Züchteralltag (?)

Vorhin um kurz nach 9 Uhr, draußen Schneetreiben, drin 13 Hunde satt und müde in der Wohnung verteilt, die ersten Waschmaschinen des Tages laufen, ich räume gerade das Gemüse für den Obst/Gemüse/Hirse-Brei mit Kokosflocken aus dem Kühlschrank (für die Hunde natürlich ;))

Obst/Gemüse/Kräuter-Brei im Frühsommer
Obst/Gemüse/Kräuter-Brei im Frühsommer

– als zum keine Ahnung wievielten Mal an diesem Morgen das Handy klingelt. Komische Nummer, hmm, mal sehen. Dran eine nette junge Frau, die „Umfrage“ – „Institut“ – „Futter“ – „Züchter“ runterrasselt und dann langsamer, ob ich denn Züchter sei. Kurz verschnaufen, ja, bin ich, aber welcher Futtermittelhersteller und was für ein Institut war das nochmal?
Ich erfahre: „Eine allgemeine Umfrage über die Fütterungsgewohnheiten der Züchter im deutschsprachigen Raum.“
Schmunzeln meinerseits, das kann vielleicht lustig werden 🙂

„1. Frage: Wie viele Würfe fallen bei Ihnen pro Jahr? 2-6, 7-12, 13-20 oder mehr als 20 Würfe?“
„Ähm, ca. alle 2 Jahre ein Wurf…“
„Wie, nicht mal einer im Jahr?“
„Nein, 2011 einer, aktuell (2013) einer und eventuell haben wir nächstes Jahr wieder einen und dann wieder eine Pause. Nehmen Sie doch weniger als 2.“

„…“

Verwirrung am anderen Ende der Leitung, hat sie sowas eventuell noch gar nicht gehört, dass jemand weniger als 2 Würfe pro Jahr aufzieht? Irgendwas trägt sie dann wohl ein, aber die Option ist wohl hörbar nicht vorgesehen 😉

„Nächste Frage: Welche hochwertigen Fertigfuttersorten kennen Sie?“
„Sie erwarten jetzt aber nicht von mir sowas wie Pedigree oder so…?“

Grins. Naja, Insider, kann sie eigentlich gar nicht verstehen, die junge Dame hat vermutlich keinen blassen Schimmer von Hundeernährung. Ist ja auch nicht ihr Job, Telefonistin zu sein ist heutzutage eine der übelsten Möglichkeiten, legal (?) an Geld zu kommen. Deshalb habe ich immer Mitgefühl und versuche, ihnen ein gutes Interview zu ermöglichen. Aber das Thema und die Intention des Anrufes sickern langsam in mein Unterbewusstsein.

„Nennen sie einfach eine Marke, was füttern Sie denn?“
„Ich füttere Rohes und das hat einen guten Grund.“
„Rohes und sonst gar nichts?“

Biri und Bullitt
Biri und Bullitt mit einem Hühnerflügel, 5 Wochen

„Hmm, doch, Lupo Sensitiv als Leckerchen.“
„Das ist die Marke?“
„Jap.“

Offenbar auch noch nie gehört, dabei ist Lupo einer DER Hersteller für kaltgepresste, hochwertige Futtersorten in Deutschland (Lupo Sensitiv und Natural, Markus Mühle, 5-Elemente, das Trockenfutter Real Nature von Fressnapf und mir scheint, auch das Trockenfutter für Lukullus). Ich hätte noch Bestes Futter nennen können, ebenfalls ein deutsches Premiumfutter, das den Namen verdient. Und einige wenige andere.
Doch da verlässt mich auf einmal mein guter Wille und die Neugier, was denn noch an Fragen kommen könnte und mir wird wieder mal bewusst, was eigentlich hinter dieser Industrie steckt. Neulich schrieb ich hier
„Zwar geben Menschen unglaubliche Summen für Fertigfutter aus (2,6 Milliarden Euro in Deutschland im Jahr 2010, das ist 3x so viel wie für Babynahrung ausgegeben wird! lesenswert der Artikel Fertigfutter – Deutsche servieren Haustieren den letzten Fraß von Die Welt), aber eine qualitativ hochwertige, an spezielle Bedürfnisse angepasste Ernährung erhält man leider trotzdem nicht bzw. kaum…
und natürlich versucht man mit allen Mitteln, seine Ware möglichst gut an den Mann/Frau/Züchter zu bringen. Gerade die Züchter als Multiplikatoren sind besonders wertvoll, sie haben selbst oft mehrere bis viele Hunde mit erhöhtem Futterbedarf in der Trächtigkeit und Säugezeit, züchten offensichtlich routinemäßig in den Augen der Fertigfutterhersteller „bis zu/mehr als 20 Würfe pro Jahr“, sind Ansprechpartner für Ratsuchende und geben die Empfehlungen für das Futter natürlich mit. Ähnlich wie Tierärzte verdienen sie damit u.U. gutes Geld, wenn sie nämlich selbst als Verkäufer auftreten, was nicht unüblich in Zuchtstätten ist, in denen es um den Profit geht.

Also sage ich zu der armen jungen Dame: „Ne, wissen Sie was, solche Züchter wie Sie suchen sind wir einfach nicht. Mit 20 Würfen im Jahr und so. Trotzdem alles Gute, danke und auf Wiederhören.“
Nachdenken, hörbare Enttäuschung, aber: „Stimmt, das hat irgendwie keinen Sinn so, usw. usf., einen schönen Tag noch und danke!“

Ja, danke auch und hoffentlich hört sie doch noch öfter Antworten wie meine…

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