Wie schnell ist der Whippet? Und die Konsequenzen

Nachdem ich in einer österreichischen Tageszeitung lesen musste, dass Windhunde bis zu 110km/h schnell laufen können, der Mensch dagegen nur 44,72km/h (und nur für wenige Meter, Weltrekord von Usain Bolt), hab ich hier mal einen netten Artikel:

London (dapd). Britische Biologen haben herausgefunden, warum Geparden Windhunde trotz ihres fast identischen Körperbaus beim Rennen locker hinter sich lassen: Die Katzen setzen auf eine clevere Kombination aus schnellerer Schrittfolge, längeren Schritten und besserem Bodenkontakt. Damit kommen sie kurzzeitig auf Geschwindigkeiten von bis zu 104 Kilometern pro Stunde, während die Windhunde nicht einmal 70 Kilometer pro Stunde schaffen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Geparden ausreichend motiviert sind, ihre Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, räumen die Forscher ein – die Katzen in der Studie ließen sich nicht dazu bewegen, schneller als etwa 60 Kilometer pro Stunde zu laufen. Über ihre Arbeit berichten Penny Hudson vom Royal Veterinary College der University of London und ihre Kollegen im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“ (doi: 10.1242/jeb.066720).

Das Gewicht der Tiere ist ähnlich und ihr Körperbau ebenfalls – warum Geparden trotzdem so viel schneller sind als Windhunde, war Forschern bislang ein Rätsel. Um selbiges zu lösen, untersuchten Hudson und ihre Kollegen nun erstmals die Renntechnik beider Tiere mit Hilfe von Kraftmessplatten. Diese Messsysteme enthalten Sensoren, die die Kraftverteilung beim Bodenkontakt der Füße erfassen. Im Fall der Geparden mussten die Biologen die teure Technik dazu im Boden der Gehege vergraben und mit künstlichem Rasen tarnen. Wie sich Co-Autor Alan Wilson erinnert, waren die zuständigen Techniker gar nicht glücklich darüber, dass die empfindlichen Geräte dabei dem Schmutz und dem englischen Regen ausgesetzt waren. Die Windhunde – speziell auf Hunderennen trainierte Greyhounds – wurden dagegen im Labor getestet.

Zum Rennen animieren konnten die Biologen die neun Geparden und sechs Greyhounds mit Hilfe von Fleischstücken, die sie an einer Seilbahn über die Laufstrecke zogen und denen die Tiere hinterher hechteten. Überraschenderweise hatten die Windhunde in diesen Versuchen die Nase vorn: Sie kamen auf Geschwindigkeiten zwischen 35 und 68 Kilometern pro Stunde, die Geparden nur auf 31 bis 64. Die Katzen lagen damit weit unter den Werten, die in früheren Studien in freier Wildbahn gemessen worden waren. Es zeigten sich jedoch klare Unterschiede beim Laufstil, auch wenn beide grundsätzlich die gleiche Galopptechnik verwendeten.

So machten die Geparden zum einen grundsätzlich längere Schritte als die Hunde. Zum anderen steigerten sie mit zunehmender Geschwindigkeit sowohl die Schrittlänge als auch die Schrittfrequenz – sie ließen also die Beine nach einem Bodenkontakt schneller und weiter nach vorne schwingen. Die Hunde hielten dagegen ihre Schrittfrequenz praktisch konstant und erhöhten nur die Schrittlänge. Ein weiterer Faktor könnte die unterschiedliche Gewichtsverteilung sein, schreiben die Forscher: Die Geparden verlagerten beim Laufen 70 Prozent ihres Körpergewichts auf die Hinterbeine, bei den Hunden waren es nur knapp über 60. Dieser Unterschied reiche aus, um den Geparden einen besseren Halt und damit einen kräftigeren Absprung zu verschaffen, vermuten die Biologen.

Das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Geparden in den Versuchs-Rennen ist nach Ansicht der Forscher wohl ihrem bequemen Leben im Zoo geschuldet: Sie würden zwar durch simulierte Jagden mit der Seilbahn fit gehalten, seien jedoch seit Generationen nicht mehr dazu gezwungen gewesen, echte, lebende Beute zu verfolgen und zu erlegen. Es handele sich daher vermutlich um ein Motivations- und nicht um ein Konditionsproblem, folgern die Biologen. Als nächstes wollen sie daher versuchen, frei lebende Geparden über ihre Messgeräte flitzen zu lassen.
dapd

Quelle

Ahja, und nachdem Whippets etwas kleiner sind als ihre großen Brüder, die Greyhounds, erreichen sie bei entsprechender Veranlagung und Training auch „nur“ eine Geschwindigkeit von etwa 55-60km/h. Dafür sind sie natürlich flinker und angeblich, ich hab das nie nachgerechnet, in Relation zur Körpergröße sogar schneller als Greys. Mit Sicherheit sind sie aber schneller als alle anderen Windhundrassen, dafür nicht ganz so ausdauernd wie die Orientalen oder auch schon der Galgo Español.

Darin liegt übrigens die Gefahr bei jagenden Whippets und Windhunden allgemein, 1. sind potentielle Beutetiere wie Reh oder Hase auch nur in etwa so schnell wie ein Whippet, sind vielleicht tragend oder anderweitig eingeschränkt, und 2. ist die Verletzungsgefahr im Gelände bei einem 50km/ schnellen, (quasi) völlig hirnlos hetzenden Hund schon sehr groß, überhaupt dann, wenn sich Straßen in der Nähe befinden. Und Nähe ist relativ bei 50km/h 😉

Interessenten meinten manchmal, sie hätten ja Erfahrung mit jagdtriebigen Hunden („Unser Xy hat auch gejagt.“ …) – aber ob ich da einen hochspezialisierten „Killer“hund mit Jagderfahrung, wie es obendrauf bei den Galgos und Podis der Fall war, oder einen vergleichsweise harmlosen Vorstehhund führe, macht einen Unterschied.
Bevor man nicht gesehen hat, was aus einem faulen Couchpotato beim Anblick eines plötzlich aufgehenden Hasens wird (während man noch „Hase, wieso ist da ein Hase, ?&$!§%!, da war doch in 20 Jahren nie ein Hase!?!“ denkt, ist der Hund schon gefühlt nen km weit entfernt), weiß man das einfach nicht einzuschätzen. Geht jedem so.
Einziges Glück bei der Sache: Windhunde kommen in der Regel sofort zurück, wenn sie das Wild aus den Augen verloren haben und betreiben keine Nachsuche. Mit einem auf Nase gepolten Hund hat man da zugegeben eher ein Problem. Dass sie allerdings vorher auch nicht gezielt nach Beute suchen, ist eine Mär. Sie scannen quasi permanent die Umgebung und auch Windhunde haben eine Nase, die um ein Vielfaches besser ist als unsere. Freilauf ist also immer ein nicht unerhebliches Risiko für Tiere und Menschen und muss gut überlegt sein. Die Aufmerksamkeit muss zu annähernd 100% beim Hund und der Umgebung sein, Stichwort kommunikativer Spaziergang. Quatschen und telefonieren is nicht, das kann man sich in absolut wild- und katzenfreier Gegend erlauben, oder wenn der Windige an einer kurzen (!) Leine geht.

Diese explosive Mischung aus dem „will to kill“, dem vergleichsweise mangelhaft ausgeprägten „will to please“ und der Geschwindigkeit macht Windhunde doch etwas speziell. Ein bisschen „elitär“, wobei das in diesem Zusammenhang gar nicht abgewertet werden sollte.
Jede Rasse bringt so ihre Vor- und Nachteile mit sich, deshalb muss man sehr genau auswählen, welche in das eigene Leben passt. Der Tierschutz-Galgo-Boom (Galgo bedeutet übrigens nur Windhund auf Spanisch, dort werden Hunde nach Gebrauchswert gezüchtet, was die unterschiedliche Optik erklärt), der nach meinem Eindruck derzeit wieder etwas abschwächt, hat leider zahlreiche Opfer gefordert. Entlaufene, überfahrene und erschossene Galgos waren tatsächlich an der Tagesordnung, monatelange Suchaktionen mit Lebendfallen und Betäubungsgewehren eingeschlossen. Gibts auch derzeit noch viel zu viele, doch langsam scheint sich mehr „Qualität vor Quantität“ durchzusetzen.

Dafür scheint der Whippet jetzt ein bisschen zu boomen, die eierlegende Wollmilchsau unter den Hunden.
Praktische Größe – quasi zusammenklappbar im Auto, Cafe, Wohnung, unterm Arm; praktisches Haarkleid, in hohem Maße dekorativ, anspruchslos, aggressionslos, geräuschlos, geruchslos, kinderlieb, leicht erzieh- und führbar, wesensfest, ein Individualist, verschmust, sportlich und viel schneller als jeder andere Hund auf der Hundewiese, frei von Erbkrankheiten, gesund und robust, langlebig usw.
Manches davon stimmt, deshalb habe ich mich auch für sie entschieden 😉 Aber vieles auch nicht und es ist ganz schön gefährlich, wenn Whippets unter diesen Kriterien ausgesucht werden.
Die steigende Anzahl von Rückläufern und Schwarzzüchtern, die ihre Hündinnen viel zu früh, in jeder Läufigkeit oder in jeder 2. decken lassen und dann abstoßen (wobei das auch unter VDH/ÖKV-Züchtern gemacht wird, die unterliegen jedoch einer Wurfbeschränkung von 4-5 Würfen je Hündinnenleben), die steigenden Wurfzahlen in den Clubs, das spricht eine eindeutige Sprache. Zwar war der Whippet unter den Windhunden aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften immer schon beliebt, unter anderem ist er der einzige mittelgroße Hund in der Gruppe X (sieht man vom Silken Windsprite ab, der zumindest in Tschechien und der Slowakei als Silken Windsprite/Longhaired Whippet national FCI-anerkannt ist), aber es nimmt merklich negative Auswüchse an.
Ich wünsche mir wirklich sehr, dass der Whippet nicht dem Schicksal „Modehund“ erliegt, dass er ein Hund für die Elite bleibt. Für Hundehalter, die sich besonders gut informiert haben, die besonders gut überlegt haben, die besonders gut wählen und die sich besonders viel Mühe geben.

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