Der Jahreswechsel naht mit lautem Knallen…

Heute hatten wir superlieben Besuch vom kleinen Merlin mit Sonja und Werner, die zufällig in der Gegend waren und natürlich haben wir das schöne Wetter genutzt, um einen Ausflug auf den Buchberg zu machen. Wir haben uns sehr über euren Besuch gefreut, hoffentlich sehen wir uns bald wieder!
Leider hatte tatsächlich keiner von uns eine Kamera dabei, aber wozu gibts sonst iPhones, zum Telefonieren taugen sie die Hälfte der Zeit eh nicht 😉 Es existieren also 2 Videos von den beiden Flitzern Biene und Merlin, mal sehen, ob sie brauchbar sind.
Merlin hat sich super entwickelt, der Kopf ganz klassisch kräftig wie bei allen Welpen und – huhu Eva! – Nashs rundes „Popscherl“, das laut Sonja offenbar alle Leute immer so lieb finden 😉 Aktuell wiegt er 12,5kg und betrachtet man die Größe ist er sogar kleiner als Buddy, der mit 50cm eingemessen wurde. Ich bin damit sehr zufrieden, die Frage ist, ob er neben den vielen Showbrechern nicht ein bisschen im Ring untergehen wird… Aber das lassen wir mal auf uns zukommen und ich freu mich auf jeden Fall sehr, dass der kleine Spatz die Zuchtzulassung absolvieren wird 😀

Zum Schluss wurds dann auch noch richtig aufregend, als binnen weniger Sekunden eine Katze, ein Hase und knapp ne Minute später 2 Rehe unser Sichtfeld kreuzten, aufgescheucht durch die alljährlich stattfindenden Treibjagden um Neujahr. Zum Glück waren alle Hunde rechtzeitig an der Leine. Auf der Rückfahrt sah ich dann auch schon einen Teil der Opfer vor den Häusern aufgehängt. Ein Brauch, den wir alle ziemlich zum Vergessen finden.
Noch unangenehmer für Wild-, Heim- und Nutztiere ist allerdings ein anderer „Brauch“, das Neujahrsböllern, das sich mittlerweile auf Weihnachten vor- und die Heiligen 3 Könige nachverlagert hat, gekrönt von 12 Stunden Dauerbeschuss mit Feuerwerk am 31.12.
Wir haben Glück, bis auf Thaya sind alle unsere Hunde schussfest, gewittersicher und auch feuerwerkfest, den Katzen ist sowas sowieso total egal, aber sehr vielen Tieren geht es da leider anders. Wie kommt man also gut durch diese Zeit?

Tja, die wenigsten Menschen können es sich erlauben, an diesen Tagen mit ihren Hunden Urlaub in „Weit-Weit-Weg“ zu machen. Wer sich das allerdings ernsthaft überlegt, wird im Internet schnell fündig, z.B. hier.

Alternativ beginnt man schon einige Wochen/Monate vor Silvester mit einer systematischen Desensibilisierung mittels Geräusch-CD bzw. heruntergeladenen Sounds, die man zuerst in niedriger Lautstärke, später immer lauter vorspielt. Der Hund soll sich dadurch an die Geräuschkulisse während eines Feuerwerks oder Gewitters gewöhnen, wenn er gleich Angst zeigt, wars zu laut. Erhältlich z.B. hier oder hier.

Nun ist es aber so, dass die meisten Hunde nicht (nur) auf die Geräusche ansich reagieren, sondern auch auf die Lichter, die Aufregung bei den Menschen, die Stimmung während eines Unwetters usw. Außerdem unterscheiden sie meist sehr gut zwischen echten Geräuschen und Aufnahmen. Trotzdem habe ich schon persönlich von einigen Hundehaltern gehört, dass ihren Hunden die CDs geholfen haben. Also kanns nicht schaden, es auszuprobieren und ich werde probeweise auch mal die B’s damit beschallen. Denn natürlich haben Welpis, die Knallgeräusche, Schüsse usw. kennen eine größere Chance, auch angstfrei durchs Leben zu gehen.
Ich habe daher z.B. beim A-Wurf jedes Gewitter genutzt und die Kleinen noch vor dem Regen im Garten bespaßt bzw. einfach weiter herumfetzen lassen, die fanden Sturm und Donner richtig klasse. Damals hatte keiner Angst vor Gewitter, Aidan musste ich sogar extra ins Haus tragen, weil ihm selbst der Regen nichts ausmachte. Er hat bis heute keine Angst vor Gewittern, hat auch nicht Nashs Angst übernommen. Aber nicht alles lässt sich durch positive Erlebnisse in der Jugend lösen, Gewitterangst oder Angst vor Feuerwerkskörpern kann auch plötzlich auftreten und mensch findet keine eindeutige Ursache.

Stress und Angst können durch unterschiedliche Maßnahmen bekämpft werden, am besten ist natürlich immer ein konsequentes, im Fall Silvesterangst auch frühzeitiges Verhaltenstraining. Helfen kann dabei ein kompetenter Hundetrainer.
Um die Mechanismen besser zu verstehen, die bei angstbedingtem Verhalten zum Tragen kommen, kann ich erneut das Buch Stress, Angst und Aggression bei Hunden empfehlen. Auch Die Neuropsychologie des Hundes ist ein interessantes Büchlein zum Thema, der Zusammenhang von Verhalten und Ernährung wird darin detaillierter beleuchtet.

Und dort wird übrigens auch der Einsatz von Psychopharmaka aus der Humanmedizin zum Thema gemacht, der in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Dabei ist dringend zu bedenken, dass diese Medikamente eigentlich sehr genau eingestellt werden müssen, die Nebenwirkungen zahlreich und durchaus gefährlich sein können und die Diagnostik von behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen durch einen 08/15 Hundetrainer oder Tierarzt schon a bissl zu hinterfragen ist. Selbst Humanmediziner scheitern regelmäßig am Themenfeld „psychische Erkrankung“, also bitte, stopft (wie immer) nicht einfach Medikamente in eure Tiere, nur weil sie sich nicht für jeden verständlich mitteilen können.

Erwähnen möchte ich im Zusammenhang mit Silvesterangst „Sedalin Gel“ mit dem Wirkstoff Acepromazin, der nicht unerhebliche Nebenwirkungen haben kann und zudem eigentlich für diesen Einsatz nicht gedacht ist. Aus der Wirkungsweise:

Durch seine zentral psychomotorische Hemmung führt es zur verminderten Erregbarkeit (Sedation) und verminderten Motorik (Hypokinese) mit Erschlaffung der Muskulatur, wobei das Bewusstsein nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Dieser Zustand der relativen Indifferenz gegenüber der Umwelt führt zur teilnahmslosen Gleichgültigkeit mit reduzierter Schmerzempfindung, so dass Manipulationen an dem und mit dem Tier mühelos möglich sind. Die psychische Erregbarkeit, Aggressionen, Angst und Abwehrreaktionen werden gehemmt.

Dies bedeutet, dass der Hund einerseits durchaus noch mitbekommt was um ihn geschieht, andererseits ist er in seiner Motorik eingeschränkt und kann nicht Schutz suchen, was die Lage deutlich verschlimmern und erst recht zu Panik führen kann, selbst wenn die psychische Erregbarkeit gehemmt wird.

Benzodiazepine (bekannt z.B. Valium) können ebenfalls gegeben werden, jedoch sollte man folgende Warnung immer im Kopf behalten:

Gesunde Tiere lassen sich aber mit Diazepam alleine nur schwer sedieren, es kann sogar zu Erregungszuständen und Panikanfällen kommen (Hall 2001k; Hall 2001f).
Benzodiazepine haben einen beruhigenden sowie zähmenden Effekt und können den Umgang mit schwierigen und aggressiven Tieren erleichtern. Jedoch können bei Hunden und Katzen nach der Injektion von Diazepam auch paradoxe Erregungszustände und Aggressionen auftreten. Dies kann durch die gleichzeitige Applikation eines Opioids vermieden werden (Paddleford 1999b).

Quelle

Hört sich alles nicht so gut an, oder?

Besser wählt man diese Möglichkeiten:
D.A.P. Halsbänder oder ZerstäuberPheromone, die von der säugenden Hündin abgegeben werden, sollen den Hund beruhigen. Die genauere Wirkungsweise kann auf der verlinkten Seite nachgelesen werden.
Hat schon oft geholfen, hat bei Hunden, die damit jedoch keine positiven Erfahrungen verknüpfen (z.B. Tierschutzhunde mit schlechten Aufzuchtbedingungen) allerdings auch schon das Gegenteil bewirkt. Ausprobieren und gut beobachten, ich rate eher zum Zerstäuber/Duftstecker als zum Halsband, von dem sich der Hund nicht befreien kann.

L-Tryptophan
(Relaxan und Relaxan plus, Nutrikalm, Calmex usw.) ist eine essentielle Aminosäure, deren Wirkung im oben genannten Buch Neuropsychologie des Hundes genauer erklärt wird. Es gibt auch Futtermittel, die mit L-Tryptophan angereichert sind, vorzuziehen sind jedoch die Zusätze, da die Dosierung besser zu kontrollieren ist.
Auch zu erwähnen wäre α-Casozepin (Zylkene), diese beiden Futterzusätze kann man kombinieren oder eine Ernährungsumstellung vornehmen, wenn der Hund generell stressanfällig ist. Denn die Ernährung spielt bei Verhaltensproblemen durchaus eine wichtige Rolle.

Und dann wären da noch Phytopharmaka, also pflanzliche Medikamente, bewährt hat sich beispielsweise das freiverkäufliche Medikament Nervenruh und Nervenruh forte mit Baldrian, Melisse und Hopfen. Abstand sollte man von Lavendel nehmen, der für Hunde (aufgenommen) giftig ist.

Wer homöopathischen Mitteln, Bachblüten, Schüsslersalzen oder der Aromatherapie den Vortritt lassen will, erhält bei einem ausgebildeten Heilpraktiker oder Energethiker Hilfe. Entspannungstechniken gibts auch einige und TTouch war noch immer eine gute Idee, das davon abgeleitete Thundershirt scheint auch ganz gut zu wirken.

Abschließend und am wichtigsten folgt nur noch der allgemeine Rat, Fenster und Türen gut zu schließen, Rollläden herunterzulassen, Vorhänge vorzuziehen, den Fernseher oder Musik laut aufzudrehen, einen schmackhaften Kausnack anzubieten oder dem Hund die Decke über den Kopf zu ziehen und einfach für ihn da zu sein. Früher hieß es ja immer, man solle Angst ignorieren, da man sie sonst verstärkt. Übertriebenes Mitleiden ist sicherlich kontraproduktiv in jeder Hinsicht, souverän dem Hund beistehen dagegen nicht. Diesen Text von Dr. Ute Blaschke-Berthold möchte ich euch noch mit auf den Weg geben

– und wünsche ansonsten ein entspanntes Silvester und ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2013!

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