stimmt … und für das CACT musste sie gewinnen und für die 3 resCACT musste sie zweite werden. ihr zweites CCLA bekam lilly als 5. von 6 hunden.

    wer neu in die szene kommt, wird von einer gruppe „erfahrener“ einfach mal zurechtgestutzt. das scheint auch so ein spezieller österreichischer brauch zu sein. gibt drei möglichkeiten, darauf zu reagieren: sich mit grausen abzuwenden, sich einen breiten rücken zuzulegen oder abzuwarten, bis man selber neuankömmlinge zerzausen kann. 😉

    1. Hallo Margot,

      auch gut zu wissen, das mit dem Gut. Aber ist das echtes, mündlich überliefertes Wissen oder nur wieder angelesen, womöglich sogar mit Quellenangabe?
      Über die Wertigkeit von Titeln muss man gar nicht diskutieren… Es ist schön, wenn man sie hat, aber es sagt nichts über die „Qualität“ der Hunde aus und nichts über ihren „Wert“ für die Zucht. Meist bedeutet Titellosigkeit nur, dass ein Mensch das Grausen über diesen Wahnsinn nicht unterdrücken kann und lieber Abstand hält, und das kann ich absolut nachvollziehen 😉

      Ansonsten bin ich ja ein Sensibelchen und halte es weiterhin so: https://lobitoazul.wordpress.com/2013/06/03/echte-weisheit-kommt-nicht-mit-dem-alter/

      1. nun, die ÖKV-voraussetzungen gelten für alle rassen, die nicht in eigenen vereinen organisiert sind und sind in den ÖKV-zuchtvorgaben nachzulesen. ich gestehe, ich hab schon länger nicht nachgelesen, vielleicht hat es sich geändert. aber als ich es das letztemal las, war es noch ein G.

        windhunde sind halt im ÖKWZR organisiert und deshalb den ÖKWZR-regeln unterworfen. auch, wenn man ausserhalb des vereins mit FCI-papieren züchtet, muss man die ÖKWZR-regeln beachten, oder wenn der rüde im ausland decken soll.

        ändern könnten das die züchterInnen, die im ÖKWZR sind. aber den meisten ist es schnurz-piep-egal, was abgeht. und die, die das anders sehen, verlassen über kurz oder lang den ÖKWZR … was ich inzwischen auch sehr gut nachvollziehen kann. 😉

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