Von Tierversuchen für Futtermittel, systematischer Gewalt in der Hundeerziehung und mehr

Vorab eine Warnung, dieser Beitrag wird emotional und es ist ein bisschen ein Rundumschlag auf einiges, was mir gerade so gegen den Strich geht, aber auch das muss einmal raus 😉

Im Moment geistert ja wieder das Foto eines armen Hundes mit aufgequollenem Leib durch Facebook, das ich ausnahmsweise (ich muss nicht mehr schockiert werden, um zu verstehen und weigere mich auch, andere so mit der Nase auf etwas zu stoßen) geteilt habe, denn was dahinter steckt, ist eine wichtige Botschaft – die manche eben nur durch die Hilfe eines drastischen Fotos wahrnehmen. Wer mag, kann sich auf http://www.animalsliberty.de/tierversuche_tierfutter.html informieren.

Auch gibt es eine Liste, in der einfach ersichtlich ist, welche Hersteller Tierversuche für ihre Futtermittel durchführen. Aufgrund der veganen Orientierung von Animals Liberty, die man guteheißen kann oder nicht, sind die tierversuchsfreien Futtermittel gelb (bedeutet: ohne Bestandteile, die durch Tierversuche erprobt wurde, ohne Tierversuche mit dem Futtermittel selbst und der Hersteller führt auch sonst keine Tierversuche durch, ist nicht verkettet mit anderen Herstellern die Tierversuche nutzen) gekennzeichnet, die anderen rot. Grün würde vegan und tierversuchsfrei bedeuten und das ist bei Hunden und Katzen selbstverständlich abzulehnen.

Liste

Ich kann weder PETA leiden noch andere extremistische „Tierschutz“gruppierungen, Tatsache ist jedoch, dass die in der Liste aufscheinenden Hersteller Tierversuche betreiben, die zu einem großen Teil unnötig sind und für die Tiere viel Leid bedeuten. Das müssen nicht einmal Versuche sein, bei denen Schmerzen und Tod die Folge sind. Psychisches Leid und in Folge früher Tod zählt genauso.

Die einzig logische Konsequenz ist, Produkte dieser Hersteller nicht zu kaufen.

Die Umsätze dieser Firmen und die Bestürzung vieler (durchaus gut informierter) Leute angesichts der Thematik zeigen, dass noch viel zu wenige Menschen über „diese Konzerne“ Bescheid wissen und Aufklärung, notfalls mit reißerischer Aufmachung, notwendig ist. Vielleicht ändern einige der Menschen, die jetzt entsetzt aufschreien, auch nachhaltig ihr Kaufverhalten und das ist doch was wert.

Ähnlich wie beim „Futterschüssel-Video“, das vor Weihnachten im Internet kursierte und hohe Wellen schlug, in dem ein wehrloser Schäferhund mit Angstaggressionsproblematik durch einen angehenden Hundetrainer und dessen Ausbilder psychisch und physisch unter Mitwirkung der Halterin misshandelt wurde – ja wusste denn ganz Deutschland nicht, wie einer ihrer liebsten Hundegurus arbeitet?! Hat denn keiner der zahllosen Hundehalter beim Kauf dieser oder dieser DVD genauer hingeschaut? Liest denn kein Mensch solche Artikel? Schaut jeder weg, wenn Hunde, die Dank widerlicher Berichterstattung stigmatisiert wurden, ohne fundiertes Gutachten zum Tode verurteilt werden? Warum ist systematische Gewaltanwendung noch immer legitimer Teil von Erziehungsmaßnahmen, arbeitet das Canis-Zentrum als Multiplikator solcher Praktiken? Und wie kann es sein, dass eine deutsche Tierärztekammer dafür ein Siegel vergibt? Wo doch Tierärzte einige der wenigen Menschen sind, die als Anwälte für Tiere einstehen können und die Anwendung von Starkzwangmethoden in der Ausbildung und „Resozialisierung“ von auffällig gewordenen Hunden in den letzten 10 Jahren zahlreich derart dokumentiert wurden, dass sie niemandem entgehen konnten, der es wissen wollte.

Eigentlich unglaublich, wie blind viele durch ihr Leben stapfen.

Und wo wir gerade dabei sind: Ehrlich gesagt stellen sich mir bei manchen Äußerungen zum Thema „Juhu, wir barfen jetzt auch! Das ist ja so toll und gesund für unsere Wauzis!“ echt die Haare auf, weil nämlich wiederum überhaupt nicht hinterfragt wurde und die Herkunft des Fleisches, der Zusätze und des pflanzlichen Anteils vollkommen egal ist. Und darüberhinaus munter weiter mit Unterstützung zahlreicher Tierärzte bei jedem Niesen Gift in den Hund gestopft wird, schon vor der Anschaffung des ersten Hundes klar ist, dass dieser unbedingt vor der ersten Läufigkeit kastriert werden muss (sog. Frühkastration) und auf Anraten des Tierarztes sogar entgegen der Empfehlungen des Impfstoffherstellers jährlich durchgeimpft wird.
Fertigfutter ist nicht per se schlecht und ich mag meine Tierärztin sehr gerne, (Früh-)Kastrationen ohne medizinische Indikation lassen sich vielleicht nur mit meinem Verständnis von Ethik in der Tier-Mensch-Beziehung nicht vereinen, aber Augen aufmachen und nicht andere für sich denken lassen schadet keinem.
Es gab Zeiten, da habe auch ich gerne Royal Canin gegeben und dachte, damit tue ich allen etwas Gutes. Damals war ich 17, hatte gerade ein Praktikum in einer Tierarztklinik hinter mir und meinen ersten eigenen Hund. Gelernt habe ich jedoch schnell. Niemand wird allwissend geboren und niemand erreicht jemals Allwissen, dazu gibt es zu viel zu lernen. Aber die Lernbereitschaft sollte vorhanden sein und das Mitgefühl für das Leben um uns.

Hundehaltung bedeutet Verantwortung. Für den Hund selbst, für andere (Heim- und Wild-)Tiere und Menschen in unserem Umfeld, für die Tiere, die unserem Hund zur Nahrung dienen, für die Umwelt, die unter intensiver Nutzung leidet, für die Menschen, die unter der Rohstoffproduktion leiden, für die Versuchstiere, an denen Produkte getestet werden usw.
Die Verantwortung hört nicht bei „Rohfutter oder Fertigfutter?“ oder „Kastration: Ja oder Nein?“ auf, moralisches Handeln führt weiter.
Wer diesen Schritt macht, muss eigentlich so konsequent sein und sich auf dem neuen Standpunkt nochmal umsehen, um dann den nächsten zu gehen.

Das Thema Futter ist äußerst komplex, Iris hat auf ihrem WuHei-Blog im Herbst ebenfalls einen Beitrag verfasst, den ich gerne mit euch teilen würde: Wer Hill’s, Royal Canin, Eukanuba (usw.) sagt…

Sie nennt einige der vielen Gründe für meine Entscheidung, Hunde roh und frisch zu füttern, mit Zutaten, die ich bewusst auswähle und mit denen ich nachhaltig verbesserte Lebensbedingungen für die Schlachttiere, kurze Transportwege und „schonende“ Schlachtung fördere, die artgerechte Ernährung der Schlachttiere, den verminderten Einsatz von Spritzmitteln bei der Produktion des pflanzlichen Anteils, dadurch die Umwelt entlaste und natürlich die faire Behandlung der Produzenten begünstige.
Nachhaltigkeit und Regionalität sind Schlagworte, die so gerne benutzt werden, wenn es um unsere Ernährung geht.
Warum hört beim Hund eigentlich das Denken auf? Der ökologische Pfotenabdruck eines Hundes in unserer westlichen Gesellschaft ist (bezogen auf die Ernährung) fast so groß wie der Fußabdruck eines Menschen in Indien. Sind natürlich nur Spielchen, aber überlegenswerte.
Und warum sind eigentlich nur unsere Haustiere es wert, ein möglichst schmerzfreies und schönes Leben zu führen, an dessen Ende eine „humane“ Tötung steht?

„Der Mensch glaubt manchmal, er sei zum Besitzer, zum Herrscher erhoben worden. Das ist ein Irrtum. Er ist nur ein Teil des Ganzen.
Seine Aufgabe ist die eines Hüters, eines Verwalters, nicht die des Ausbeuters.
Der Mensch hat Verantwortung, nicht Macht.“
(Onondaga)

Es kostet nicht viel, bringt aber doch etwas. Anfangen kann man damit, dass man sich die oben erwähnte Liste anschaut und auf den Kauf mancher Fertigfuttersorten verzichtet.

5 Kommentare

  1. Liebe Sabine,

    vielen Dank für deine—wie immer— hoch-interessanten Beiträge und dafür, dass du mich mit der *Nase darauf stoßt* ….da habe ich wieder einmal viel zu lesen, viel zu recherchieren…viel Neues zu lernen! Danke!!

    Wunderbare Neuigkeiten von eurem B-Wurf zu lesen. *B* wie *Bluni* 😀

    Wünsche euch eine schöne Zeit.
    Herzliche Grüße aus Wien,
    die Bolejos

    P.S Von Azulejo und seinem Freund Mr. Bojangles gibt´s jetzt auch Windkinder 😉
    Einfach bei *susawindkind* vorbeischauen/ Eintrag 16. Dezember.
    Ich finde, dein *blaues Wölfchen* ist super geklont 😉

  2. Guten Morgen Sabine,
    danke für die Verlinkung
    Zum Überthema hätte ich noch viel mehr zu sagen, so z.B. daß ich nichts aus allen Ländern kaufe, die Dephine, Wale und Haie oder Nashörner, Tiger etc. ermorden lassen – warum auch immer.
    lg Iris

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