Add. 1 zu Millan & Co – Konfrontationstherapie, hundegerechte Erziehung, Kommunikation usw.

Da ich es auf absehbare Zeit leider nicht schaffen werde, die einzelnen Kommentare zu meinem meistgeklickten 😉 Artikel über Cesar Millan in den Vorarlberger Nachrichten zu beantworten, mach ich es mir jetzt einfach mal einfach. Zudem habe ich die vage Vermutung, dass sich die Glaubenssätze der meisten Menschen nicht plötzlich durch sachliche Argumente verändern werden, also wozu überhaupt die Mühe? Weil die meisten Menschen eben nicht alle Menschen sind, ein paar Leute bleiben übrig, auf die ich meine Hoffnung setze.
Wer sich allerdings selbst nicht die Mühe macht und sich informiert, sondern gerne den einfachen Weg geht, der in diesem Falle physische und psychische Gewalt an „Schutzbefohlenen“ beinhaltet, dessen Kommentar ist in meinen Augen ohnehin nichts wert.

Also, wer gerne lernen mag, dem empfehle ich die Lektüre und kritische Betrachtung von

– dem herrlich humorvollen, kritischen und wissenschaftlich fundierten Buch „Verhaltensfragen – Hunde in der modernen Verhaltensforschung“ von Jean Donaldson. Speziell Teil Zwei, Erziehung, Hundeerziehungs-Philosophien. 2008 von der Dog Writer’s Association of America als das beste Buch des Jahres ausgezeichnet, kann ich nur sagen: Eines der allerbesten Hundebücher für etwas „Fortgeschrittene“!

– der Stellungnahme zu „Trainingsmethoden, die auf Konfrontation beruhen“ vom Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV), im Bereich Hundeausbildung die größte unabhängige Berufsorganisation Deutschlands und daher doch ein klein wenig ernst zu nehmen.

– dem Artikel „Trainingsmethoden – Wer die Wahl hat…“ – Erklärt die 4 Quadranten der operanten Konditionierung und damit, warum jeder Hundetrainer ausnahmslos mit Konditionierung arbeitet.

– den Artikeln in den Kategorien „Strafe im Hundetraining“ und „Märchen aus der Hundeerziehung“ inkl. Kommentare (!) und insbesondere auch „Persönlichkeit statt Leckerli“, „Knurren ist mangelnder Respekt“ und „Ein Leinenruck ist keine Gewalt“.

– der ganz kurzen, nur oberflächlichen Einführung ins Thema „Wie lernt der Hund?“.

– den vom Stil her etwas abweichenden Beitrag von Wili Wollmatingen zu „The Whispering Will Breaker“ 😉

– die Artikel zum Thema Aggression (rechts weitere Teile 1-4 auswählbar) und warum es nichts bringt, „aggressive Hunde“ zu „brechen“, sprich, sie in ein Meideverhalten und erlernte Hilflosigkeit zu zwingen.

– die Artikel zum Thema Entspannung von Dr. Ute Blaschke-Berthold – und damit ist echte Entspannung gemeint!

– dem Buch „Das Alpha-Syndrom“ von Anders Hallgren zum Thema Dominanz.

– den Büchern von Marc Bekoff (z.B. „Das Gefühlsleben der Tiere: Ein führender Wissenschaftler untersucht Freude, Kummer und Empathie bei Tieren“, „Tugend und Leidenschaft im Tierreich: Gedanken zu einer neuen Sicht der Natur“ – Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze und Vorträge) und Patricia B. McConnell (z.B. „Das andere Ende der Leine: Was unseren Umgang mit Hunden bestimmt“ oder „Liebst du mich auch?: Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund“), Verhaltensbiologen, die ihr Leben den Tieren und ganz besonders den Hunden gewidmet haben.

– dem Buch „Forschung trifft Hund: Neue Erkenntnisse zu Sozialverhalten, geistigen Leistungen und Ökologie“ von Udo Gansloßer.

– der Seite „Weil es auch anders geht!“ (besonders empfehlenswert).

– und schier endlos mehr Texte und Bücher, die aufzeigen, dass Hunde fühlende, denkende Lebewesen mit einer für uns Menschen – wörtlich – unfassbar vielschichtigen Mimik und Gestik sind, deren Sozialverhalten höchst komplex ist und unserem so nahe, dass wir sie uns aus der Stammform zurechtgeformt haben wie kein anderes Geschöpf…

Und JA, auch sogenannte Problemhunde/auffällig gewordene Hunde/Hunde mit erhöhtem Gefahrenpotential (…ohne Worte…) lassen sich ohne massive Gewalteinwirkung bei der Resozialisierung wieder ins Leben eingliedern, und zwar nachhaltig! Es gibt unzählige Fallbeispiele, die das eindrucksvoll zeigen. Und leider auch genügend eindrucksvolle Beispiele dafür, wie Gewaltanwendung in der Erziehung aus Hunden „tickende Zeitbomben“ machen kann – eben Hunde mit „Gefahrenpotential“.

Außerdem möchte ich auch hier noch einmal fragen: Wie lässt sich Gewalt an Hunden rechtfertigen, die wir uns als Sozialpartner ins Haus holen und die wir damit unter unseren Schutz stellen, für die wir sogar eine (tierschutz-)gesetzlich geregelte Obsorgepflicht haben?

Die Antwort lautet: Gar nicht!
Unnötige Gewaltanwendung spricht für einen miesen Charakter, eine „schwache“ Persönlichkeit, die sich sicher nicht durch eine Herrscherrolle stärken lässt. Wichtiger wäre echtes Einfühlungsvermögen und „Hundeverstand“, aber das ist für uns alle nicht so einfach, in einer Welt, in der Menschen das Gefühl für sich selbst und ihre eignenen Bedürfnisse abtrainiert wurde, in der erst recht kein Platz für andere ist.
An dieser Stelle möchte ich nochmal auf den Beitrag zum Thema verweisen und wünsche ansonsten fröhliches Denken, Reflektieren, Kritisieren und eine gute Portion Gefühl – denn ohne Gefühl geht gar nichts 🙂